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Kind wird von Arzt untersucht © RFBSIP

Vergrößerte Rachenmandel: Ursachen & Symptome

Die Rachenmandel liegt am Rachendach (Epipharynx) und ist Teil des körpereigenen Abwehrsystems. In der Kindheit ist sie oft physiologisch vergrößert – ein Anzeichen dafür, dass das Immunsystem in dieser Lebensphase auf Hochtouren arbeitet. Eine übermäßige Vergrößerung der Rachenmandel kann jedoch zu unterschiedlichen Beschwerden führen und eine operative Entfernung erforderlich machen.

Rachenmandeln werden in der Fachsprache als Adenoide Vegetationen oder kurz als Adenoide bezeichnet. Auch Rachenmandelhyperplasie oder Rachenmandelwucherung sind geläufige Bezeichnungen. Umgangssprachlich wird manchmal der Begriff Rachenpolypen verwendet. Dies ist jedoch irreführend, da es sich nicht um Polypen (Gewebewucherungen) im eigentlichen Sinne handelt, sondern um eine Vergrößerung der Rachenmandel selbst.

Welche Funktion hat die Rachenmandel?

Die Rachenmandel (Tonsilla pharyngea) liegt am Dach des Nasen-Rachen-Raums, im Bereich hinter der Nase. Bei geöffnetem Mund ist sie nicht sichtbar. Sie wird zum sogenannten Waldeyer-Rachenring gezählt; dazu gehören außerdem die beiden Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae), die Zungenmandel (Tonsilla lingualis), die Seitenstränge in der seitlichen Rachenwand sowie vereinzelte Lymphfollikel an der hinteren Rachenwand. All diese Strukturen bestehen aus lymphatischem Gewebe. Ihre gemeinsame Aufgabe ist es, den oberen Respirationstrakt vor Krankheitserregern zu schützen.

Dies ermöglicht ihr spezieller Aufbau: Die Oberfläche der lymphatischen Organe ist in unzählige tiefe Falten (sogenannte Krypten) gelegt, im Inneren befinden sich Zellen des Immunsystems. Keime und Fremdstoffe, die über die Nahrung oder die Atmung aufgenommen werden, verfangen sich in den Krypten und treten so in direkten Kontakt mit den Abwehrzellen. In der Folge werden verschiedene Antworten des Immunsystems ausgelöst, wie z.B. die Produktion von Antikörpern.

Gerade in der Kindheit wird das Immunsystem mit einer Vielzahl an bisher unbekannten Stoffen konfrontiert. Es arbeitet auf Hochdruck, um auf jeden dieser Fremdstoffe die entsprechende Immunantwort zu produzieren. Daher sind die Strukturen des Rachenrings in dieser Lebensphase oft physiologisch vergrößert. Mit zunehmendem Alter – etwa ab dem Eintritt in die Pubertät – nehmen sie wieder an Größe ab und bilden sich langsam zurück.

Unter bestimmten Umständen (wie z.B. entzündliche Prozesse) kann es zu einer übermäßigen Vergrößerung (Hyperplasie) einzelner Strukturen kommen bzw. zu einer Verzögerung der natürlichen Rückbildung. Je nachdem welche Struktur des Rachenrings betroffen ist, treten unterschiedliche Beschwerden auf. Im Weiteren wird nur auf die Vergrößerung der Rachenmandel eingegangen.

Welche Ursachen hat eine Vergrößerung der Rachenmandel?

Die häufigste Ursache für eine Rachenmandelhyperplasie sind immer wieder auftretende Infekte im Nasen-Rachen-Raum. Diese führen zu Entzündungsreaktionen innerhalb der Rachenmandel, die der Abwehr dienen. Dabei nimmt die Rachenmandel an Größe zu. In der vergrößerten Rachenmandel können sich in weiterer Folge leichter erneut Keime einnisten, was wiederum zu einem Infekt führt. So entsteht ein Teufelskreis.

Daneben scheint auch eine sehr kohlenhydratreiche Ernährung eine Hyperplasie zu begünstigen.

Welche Symptome und Folgeerkrankungen können auftreten?

Eine vergrößerte Rachenmandel an sich ist keine Krankheit und kommt insbesondere im Alter zwischen zwei und sechs Jahren sehr häufig vor. Der Platz im Nasen-Rachen-Raum ist in der Kindheit jedoch relativ beengt. Eine Wucherung der Rachenmandel kann daher leicht zu einem Missverhältnis führen und unterschiedliche Beschwerden machen.

Erschwerte Nasenatmung

Eine vergrößerte Rachenmandel verlegt den Nasen-Rachen-Raum und führt zu einer Behinderung der Nasenatmung. Die Nase erscheint dauerhaft verstopft. Die betroffenen Kinder entwickeln eine nasale Sprache, leiden oft unter unruhigem Schlaf und schnarchen. Unter Umständen kann es sogar zu Atemaussetzern (Schlafapnoe) kommen. Die Kinder sind oft tagsüber müde, unkonzentriert und weniger leistungsfähig. Auch der Appetit ist häufig vermindert.

Die verlegte Nase bewirkt, dass die Kinder hauptsächlich durch den Mund atmen. Dadurch ergibt sich ein typischer Gesichtsausdruck mit permanent geöffnetem Mund und sichtbarer Zunge, der auch als „facies adenoida“ bezeichnet wird. Er ist häufig wegweisend für die Diagnose einer Rachenmandelvergrößerung.

Langfristig können durch die permanente Mundatmung Kiefer- und Zahnfehlstellungen entstehen. Zudem werden die Schleimhäute der oberen Atemwege ausgetrocknet, und die Filterfunktion der Nase entfällt. Die Anfälligkeit für Infekte im Bereich des Nasen-Rachen-Raumes und des Bronchialsystems (z.B. Sinusitis, Bronchitis) ist dadurch erhöht.

Verlegung der Tuba auditiva

In der Nähe der Rachenmandel befindet sich der Verbindungsgang zwischen Rachen und Ohr, die Eustachische Röhre oder Tuba auditiva. Eine Wucherung der Rachenmandel kann diese Verbindung verlegen. Dadurch wird das Mittelohr nicht mehr richtig belüftet, und es entsteht ein Unterdruck, wie man ihn z.B. vom Fliegen kennt. Ohrenschmerzen sind die häufige Folge. Zudem haben es Krankheitserreger aus dem Nasen-Rachen-Raum leichter, in das Mittelohr einzudringen, und die betroffenen Kinder sind anfälliger für Mittelohrentzündungen.

Durch den dauerhaften Unterdruck sammelt sich mit der Zeit Flüssigkeit hinter dem Trommelfell an, und es entsteht ein sogenannter Paukenerguss. Dadurch können Trommelfell und Gehörknöchelchen nicht mehr ausreichend schwingen – eine Hörminderung (Schallleitungsstörung) ist die Folge. Wird diese im Kleinkindalter über eine längere Zeit nicht bemerkt, können Sprachentwicklungsstörungen auftreten.

Allgemein lässt sich sagen: Je jünger das Kind, umso schwerwiegender sind die Auswirkungen einer Rachenmandelhyperplasie. Im Erwachsenenalter ist die Rachenmandel normalerweise so weit zurückgebildet, dass sie keine Beschwerden mehr machen kann.

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