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Arzt-Patienten-Gespräch © goodluz

Tinnitus: Diagnose & Therapie

Tinnitus ist streng genommen keine Krankheit, sondern ein Hinweis auf eine Störung in unserem Hörsystem. Jedes neu auftretende Ohrgeräusch sollte fachärztlich abgeklärt werden, um eine Ursache herauszufinden und entsprechende Therapiemaßnahmen einzuleiten. Die Behandlung richtet sich vor allem nach den Ursachen und dem bisherigen Verlauf des Tinnitus. Ziel ist die vollständige Beseitigung des Ohrgeräusches . . .

Anamnesegespräch & HNO-Untersuchung

Bei Auftreten von Tinnitus sollte rasch eine HNO-Ärztin/ein HNO-Arzt aufgesucht werden, da bei einer frühzeitigen Behandlung meist die besten Erfolgschancen bestehen. In einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) werden detaillierte Informationen erhoben. Unter anderem können folgende Fragen relevant sein:

Charakteristik der Ohrgeäusche

  • Auf welchem Ohr hören Sie Ihren Tinnitus (rechts, links, beidseits, im Kopf)?
  • Wann hat Ihr Tinnitus begonnen?
  • Hat Ihr Tinnitus plötzlich oder langsam einschleichend begonnen?
  • Ist Ihr Tinnitus nur in der Stille hörbar?
  • Kann der Tinnitus durch gewöhnliche Umgebungsgeräusche maskiert werden?
  • Übertönt Ihr Tinnitus alle Geräusche?
  • Ist die Lautstärke Ihres Tinnitus im Laufe des Tages immer gleich oder schwankend?
  • Wird Ihr Tinnitus durch normale Umgebungsgeräusche lauter?
  • Ist Ihr Tinnitus tagsüber ständig da? Gibt es Unterbrechungen, wenn ja, wie lange?

Persönlich wahrgenommene Auswirkungen

  • Ist Ihr Tinnitus belastend?
  • Ist Ihr Tinnitus quälend? Von Anfang an oder erst später?
  • Sind Sie besonders geräuschempfindlich?
  • Lässt sich der Tinnitus durch seelische Anstrengung beeinflussen?

Mögliche Begleiterkrankungen

  • Bemerken Sie oder andere Personen, dass Sie schlechter hören oder verstehen?
  • Ist der Tinnitus zusammen mit einer Hörminderung und/oder Ohrdruck aufgetreten?
  • Haben Sie Gleichgewichtsstörungen?
  • Ist der Tinnitus zusammen mit heftigem Drehschwindel aufgetreten?
  • Lässt sich der Tinnitus durch bestimmte Kopfhaltungen, Kiefer-/Kaumuskulaturanspannung oder körperliche Anstrengung beeinflussen?
  • Welche Medikamente nehmen Sie derzeit ein?
  • Wurden Sie wegen schweren Infektionen (z.B. Tuberkulose, Meningitis, Myokarditis, Pneumonie, Malaria etc.) oder einer bösartigen Erkrankung medikamentös behandelt, und wenn ja, womit?
  • Wurden Sie wegen einer bösartigen Erkrankung im Kopf-Hals-Bereich bestrahlt?
  • Bestehen Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen?
  • Gibt es Hinweise auf weitere Störungen und psychische oder körperliche Begleiterkrankungen?

Die Anamnese, oft in Kombination mit speziellen Tinnitus-Fragebögen, ermöglicht eine Einschätzung des subjektiven Schweregrades (z.B. nach Biesinger):

  • Grad 1: Der Tinnitus ist gut kompensiert, kein Leidensdruck.
  • Grad 2: Der Tinnitus tritt hauptsächlich in Stille auf und wirkt störend bei Stress und Belastungen.
  • Grad 3: Der Tinnitus führt zu einer dauernden Beeinträchtigung im privaten und beruflichen Bereich. Es treten Störungen im emotionalen, kognitiven und körperlichen Bereich auf.
  • Grad 4: Der Tinnitus führt zur völligen Dekompensation im privaten Bereich und zur Berufsunfähigkeit.

In jedem Fall folgt eine umfassende HNO-ärztliche Untersuchung, gegebenenfalls werden weiterführende Diagnoseverfahren durchgeführt.

Therapie

Die Therapie richtet sich vor allem nach den Ursachen und dem bisherigen Verlauf des Tinnitus. Ziel ist die vollständige Beseitigung des Ohrgeräusches. Dieses wird insbesondere beim akuten Tinnitus häufig erreicht. Gelingt dies jedoch nicht, kommen diverse Verfahren mit dem Ziel zum Einsatz, die Ohrgeräusche subjektiv erträglicher zu machen.

Akuter und subakuter Tinnitus

Der akute und der subakute Tinnitus verschwinden in einem Großteil der Fälle von selbst oder durch möglichst frühzeitige Behandlung der Ursachen. Diese besteht meist in entzündungshemmenden und durchblutungsfördernden Medikamenten. Darüber hinaus werden Ruhe und Entspannung zur Stressreduktion empfohlen. Zusätzlich erfolgt ein ausführliches Tinnitus-Aufklärungs- und Beratungsgespräch (sogenanntes Counselling) über individuelle Risikofaktoren sowie vorbeugende Verhaltensmaßnahmen. Die Betroffenen werden detailliert über die zugrunde liegenden Mechanismen ihres Tinnitus informiert. Dies soll ihnen nicht zuletzt auch helfen, unbegründete Bedenken und Sorgen (z.B. Angst vor einer gefährlichen Krankheit von Ohr und Gehirn) abzubauen.

Chronischer Tinnitus

Dieser besteht ein Jahr oder länger. Zu seiner Behandlung werden insbesondere beim dekompensierten, d.h. subjektiv schwer erträglichen, Tinnitus häufig medikamentöse, physikalische, apparative, diätetische, psychologische bzw. psychotherapeutische, beratende und aufklärende sowie musiktherapeutische Maßnahmen kombiniert.

Eine häufig angewendete physikalische Methode ist beispielsweise die Elektrostimulation: Diese kann Ohrgeräusche vermindern, die auf einen Schaden im Innenohr zurückzuführen sind, d.h. wenn Haarzellen, also die fein behaarten Nervenzellen im Innenohr, fehlen oder geschädigt sind.

Apparative Methoden sind z.B.:

  • „Maskieren“: Ein beidseitig zu tragendes Gerät erzeugt Geräusche, die lauter sind als der Tinnitus und diesen überdecken („maskieren“), sodass man ihn nicht oder nicht mehr als störend wahrnimmt.
  • Hörgeräte-Versorgung: Dadurch erreicht man eine Verbesserung des Hörens, des Wortverständnisses sowie des Richtungshörens und eine Maskierung der Ohrgeräusche.

Tinnitus-Retraining

Diese ein bis zwei Jahre dauernde Therapie kann zum Einsatz kommen, wenn andere Verfahren keinen zufriedenstellenden Erfolg gebracht haben. Mittels eines kleinen Rausch-Generators in oder hinter dem Ohr wird ein Geräusch (Breitbandrauschen) eingespielt, das leiser als der Tinnitus ist. Dadurch soll das Gehirn lernen, die als störend empfundenen Ohrgeräusche weniger stark bis gar nicht mehr wahrzunehmen. Diese Rausch-Generatoren müssen unbedingt mit psychotherapeutischer Begleitung, dem Erlernen entsprechender Kompensationstrainingsmethoden (z.B. Autogenes Training, Musiktherapie) und einem gezielten Counselling (Einschulung, Aufklärung, Beratung) kombiniert werden.

Was kann ich selbst tun?

  • Vermeiden Sie absolute Stille. Diese macht besonders „hellhörig“ für Rauschen, Brummen, Surren & Co. Positiv wirkt z.B. ein Zimmerbrunnen oder leise Musik.
  • Vermeiden Sie Lärm!
  • Lenken Sie sich von dem Ohrgeräusch ab!
  • Bewegen Sie sich regelmäßig!
  • Achten Sie auf regelmäßigen und ausreichenden Schlaf!
  • Leise, entspannende Musik kann z.B. beim Einschlafen vom Tinnitus ablenken.
  • Lernen Sie Methoden zur Entspannung und Stressbewältigung. Nähere Informationen finden Sie unter Stress ud Erholung.
  • Tragen Sie ein Hörgerät, wenn der Tinnitus Folge einer entsprechenden Hörstörung ist. Dadurch wird die Empfindlichkeit der höheren Hörzentren herabgesetzt. Sie hören und verstehen besser, haben ein besseres Richtungshören, und die Ohrgeräusche werden maskiert.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Auftreten von Tinnitus können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Hausärztin/Hausarzt,
  • HNO-Ärztin/HNO-Arzt,
  • auf Tinnitus spezialisierte Zentren, Kliniken und Ambulanzen.

Ergänzende Hilfestellung bieten auch die Österreichische Tinnitus-Liga sowie Selbsthilfegruppen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). 

Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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