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Schlafender Mann © eugenesergeev

Schnarchen: Diagnose & Therapie

Die Übergänge zwischen dem harmlosen, sogenanntem primären Schnarchen und dem Schnarchen bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA), einer ernsthaften, mitunter lebensbedrohlichen Erkrankung, sind fließend. Eine möglichst genaue Diagnose ist daher wichtig. Obwohl Schnarchen nicht als Krankheit gilt, versprechen unzählige, teilweise durchaus kostenintensive Methoden Abhilfe. In vielen Fällen erzielen sie jedoch keine oder nur bescheidene Erfolge und können mit teils beträchtlichen Nebenwirkungen verbunden sein.  

Diagnose

In einem ausführlichen Gespräch (Anamnese), an dem möglichst auch die Bettpartnerin/der Bettpartner teilnehmen sollte, sammelt die Ärztin/der Arzt detaillierte Informationen über das Schnarchproblem, wie z.B.:

  •  Auftreten im Zeitverlauf: z.B. gelegentlich, häufiger oder jede Nacht;
  • Auftreten während der Nacht: z.B. zeitweise, andauernd, lageabhängig;
  • auslösende Faktoren und Risikofaktoren: Alkohol, Nikotin, allergische und nicht-allergische Rhinitis, Behinderung der Nasenatmung etc.;
  • Art des Schnarchens: regelmäßig/unregelmäßig, Frequenz, Lautstärke, Geräuschcharakter;
  • schlafmedizinische Aspekte wie z.B.
    • Ein- und Durchschlafstörungen,
    • nächtliches Erwachen (z.B. mit Atemnot),
    • morgendliche Kopfschmerzen/Mundtrockenheit,
    • Konzentrations- oder Leistungsminderung am Tag,
    • Tagesschläfrigkeit/Einschlafneigung,
    • Ein- und Durchschlafstörungen,

  • gleichzeitig vorhandene Erkrankungen wie z.B.

Weiters werden die oberen Luftwege auf Veränderungen untersucht. In Bezug auf die Nasenluftpassage kann die Anwendung bestimmter Funktionstests (z.B. Rhinomanometrie, Rhinoresistometrie und akustische Rhinometrie) sinnvoll sein. Als bildgebende Verfahren stehen Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT), digitale Volumentomographie (DVT), Kephalometrie (Fernröntgen seitlich) und Orthopantomogramm (OPG)/Panoramaschichtaufnahme (PSA) zur Verfügung.

Die klinisch wichtigste Untersuchung stellt das „Müller“-Manöver dar. Dabei wird endoskopisch kontrolliert, in welchem Bereich der Kollaps des Atemweges auftritt. Bei Verdacht auf ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom sollte eine  objektive schlafmedizinische Untersuchung erfolgen. Diese kann mittels „Screening“-Geräten zu Hause oder als Polysomnographie (PSG) im Krankenhaus erfolgen. Eine allergologische Untersuchung wird aufgrund der Tatsache, dass jede/jeder Fünfte zumindest einmal im Leben an einer Allergie leidet, für die Standardabklärung empfohlen.

Therapie

Schnarchen per se wird nicht als Erkrankung mit einer medizinischen Gefährdung verstanden. Daher ist auch keine Behandlung erforderlich, außer wenn diese von der/dem Betroffenen gewünscht wird. Gegen Schnarchen wird eine Vielzahl fragwürdiger Therapieverfahren angeboten. Im Einzelfall sollten die Wirksamkeit und die Risiken sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Nicht- oder minimal-invasive Verfahren sollte bevorzugt werden.

Konservative Verfahren

Die Effekte verschiedener konservativer Verfahren wurden in diversen Studien untersucht. Zumindest in Einzelfällen konnte für folgende Methoden eine gewisse Wirksamkeit nachgewiesen werden:

  • Vermeidung von Schlafmitteln;
  • Vermeidung von abendlichem Alkoholkonsum;
  • Nikotinkarenz;
  • Einhaltung eines stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus mit entsprechender Schlafhygiene;
  • Gewichtsreduktion für stark übergewichtige Personen;
  • Kein "großes" Essen vor dem Schlafengehen;
  • Kräftigung der Mundbodenmuskulatur, z.B. durch elektrische Stimulation, Singübungen oder gezielte Sprechübungen;
  • Verhinderung der Rückenlage bei rein Rückenlage-bezogenem Schnarchen,
  • Hochlagerung des Oberkörpers;
  • Naseneingangserweiterer (Naseneingangsdilatatoren) insbesondere in Fällen, in denen der Ursprung der Nasenatmungsbehinderung im Bereich der Nasenklappe liegt;
  • abschwellende Nasensprays: eignen sich wegen potenzieller Schleimhautschädigung nicht zum längerfristigen Gebrauch, mit ihrer Hilfe lässt sich jedoch eventuell der Effekt einer Nasenoperation vorab simulieren;
  • systemisch eingesetzte Medikamente wie Pseudoephedrin, Domperidon oder Protryptinin können wirksam sein, haben aber erhebliche Nebenwirkungen und sind bisher zur Behandlung des Schnarchens nicht zugelassen;
  • Überdruckatmung (CPAP): führt häufig zur Beseitigung des Schnarchens, wird jedoch aufgrund von möglichen Nebenwirkungen und der hohen Kosten nur selten eingesetzt.
Intraorale Geräte

  • Unterkiefer-Protrusionsschiene: Zur Therapie des Schnarchens können spezielle in den Mundraum einsetzbare Geräte, v.a. Unterkiefer-Protrusionsschienen, angewandt werden. Sie sollen durch eine Vorverlagerung des Unterkiefers eine Erweiterung des Rachens bewirken. Mögliche Nebenwirkungen sind verstärkte Speichelbildung, Beschwerden im Bereich der Kaumuskulatur und des Kiefergelenkes sowie langfristig Veränderungen in der Zahnstellung. Daher sollten die Schienenanpassung sowie regelmäßige Kontrollen des Zahn- und Kieferbefundes unter einer Therapie mit Unterkiefer-Protrusionsschienen von einer Zahnärztin/einem Zahnarzt durchgeführt werden. Bei etwa zwei Drittel der für diese Methode geeigneten Patientinnen/Patienten kann das Schnarchen verringert werden. 

  • Die Schnarchspange schient das weiche Gaumensegel und verhindert Schnarchgeräusche, welche im Bereich des weichen Gaumens entstehen. Die Schnarchspange verhindert auch Obstruktionen im mittleren und oberen Rachenraum. Atempausen und Schlafapnoe werden – sofern sie im weichen Gaumen entstehen – in sehr vielen Fällen reduziert.

Operative Therapie

Bei operativen Verfahren muss stets abgewogen werden, ob eine einzige oder mehrere Ursachen vorliegen. Bei Einzelursachen ist die Erfolgswahrscheinlichkeit hoch, bei vielen Ursachen kann auch eine mehrfache Therapie notwendig sein. Möglich sindOperationen im Bereich von Nase, Gaumen und Zungengrund. Modern ist eine minimal invasive Therapie (Radiofrequenzinduzierte Thermotherapie, RFITT), bei der nur Narben unter der Schleimhaut angelegt werden. Häufig kommt es jedoch zu einem Nachlassen des Effektes, da sich das Gewebe erholt. In diesen Fällen kann die Therapie wiederholt werden.

Zur Überprüfung des Therapieerfolges und gegebenenfalls zur Planung weiterer Maßnahmen sollte nach zwei bis drei Monaten eine Nachuntersuchung erfolgen.

Wohin kann ich mich wenden?

Wohin kann ich mich wenden?

Zur Diagnose und etwaigen Behandlung von Schnarchen können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Hausärztin/Hausarzt,
  • Fachärztin/Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen (HNO).

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für den Arztbesuch zur Abklärung von Schnarchen werden im Normalfall von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Therapien müssen in der Regel selbst bezahlt werden.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherungsträger finden.

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