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Bub sitzt am Töpfchen © EvgeniiAnd

Harnwegsinfekt bei Kinder

„Harnwegsinfektion“ ist der Überbegriff für eine meist durch Bakterien, seltener durch Viren oder Pilze bedingte Entzündung der Harnwege. Diese umfassen Niere, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre. Bei Buben können auch die Prostata, Samenleiter und Nebenhoden betroffen sein. Wenn nur die Blase betroffen ist, spricht man von Blasenentzündung. Sie läuft meist ohne Fieber ab. Wenn Fieber dazukommt, sind oft auch die Nieren betroffen und man spricht von Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) . . .

Ursachen

Harnwegsinfekte sind in der Regel nicht ansteckend, gehören jedoch zu den häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Im ersten Lebensjahr sind Mädchen seltener als Jungen betroffen, später jedoch wesentlich häufiger, da sie eine kürzere Harnröhre haben und ihre Harnröhrenmündung näher am After gelegen ist. Mit zehn Jahren hatten etwa drei Prozent der Mädchen und ein Prozent der Buben bereits einmal einen Harnwegsinfekt.

Meist sind die Auslöser Bakterien, die aus dem eigenen Darm stammen, v.a. E. coli, Proteus, Pseudomonas, Klebsiella und Enterokokken. Diese können in der Harnröhre bis in die Blase oder sogar ins Nierenbecken aufsteigen. Seltener können auch Viren oder Pilze eine Infektion der Harnwege verursachen. Mögliche Risikofaktoren – insbesondere auch für wiederkehrende Harnwegsinfekte – sind u.a.:

  • Geringe Trinkmenge,
  • Operationen,
  • Abwehrschwäche,
  • Blasenentleerungsstörungen,
  • Verstopfung,
  • Zurückfließen von Harn von der Blase in Harnleiter und Nieren (sogenannter vesikoureteraler Reflux),
  • Harnsteine,
  • Fehlbildungen und Abnormitäten des Urogenitaltraktes: z.B. Harnröhrenklappen, Nierenbeckenabgangsenge, Vorhautverengung,
  • Mangelnde/falsche Stuhlhygiene.

Symptome

Typische Symptome einer Blasenentzündung (Zystitis) sind Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und Einnässen (auch bei Kindern, die bereits trocken waren). Wenn Fieber dazukommt, liegt meistens auch eine Nierenbeckenentzündung vor.
Kleine Kinder können Beschwerden meist noch nicht gezielt angeben. Manchmal wird lediglich stark (übel-)riechender Harn bemerkt. Die Haut ist insbesondere bei Säuglingen oft grau-blass. Wenn Fieber, Flanken- oder Bauchschmerzen und/oder Erbrechen hinzukommen, liegt zusätzlich meistens eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) vor. Insbesondere bei Säuglingen kann es relativ rasch zu Fieber, Erbrechen und Schock kommen.

Hinweis Bei Mädchen kann gelegentlich eine sogenannte asymptomatische Bakteriurie auftreten. Dabei befinden sich Bakterien oft jahrelang in der Blase, verursachen jedoch keine akuten Beschwerden oder Folgeerscheinungen.

Mögliche Komplikationen

Eine Blasenentzündung hat unmittelbar keine besonderen Folgen, außer den Beschwerden beim Wasserlassen. Manchmal kann sich daraus eine Blasenentleerungsstörung entwickeln, wenn die Kinder gewohnheitsmäßig – aus Angst vor Schmerzen – den Harn zurückhalten. Dann steigt das Risiko für weitere Harnwegsinfekte. Eine unbehandelte schwere Nierenbeckenentzündung kann hingegen akut einen schweren Verlauf nehmen, zu einem septischen Schock führen und bleibende Schäden nach sich ziehen.

Harnwegsinfektionen neigen dazu, chronisch zu werden bzw. häufig wiederzukehren. Dann können sie auch zu Gewebeschädigungen und Narbenbildung – insbesondere in den Nieren – führen. Daraus ergeben sich für die spätere Gesundheit mögliche Komplikationen wie Bluthochdruck, chronische Nierenschäden sowie bei Frauen Komplikationen während der Schwangerschaft. Aus diesem Grund sollten Harnwegsinfektionen immer ausreichend lange behandelt und der Therapieerfolg kontrolliert werden.

Diagnose

Bei jedem Kind mit Fieber über 38 Grad Celsius muss auch der Harn untersucht werden. Bei Vorliegen einer Harnwegsinfektion können im Urin häufig vermehrte Leukozyten (Entzündungszellen) und Bakterien nachgewiesen werden, manchmal auch Blut, Nitrit, Proteine und Zellzylinder. Am besten wird Morgenurin herangezogen. Der Genitalbereich sollte vor der Harngewinnung gereinigt werden. Wenn das Kind schon in einen Becher urinieren kann, soll der Harnbecher während des Wasserlassens kurz untergehalten und die zweite Urinportion aufgefangen werden.

Manchmal ist eine Blasenpunktion erforderlich. Dafür wird ein schmerzstillendes Pflaster auf die Bauchhaut geklebt. Nötigenfalls muss der Harn mittels Katheter gewonnen werden. Bei Wickelkindern wird ein Auffangbeutel um den Harnausgang geklebt. Gegebenenfalls können bildgebende Verfahren wie u.a. Ultraschall oder Röntgen notwendig sein, um beispielsweise angeborene Fehlbildungen und Stauungsnieren zu erkennen.

Vorbeugung & Therapie

In der Regel erfolgt die Einnahme eines Antibiotikums, bei bakteriellem Harnwegsinfekt ohne Fieber über fünf bis sieben Tage, bei einem fieberhaften Infekt über zehn bis 14 Tage. Bei hohem Fieber sowie schlechtem Allgemeinzustand sollte das Kind im Krankenhaus behandelt werden und eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr erhalten.

Weitere unterstützende Maßnahmen, die teilweise auch der Vorbeugung weiterer Harnwegsinfekte dienen können, sind u.a.:

  • Preiselbeersaft oder Cranberryextrakt: hemmt die Anheftung von E.coli-Bakterien an die Schleimhaut des Harntraktes und verringert das Risiko von Harnwegsinfekten. Allerdings sind dazu relativ hohe Mengen erforderlich.
  • Viel trinken: Der dadurch häufigere Drang zum Wasserlassen sorgt für eine bessere Durchspülung der Harnwege.
  • Lokale Wärmeanwendung: Wärmflasche, warme Sitzbäder in Kamillelösung.
  • Bettruhe: insbesondere bei Fieber.
  • Krampflösende und schmerzstillende Medikamente.
  • Vermeidung von Unterkühlung.
  • Vermeidung falscher Reinigungstechniken nach dem Stuhlgang: immer von vorne nach hinten abwischen.
  • Wenn nötig antibiotische Prophylaxe über einige Monate.
  • Regelmäßige Kontrollen.
  • Bei häufig wiederkehrenden, nicht fieberhaften Harnwegsinfekten ist es wichtig, die Ursache zu identifizieren. Bei zusätzlich bestehenden Anomalien der ableitenden Harnwege sollten diese korrigiert werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind eine Blasenentzündung hat, sollten Sie sich umgehend an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Kinder- und Jugendheilkunde,
  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

In manchen Situationen kann zur Behandlung einer Harnwegsentzündung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Dabei wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Hausärztin/den Hausarzt bzw. durch die Fachärztin/ den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet ein Spitalsaufenthalt?

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