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Mann mit Hörgerät © Alexander Raths

Schwerhörigkeit: Diagnose & Therapie

Durch eine möglichst frühe Diagnose und Therapie können viele mögliche Folgeprobleme einer Schwerhörigkeit verhindert werden. Dazu stehen neben medikamentösen und operativen Therapien insbesondere Hörhilfen zur Verfügung. Mithilfe der Hörkurve lässt sich eine Schwerhörigkeit auch in Dezibel (dB) bestimmen und in Schweregrade einteilen. Eine weitere Klassifizierung richtet sich nach dem Hörverlust in Prozenten . . .

Diagnose

Die Schwerhörigkeit sowie insbesondere deren Form und Ursache werden von einer HNO-Ärztin/einem HNO-Arzt festgestellt. Nach einem ausführlichen Anamnese-Gespräch über Art und Verlauf der Schwerhörigkeit folgt eine körperliche Untersuchung. Unter anderem wird in einem Hörtest eine Hörkurve (Audiogramm) erstellt, die das Hörvermögen in den unterschiedlichen Frequenzbereichen und Tonhöhen darstellt. Weitere mögliche Untersuchungen sind Stimmgabeltest nach Weber und Rinne, Ohrspiegelung (Otoskopie), Tympanometrie, Stapedius-Reflex, otoakustische Emissionen (OAE), evozierte auditorische Hirnstammpotenziale (BERA) etc. Besteht der Verdacht auf stoffwechselbedingte Ursachen für die Schwerhörigkeit, sollen außerdem Bluttests durchgeführt werden.

Einteilung der Schwerhörigkeit

Mithilfe der Hörkurve lässt sich eine Schwerhörigkeit auch in Dezibel (dB) bestimmen und in Schweregrade einteilen.

  • Geringgradige Schwerhörigkeit: das Ticken der Armbanduhr (gewöhnlich etwas mehr als 20 Dezibel) wird nicht mehr gehört.
  • Mittelgradige Schwerhörigkeit: ab einem Hörverlust von 40 Dezibel, entsprechend etwa den Grundgeräuschen in Wohngebieten am Tag.
  • Hochgradige Schwerhörigkeit: Gespräche werden nicht mehr gehört, wobei normales Sprechen etwa einer Lautstärke von 40 bis 60 Dezibel entspricht.
  • An Taubheit grenzende Schwerhörigkeit: Hörverlust über 80 Dezibel. Laute Musik oder die Geräusche einer sehr belebten Straße werden nicht mehr gehört.

Eine weitere Klassifizierung richtet sich nach dem Hörverlust in Prozenten:

Hörverlust in %    Sprache
wird verstanden aus   
Grad der Schwerhörigkeit  
10–40    mehr als 4 Metern  geringgradig 
40–60   1 bis 4 Metern   mittelgradig  
60–80   0,25 bis 1 Metern   hochgradig  
80–95   weniger als 0,25 Metern   an Taubheit grenzend  


Therapie

Sowohl Therapie wie auch Prognose richten sich nach der Ursache der Hörminderung. Es kommen sowohl medikamentöse Therapien (z.B. abschwellende Nasentropfen, Schleimlöser oder Antihistaminika) als auch diverse operative Maßnahmen (z.B. Tympanoplastik oder Steigbügelplastik) infrage.

In vielen Fällen kann ein Hörgerät von großem Nutzen sein. Zunächst wird die Hörbehinderung von einer HNO-Ärztin/einem HNO-Arzt diagnostiziert. Diese/dieser wird Sie mit einer entsprechenden Verordnung zu einer Hörgeräteakustikerin/einem Hörgeräteakustiker zuweisen, wo Ihnen ein Hörgerät angepasst und zur Probe überlassen wird. Nach etwa drei Wochen sollte eine Kontrolle durch die HNO-Ärztin/den HNO-Arzt erfolgen.

Meistens ist eine beidseitige Hörgeräteversorgung sinnvoll, es sei denn, das Hörvermögen ist nur in einem Ohr nennenswert beeinträchtigt. Unterschieden werden im Wesentlichen Im-Ohr-Geräte und Hinter-dem-Ohr-Geräte:

  • Im-Ohr-Geräte werden oft bevorzugt, weil sie sehr klein und kaum sichtbar sind.
  • Hinter-dem Ohr-Geräte bieten jedoch in manchen Situationen andere wichtige Vorteile. Beispielsweise muss das Ohrpassstück bei reiner Hochtonstörung nicht ganz abdichten, woraus sich ein angenehmeres Tragegefühl ergibt. Auch bei sehr starker Hörbehinderung oder chronischen Gehörgangsentzündungen ist diese Variante günstiger. Außerdem bieten Hinter-dem-Ohr-Geräte die Möglichkeit von Zusatzfunktionen und sind aufgrund ihrer größeren Bedienungselemente leichter zu handhaben.

Hinweis Wenn Sie die Anschaffung eines Hörgerätes in Erwägung ziehen, sollten Sie sich eingehend darüber beraten lassen, welche Version für Sie am besten geeignet ist.

Neben herkömmlichen Hörgeräten gibt es auch teil- oder vollimplantierbare Hörsysteme, die in bestimmten Fällen zum Einsatz gelangen:

  • Aktive Mittelohrimplantate werden verwendet, wenn die Betroffenen zwar mittelgradig schwerhörig sind und ein normales Hörgerät bräuchten, dieses aber z.B. durch wiederkehrende Gehörgangsentzündungen nicht tragen können.
  • Cochlea-Implantate kommen infrage, wenn Patientinnen/Patienten vollständig ertaubt sind (auch taub geborene Kinder) bzw. so hochgradig schwerhörig sind, dass normale Hörgeräte nicht mehr helfen. Durch diese Geräte kann ein funktionelles Gehör auch dann wiederhergestellt werden, wenn das Hörorgan eigentlich vollständig ausgefallen ist.
  • Hirnstammimplantate werden in ausgewählten Fällen eingesetzt, wenn die Hörnerven etwa durch gutartige Tumore (Akustikusneurinome) geschädigt wurden.

Grundsätzlich gilt, dass der langfristige Nutzen einer Hörhilfe umso größer ist, je jünger die Patientin/der Patient und je weniger stark die Hörstörung ausgeprägt ist. Außerdem fällt es in der Regel in jüngeren Jahren leichter, sich an ein Hörgerät zu gewöhnen und dieses problemlos zu handhaben. Darüber hinaus kann das Gehirn verlernen, Geräusche, die es lange nicht mehr gehört hat, zuzuordnen. So kann etwa das Verstehen von Sprache regelrecht verlernt werden. Wird mit der Hörgeräteversorgung zu lange zugewartet, muss vielfach in Hörtrainings erst wieder mühsam hören „gelernt“ werden.

Was kann ich selbst tun?

  • Achten Sie auf Hinweise für Schwerhörigkeit, z.B.:   
    • Nebengeräusche stören und erschweren das Verstehen.
    • Sie müssen öfter bei Gesprächen nachfragen und verstehen nur teilweise.
    • Sie müssen Ihren Fernseher und Ihr Radio lauter einstellen.
    • Sie nehmen nicht wahr, wenn Sie von hinten oder seitlich angesprochen werden.
    • Sie können bei einer Feier oder im Restaurant nur schwer einem Gespräch folgen.
    • Sie verstehen bei Telefongesprächen nicht mehr alles.

  • Scheuen Sie sich nicht, sich selbst und Ihrer Umgebung Ihr vermindertes Hören und Verstehen einzugestehen.
  • Lassen Sie von einer HNO-Ärztin/einem HNO-Facharzt Ihr Gehör überprüfen und eventuelle Ursachen feststellen.
  • Sollte die Ärztin/der Arzt Ihnen ein Hörgerät empfehlen, wenden Sie sich mit einer entsprechenden ärztlichen Verordnung an eine Hörgeräteakustikerin/einen Hörgeräteakustiker.
  • Testen Sie verschiedene Geräte, auch zu Hause und über einen längeren Zeitraum (Wochen).
  • Der Umgang mit einem Hörgerät will gelernt sein. Üben Sie sich in Geduld mit sich und Ihrem Gerät.
  • Selbst mit Hörgeräten wird nicht alles möglich sein, daher muss jede/jeder Betroffene selbst Lösungen entwickeln.
  • Für Hörgeräteträgerinnen/-träger gibt es zusätzliche technische Hilfen für Telefon, Fernsehen etc.
  • Wenden Sie sich für Informationen und Unterstützung an Beratungsstellen der Schwerhörigenvereine.

Prognose

Schwerhörigkeit kann akut oder chronisch auftreten. In den meisten Fällen sind akute Schwerhörigkeiten nur von kurzer Dauer und verschwinden von selbst. In anderen Fällen müssen sie, genau wie die chronischen Hörschäden, behandelt werden, wobei die Prognosen sehr unterschiedlich sind.

Der Verlauf der Schwerhörigkeit kann sehr unterschiedlich sein und ist von der auslösenden Ursache abhängig. Vor allem bei Kindern ist es wichtig, angeborene sowie erworbene Hörfehler so früh wie möglich zu diagnostizieren, da es sonst zu Sprachschwierigkeiten kommen kann. Weitere Informationen finden Sie unter Hörverlust bei Kindern.

Wohin kann ich mich wenden?

Sollten Anzeichen für schlechteres Hören auftreten, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB).

Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

In den meisten Fällen sind Hörgeräte, die zur Gänze von den Krankenversicherungsträgern bezahlt werden, medizinisch völlig ausreichend. Für teurere Hörhilfen mit Zusatzfunktionen kann ein Selbstbehalt anfallen. Auch die Kosten von notwendigen Implantaten (Operation und Erstausstattung) werden von den Krankenversicherungsträgern getragen. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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