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Unterschiedlich farbige Pillen © SIA

HIV: Verlauf der Infektion

Die HIV-Erkrankung verläuft in mehreren Stadien. Sechs Tage bis sechs Wochen nach erfolgter Ansteckung kann es zum Auftreten der akuten HIV-Erkrankung kommen. Die Beschwerden sind unspezifisch und ähneln meist jenen anderer viraler Infekte (Fieber, Lymphknotenschwellung, Gelenks- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, manchmal Ausschlag und/oder Durchfall etc.). Die akute HIV-Infektion klingt normalerweise nach einigen Tagen bis Wochen ab . . .

Stadien der Infektion

Es folgt meist ein symptomfreies Intervall von mehreren Jahren, in dem die Infektion lediglich durch Blutuntersuchung – serologisch frühestens sechs Wochen nach der Infektion – nachweisbar ist. In dieser Phase (Stadium A: Primärinfektion, asymptomatische HIV-Infektion) „ruht“ die HIV-Infektion jedoch nicht. Vielmehr handelt es sich um ein sehr dynamisches Geschehen, bei dem jeden Tag Milliarden neuer Viren entstehen bzw. abgetötet werden. 

Eine unbehandelte chronische Infektion bewirkt (wenn auch ohne Symptome im Sinne der HIV-Klassifikation) einen Zustand der chronischen Immunaktivierung bzw. Entzündung. Diese chronische Entzündung im Körper dürfte, wie bei anderen chronischen Erkrankungen, dafür verantwortlich sein, dass bei HIV-Infizierten vermehrt und bereits in jungen Jahren Folgeerkrankungen von unterschiedlichen Organsystemen wie Herz/Kreislauf, Niere, Osteoporose, bestimmte Krebsformen oder Diabetes mellitus beobachtet werden.

Im weiteren Verlauf der unbehandelten HIV-Infektion kann es in der Vorstufe der AIDS-Erkrankung (Stadium B) zu einer erhöhten Infektanfälligkeit, Auftreten bestimmter Erkrankungen (ausgeprägte Gürtelrose, Mundhöhlenpilz, Hautentzündungen), Fieber oder länger dauernden Durchfällen kommen. Das Vollbild der AIDS-Erkrankung (Stadium C) ist durch das Auftreten ganz bestimmter sogenannter AIDS-definierender Erkrankungen (schwere Infektionserkrankungen durch opportunistische Erreger, bestimmte Krebsarten, etc.) definiert.

Therapie verbessert Lebenserwartung/Lebensqualität

Durch gezielt gegen das HI-Virus wirkende antiretrovirale Medikamente wird der Ausbruch von AIDS bzw. das Fortschreiten der HIV-Infektion und/oder von Folgeerkrankungen der chronischen Immunaktivierung verhindert. 

Folgende Bedingungen ermöglichen eine ähnliche Lebenserwartung und Lebensqualität wie bei nicht Infizierten:

  • optimale Langzeittherapie,
  • erfolgreiche Vermeidung von unerwünschten Nebenwirkungen,
  • regelmäßige und vollständige Einnahme der antiretroviralen Medikamente,
  • konsequente Behandlung von zusätzlichen Erkrankungen.

Bei kontinuierlich richtiger Einnahme der HIV-Therapien wird das Virus dauerhaft unterdrückt. Die Abwehr erholt sich auf meist normale Werte und die Lebenserwartung der Betroffenen ist fast gleich wie die von nicht HIV-Infizierten. Somit wird aus einer potenziell tödlichen Erkrankung eine chronische, kontrollierte, nicht mehr bedrohende Infektion. Bei fehlerhafter Einnahme kann sich HIV an die Medikamente gewöhnen (durch Resistenzmutationen, die im Virus gespeichert bleiben) und die Therapie verliert an Wirkung. Derzeit müssen die Medikamente kontinuierlich und lebenslang eingenommen werden, da sich bei Absetzen der Therapie (egal, wie lange sie vorher erfolgreich eingenommen wurde) HIV rasch wieder vermehrt. Die Abwehr wird dann erneut geschädigt und es droht wieder die Erkrankung AIDS mit all ihren Folgen.

Therapietreue sichert Behandlungserfolg

Für eine dauerhafte Wirksamkeit ist die korrekte und kontinuierliche Einnahme der HIV-Medikamente von entscheidender Bedeutung. Daher ist es wichtig, die Betroffenen von der kontinuierlichen Einnahme zu überzeugen und sie dabei zu unterstützen, um einen optimalen Therapieerfolg zu sichern.

Unerwünschte Nebenwirkungen der HIV-Therapie sind sehr unterschiedlicher Natur und teils spezifisch für einzelne Substanzen oder Substanzklassen. Sie werden auch durch andere Begleitinfektionen (z.B. infektiöse Hepatitis) beeinflusst. Bestimmte unerwünschte Nebenwirkungen treten nur bei hierfür genetisch prädisponierten Personen auf. So tritt z.B. eine Unverträglichkeit gegen die Substanz Abacavir fast ausschließlich bei Personen mit dem genetischen Merkmal HLA-B57.01 auf. Durch eine Testung von Therapiekanditatinnen/-kandidaten auf dieses Gen und das Vermeiden einer Therapie mit Abcavir bei all jenen mit dem Gen HLA-B57.01 (etwa fünf Prozent der Allgemeinbevölkerung) wird mittlerweile diese Nebenwirkung vermieden.

Die Verträglichkeit moderner HIV-Medikamente hat sich jedoch im Vergleich zu den früheren Medikamenten dramatisch verbessert. So tritt z.B. die früher häufige und von den Betroffenen gefürchtete Fettumverteilung (Lipodystrophie) bei den modernen Medikamenten nicht mehr auf. Ein Ziel jeder HIV-Therapie ist u.a., eine möglichst einfache und nebenwirkungsfreie Einnahme der Medikamente zu gewährleisten. Sollte dies mit der ersten Therapie nicht gleich möglich sein, stehen heute ausreichend Behandlungsalternativen zur Verfügung. Ein weiterer Vorteil neuerer Medikamente (z.B. Integrasehemmer) ist das minimierte Risiko für Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Auch deshalb werden diese Substanzen schon in den frühen Therapien empfohlen. Andere HIV-Medikamente, wie Proteasehemmer und Nicht-Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Hemmer haben Wechselwirkungen mit einer Vielzahl von nicht HIV-Medikamenten. Dies ist insbesondere auch in Hinblick auf das zunehmende Alter der HIV-Infizierten problematisch.

Subjektive Verträglichkeit ist in Bezug auf Therapietreue ein ganz wichtiges Faktum, nicht weniger wichtig ist allerdings auch die Verträglichkeit in Bezug auf den Stoffwechsel oder andere Organsysteme (Knochen, Niere, ZNS etc.). Auch diesbezüglich sind HIV-Medikamente sehr unterschiedlich und oft kann ein Austausch einer Substanz eine bestimmte Organbelastung wieder rückgängig machen.

Durch eine enge Zusammenarbeit mit einer Vertrauensärztin/einem Vertrauensarzt können die Patientinnen und Patienten unerwünschte Nebenwirkungen in den allermeisten Fällen beheben oder zumindest sehr gut in den Griff bekommen. Einen positiven Beitrag leisten in diesem Zusammenhang auch eine Änderung des Lebensstils, die Vermeidung zusätzlicher belastender Einflüsse und/oder die Behandlung von Begleiterkrankungen.

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