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Kind mit Hörgerät © aerogondo

Hörverlust im Kindesalter

Schwerhörigkeit oder Ertaubung bei Kindern hat weitreichende Folgen für die Sprachentwicklung und Bildung sozialer Fähigkeiten. Um eine weitgehend normale Entwicklung und schulische Leistungsfähigkeit zu ermöglichen, sind eine Früherkennung sowie eine angemessene Therapie von besonderer Wichtigkeit. In Österreich werden ein bis zwei von 1.000 Kindern mit einer relevanten Hörschädigung geboren. Die Hälfte der Fälle ist erblich bedingt. Unterschieden werden angeborene und erworbene Schwerhörigkeit . . .

Angeborene Hörschädigung

Als Risikofaktoren für eine angeborene  Hörschädigung gelten u.a.:

  • familiäre Hörstörungen,
  • Aufenthalt in einer Intensivstation über mehr als 48 Stunden,
  • Beatmung,
  • Frühgeburt (vor der 32. Schwangerschaftswoche),
  • Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm,
  • Infektionen des Embryos während der Schwangerschaft (z.B. Röteln),
  • Fehlbildungen des Kopfes (z.B. Gaumenspalte, Ohranhängsel),
  • Syndrome mit assoziierter Hörstörung (z.B. Trisomie 21, CHARGE-Syndrom, Waardenburg Syndrom).

Diagnose

Um Hörstörungen zu erkennen, wird eine Früherkennungsuntersuchung für alle Neugeborenen angeboten (Neugeborenen-Hörscreening, sogenannte Messung otoakustischer Emissionen, OAEs). Das völlig schmerzfreie Hörscreening wird meist noch im Krankenhaus durchgeführt. Dabei wird eine Hörsonde sanft in den äußeren Gehörgang eingeführt. Sollte im Spital kein Hörtest erfolgt sein, kann er auch in der Praxis einer HNO-Ärztin/eines HNO-Arztes nachgeholt werden. 

Das Ergebnis des Hörscreenings ist noch keine Diagnose. Ein unauffälliges Ergebnis bedeutet, dass eine Hörstörung weitgehend ausgeschlossen werden kann. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet jedoch noch nicht automatisch, dass Ihr Kind schlecht hört. Daher wird die Früherkennungsuntersuchung gegebenenfalls nach einigen Tagen wiederholt, um die Diagnose zu sichern.

Therapie

Neugeborenen-Hörstörungen lassen sich in den meisten Fällen so behandeln, dass eine weitgehend normale soziale Entwicklung des Kindes zu erwarten ist. Eine rechtzeitige Versorgung mit Hörgeräten bzw. Cochlea-Implantaten sowie spezielle Frühförderung sollten angestrebt werden, um die Hirnentwicklung und den Spracherwerb optimal zu fördern.

Erworbene Hörstörung

Eine Hörstörung kann auch im Laufe der Entwicklung eines Kindes auftreten, z.B. durch eine Infektion. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern darauf achten, ob ihr Kind gut hört. Die soziale Entwicklung sowie das Kommunikationsverhalten des Kindes – z.B. spät einsetzendes Sprechen oder vermindertes Aufmerksamkeitsvermögen – bieten oft erste Hinweise auf eine Hörminderung.

Ursachen

  • Paukenerguss (seromuköse Mittelohrentzündung, Seromukotympanon): Häufigste Ursache einer kindlichen Schallleitungsschwerhörigkeit ist eine Flüssigkeitsansammlung in der Paukenhöhle. Ursache für eine Verlegung der Tubenöffnung im Nasenrachenbereich (Nasopharynx) sind meist vergrößerte Rachenmandeln, manchmal kombiniert mit einer Allergie. Vor allem die Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen ist davon betroffen.
    Typische Beschwerden sind ein Druckgefühl im betroffenen Ohr (häufig auch beidseits), zunehmende Schwerhörigkeit und nicht selten auch wiederkehrende Ohrenschmerzen.
    Zunächst kommen abschwellende Nasentropfen sowie gegebenenfalls Antiallergika zum Einsatz. Bei vergrößerten Rachenmandeln und persistierendem Paukenerguss sollten diese entfernt werden. Die Flüssigkeitsansammlung in der Paukenhöhle wird über einen kleinen Einschnitt im Trommelfell abgesaugt (Parazentese). Nach einigen Tagen verschließt sich der Trommelfellschnitt wieder. Ist das Sekret besonders zähflüssig (sogenanntes „Leim-Ohr“), wird durch Einsetzen eines Paukenröhrchens das Mittelohr dauerhaft belüftet und somit trockengelegt. Dieses Röhrchen wird nach einigen Monaten von selbst nach außen abgestoßen, das Trommelfell verheilt anschließend.
  • Weitere mögliche Ursachen einer nach der Geburt erworbenen Schwerhörigkeit bzw. Taubheit sind:
    • Erkrankungen des Gehirns: Meningitis, Enzephalitis;
    • Infektionen: z.B. Mumps
    • toxische Schäden:z.B. durch Medikamente wie Aminoglykoside,
    • chronische Mittelohrentzündung;
    • Gendefekte: Manche Erbkrankheiten führen erst im Laufe des Lebens zu Schwerhörigkeit; z.B. das Alport-Syndrom im frühen Erwachsenenalter.

Therapie

Ob und welche Therapie im Einzelfall sinnvoll ist und zu einer Verbesserung führen kann, richtet sich v.a. nach der jeweiligen Ursache sowie dem Ausmaß des Hörverlustes.

Wohin kann ich mich wenden?

Das Neugeborenen-Hörscreening erfolgt meistens bereits im Krankenhaus, kann jedoch auch bei einer niedergelassenen HNO-Ärztin/einem niedergelassenen HNO-Arzt durchgeführt werden. Sollten bei Ihrem Kind Anzeichen für schlechteres Hören auftreten, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Kinder- und Jugendheilkunde,
  • Fachärztin / Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB).

Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

In den meisten Fällen sind Hörgeräte, die zur Gänze von der Krankenkasse bezahlt werden, medizinisch völlig ausreichend. Für teurere Hörhilfen mit Zusatzfunktionen kann ein Selbstbehalt anfallen. Die Kosten von Implantaten (Operation und Erstausstattung) werden auch von der Krankenkasse getragen. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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