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Bub in Krankenhausbett © famveldman

Vergrößerte Rachenmandel: Diagnose & Therapie

Eine Vergrößerung der Rachenmandel an sich ist keine Krankheit und kommt insbesondere in der Kindheit sehr häufig vor. Sobald sie jedoch Beschwerden verursacht, sollte eine entsprechende Behandlung begonnen werden, um Komplikationen zu vermeiden.

Die Diagnose ergibt sich aus dem Beschwerdebild und den Ergebnissen der fachärztlichen Untersuchung. Je nach Schwere und Dauer der Symptome kann eine operative Entfernung der Rachenmandel nötig sein. Der Großteil der Betroffenen ist danach langfristig beschwerdefrei.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Der Verdacht auf eine Rachenmandelhyperplasie ergibt sich in den meisten Fällen aus den Symptomen und dem häufig vorhandenen typischen Gesichtsausdruck der betroffenen Kinder.

Zur Diagnosesicherung wird die HNO-Ärztin/der HNO-Arzt eine Spiegelung des hinteren Nasen-Rachen-Raumes (sogenannte posteriore Rhinoskopie) durchführen. Die Zunge wird mit einem Holzspatel leicht nach unten gedrückt, und mit einem abgewinkelten Spiegel wird der hintere Nasen-Rachen-Raum inspiziert. So lässt sich eine vergrößerte Rachenmandel gut erkennen. Unter Umständen untersucht die Ärztin/der Arzt auch die Nasenhöhle mithilfe eines Endoskopes; dabei wird ein dünnes Rohr, an dessen Ende eine kleine Lichtquelle und eine kleine Kamera angebracht sind, vorsichtig in die Nase eingeführt.

Die Ohren werden mithilfe eines Otoskopes (Gerät zur Betrachtung des Gehörganges und des Trommelfells) mituntersucht. Zusätzlich wird ein Hörtest durchgeführt.

Zudem kann die Beweglichkeit des Trommelfells mittels Tympanometrie beurteilt werden. Dabei werden die Druckverhältnisse im Mittelohr sowie die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells gemessen. Die Untersuchung ermöglicht es, den Verdacht auf eine Schallleitungsstörung zu bestätigen.

Wie erfolgt die Behandlung einer Rachenmandelhyperplasie?

Eine vergrößerte Rachenmandel an sich muss nicht zwangsläufig behandelt werden. Sobald sie jedoch Beschwerden macht, ist eine Therapie nötig.

Bei mäßiger Behinderung der Nasenatmung kann zunächst konservativ behandelt werden: Spülungen mit Meersalzlösungen können die Rachenmandel zum Abschwellen bringen und die Beschwerden lindern.

Wenn das Kind auf diese Behandlung nicht anspricht oder wenn die Beschwerden schon primär stark ausgeprägt sind, sollte die Rachenmandel operativ entfernt werden. Der Fachbegriff dafür lautet Adenotomie. Die Ärztin/der Arzt wird zu dem Eingriff raten, wenn:

  • die Nasenatmung stark behindert ist,
  • das Kind innerhalb eines Jahres gehäuft unter Infekten der oberen Atemwege leidet,
  • die Mittelohrbelüftung gestört ist oder Ohrbeschwerden bestehen 
  • oder das betroffene Kind nachts Atemaussetzer (Schlafapnoe) hat.

Die Adenotomie wird in Vollnarkose durchgeführt. Die Rachenmandel wird mit einem speziellen Instrument, einem sogenannten Ringmesser, herausgeschält. Die Blutung wird mit einem Tupfer gestillt, eine Naht ist nicht nötig. Insgesamt dauert die Operation nur etwa zehn bis 15 Minuten. Sie erfolgt oft ambulant, und das Kind kann nach ein paar Stunden Beobachtung nach Hause gehen.

Besteht ein Paukenerguss, wird im Rahmen der Operation zusätzlich ein kleiner Schnitt im Trommelfell (Parazentese) gesetzt und das Sekret abgesaugt. Unter Umständen wird ein sogenanntes Paukenröhrchen in das Trommelfell eingelegt, wodurch das Sekret über längere Zeit langsam abfließen kann und das Mittelohr gut belüftet wird. Das Paukenröhrchen verbleibt etwa drei bis sechs Monate im Ohr und stößt sich danach von selbst ab oder wird von der HNO-Ärztin/dem HNO-Arzt entfernt.

Der Großteil der Kinder ist nach einer Adenotomie langfristig beschwerdefrei. In seltenen Fällen kann die Rachenmandel nachwachsen und erneut Beschwerden verursachen.

Die häufigsten Nebenwirkungen der Operation sind Schluckbeschwerden und Wundschmerzen im Rachen. Manchmal klagen die Kinder auch über Ohrenschmerzen. Bis zu zwei Wochen nach der Operation kann ein unangenehmer Mundgeruch auftreten. In selteneren Fällen können Entzündungen im Wundbereich auftreten.

Die schwerwiegendste Komplikation sind Nachblutungen. Sie sind insgesamt selten, das größte Risiko besteht innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Eingriff. In diesem Zeitraum sollte das Kind nie unbeobachtet bleiben. Wichtig: Starke Nachblutungen sind ein Notfall und müssen umgehend behandelt werden! Wenn das Kind aus Nase oder Mund blutet oder Blut erbricht, muss sofort ein Krankenhaus aufgesucht werden. Auf Sport und andere körperliche Anstrengungen sowie Vollbäder, Duschen mit heißem Wasser oder Schwimmen sollte etwa zwei Wochen lang verzichtet werden.

Kontraindikationen für eine Adenotomie sind z.B. ein bestehender akuter Infekt und Fieber sowie Blutgerinnungsstörungen. Letztere gehen mit einem starken Blutungsrisiko einher und müssen vor der Operation ausgeschlossen werden.

Die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt wird im Vorfeld genau über Risiken und mögliche Komplikationen aufklären. Die Adenotomie gehört zusammen mit der Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) zu den häufigsten Operationen bei Kindern, oft werden beide Operationen auch kombiniert.

Wohin kann ich mich wenden?

Anlaufstelle bei Symptomen einer Rachenmandelvergrößerung ist eine Fachärztin/ein Facharzt für HNO-Heilkunde.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten der Abklärung und der Behandlung bei einer Rachenmandelhyperplasie werden im Regelfall vom zuständigen Krankenversicherungsträger übernommen.

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