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Ischias Behandlung © Sebastian Kaulitzki

Ischias

Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) ist unser längster und mit einem Querschnitt von ein bis eineinhalb Zentimetern dickster Nerv. Er setzt sich aus mehreren Nervenwurzeln zusammen und entspringt beidseitig aus dem Lenden-Kreuzbein-Geflecht (Plexus lumbosacralis). Dieses liegt zwischen dem vierten Lenden- und dem zweiten Kreuzbeinwirbel und versorgt die Gesäßregion sowie die Beine. Eine Reizung, Einengung oder Schädigung des Ischiasnervs kann heftige Schmerzen und sogar Lähmungserscheinungen verursachen . . . 

Nachdem der Nerv die Wirbelsäule durch sogenannte Zwischenwirbellöcher verlassen hat, zieht er über das Gesäß und die Rückseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle. Dort teilt er sich in den Schienbein- und Wadennerv auf, die den Unterschenkel und den Fuß versorgen.

Ursachen

Für eine Reizung, Einengung bzw. Schädigung des Ischiasnervs und damit für die Entstehung von Schmerzen können verschiedene Ursachen verantwortlich sein, v.a.:

  • Einengung bzw. Einklemmung des Nervs:
    • Verschleißerscheinungen an den Bandscheiben (v.a. Bandscheibenvorfall) oder den Wirbelkörpern am Übergang von Lendenwirbelsäule und Kreuzbein führen zu einer Verengung der Zwischenwirbellöcher und damit zu einer Einklemmung des Nervs. Dadurch kommt es v.a. bei abrupten Bewegungen, Drehungen und beim Heben zu Schmerzen;
    • Fehlstellungen der Wirbelsäule;
    • Muskelverspannungen im unteren Rückenbereich;
    • Druck im kleinen Becken durch Tumoren oder während der Schwangerschaft durch das ungeborene Kind;
  • Nervenreizungen z.B. durch kühle Zugluft, Nässe (z.B. nasse Badekleidung), Sitzen auf kalten Steinen oder Erkältungen;
  • Nervenentzündungen z.B. durch Infektionen wie Gürtelrose (Herpes zoster);
  • Nervenschädigungen im Rahmen chronischer Krankheiten (z.B. Diabetes, Rheuma) oder Verletzungen (z.B. Bruch der Hüftknochen oder Verrenkungen).

Symptome

Ischiasschmerzen werden häufig als dumpf, pochend oder wie ein elektrischer Schlag beschrieben. Sie beginnen oft ganz plötzlich, „wie aus heiterem Himmel“. Meist ist nur eine Körperhälfte betroffen und die Schmerzen strahlen in den gesamten Verlauf des Nervs von der Lendengegend über das Gefäß bis ins Bein oder den Fuß aus. Mögliche Begleiterscheinungen sind Taubheitsgefühle, Kribbeln, erhöhte Empfindlichkeit, Brennen, Muskelschwäche oder sogar Lähmungen. Infolge des Schmerzes an der Nervenaustrittstelle verkrampft sich die Muskulatur im Bereich der Wirbelsäule. Dadurch werden die Schmerzen weiter verstärkt. Häufig wird unbewusst eine Schonhaltung eingenommen, z.B. indem der Oberkörper seitwärts gebeugt wird.

Bestimmte Aktivitäten oder Körperhaltungen wie z.B. Husten, Niesen, Liegen, Sitzen oder Stehen können die Beschwerden verschlimmern. So wird durch das Vorbeugen mit gestreckten Beinen zu den Zehenspitzen bzw. das Anheben des gestreckten Beines in der Rückenlage der Ischiasnerv gedehnt und schmerzt dadurch stärker (Lasègue-Zeichen). Hingegen werden die Beschwerden häufig durch Gehen besser.

Diagnose

Die Diagnosestellung ergibt sich oft bereits aus den typischen Beschwerden sowie den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung. Beim sogenannten Lasègue-Test wird bei der Patientin/dem Patienten in Rückenlage ein Bein um etwa 60 Grad in die Höhe gehoben und dadurch der Ischiasnerv gedehnt. 

Liegt eine Nervenreizung vor, tritt ein plötzlicher, heftiger Schmerz im Bein auf. Eine weitere Anhebung des Beines ist aufgrund der starken Schmerzen in Bein, Gesäß und unterem Rücken meist nicht möglich. Gegebenenfalls sind weitere Untersuchungen zur Abklärung der Ursachen nötig, z.B. Elektromyographie, Röntgen, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie.   

Unterschiedliche Therapiemethoden

Zur Behandlung des Ischiassyndroms stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Medikamente: zum Einsatz kommen schmerzstillende und entzündungshemmende Mittel (z.B. nichtsteroidale Antirheumatika) zum Schlucken oder als lokale Injektionen in die Nervenwurzel (v.a.Kortison), bei Bedarf auch muskelentspannende Präparate (Muskelrelaxantien);
  • Physikalische Therapie: v.a. Wärme- oder Kälteanwendungen;
  • Physiotherapie (meist nach Abklingen der Akutbeschwerden): v.a. zur Verhinderung weiterer schmerzhafter Episoden, z.B. Übungen zum Muskelaufbau, Training wirbelsäulenschonender Bewegungsabläufe, Rückenschule;
  • Operation: Bei fortschreitender Lähmung oder Sensibilitätsausfall oder bei unbehandelbaren Schmerzen. Gegebenenfalls bei chronischen Beschwerden und einem Bandscheibenvorfall bzw. wenn mit anderen Maßnahmen keine ausreichende Besserung erzielt werden kann. Dabei werden entweder eine Entlastungsoperation, eine Versteifung der Wirbelkörper oder die Implantation einer künstlichen Bandscheibe durchgeführt.

Normale Aktivitäten sind heilungsfördernd, tagelange Schonung ist eher kontraproduktiv. Die meisten Ischiassyndrome heilen nach einigen Wochen ohne Restbeschwerden aus, nur in seltenen Fällen kommt es zu Rückfällen oder ist eine Operation nötig. Hilfreich ist, den Lebensstil anzupassen und auf rückenfreundliches Verhalten zu achten. Nähere Informationen finden Sie unter Rückenschmerz: Vorbeugung.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Auftreten von Ischiasschmerzen können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Orthopädie,
  • Fachärztin/Facharzt für Neurologie.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Untersuchungen und Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

 

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