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Notarztauto © Felix Abraham

Notfall „Herzinfarkt“

Die ersten Minuten und Stunden nach einem Herzinfarkt sind für die Prognose von entscheidender Bedeutung. Je früher eine Therapie eingeleitet wird, desto weniger Muskelgewebe stirbt ab und desto höher ist die Überlebenschance. Denn nur eine schnelle Therapieeinleitung und Wiederherstellung der Durchblutung der Koronargefäße verhindern Schäden am Herzmuskel und geben der Patientin/dem Patienten die Möglichkeit, wieder gesund zu werden. Idealerweise sollten vom Notruf bis zur Wiedereröffnung der Herzkranzgefäße weniger als zwei Stunden vergehen . . .

Hauptsymptom ist der Schmerz

Das Auftreten eines Herzinfarktes ist durch Schmerzen charakterisiert. Diese können in verschiedenen Formen auftreten.

  • Starke Schmerzen: Oft strahlen die Schmer­zen vom Herz in andere Kör­per­re­gio­nen aus – z.B. in die Arme, den Oberbauch, zwischen die Schul­ter­blät­ter, in den Rücken oder in Hals und Kiefer.
  • Gefühl der Brustkorbeinengung: Bei einem Herzinfarkt können Schmerzen auch als „Einschnürung“ im Brustkorbbereich beschrieben werden. Diese Druckschmerzen geben der Patientin/dem Patienten das Gefühl, jemand „sitzt“ auf dem Brustkorb. Dazu können unspezifische Symptome auftreten wie: Übelkeit, Schwitzen, kalter Schweiß, Vernichtungsgefühl (Gefühle von Ausgeliefertheit, Hilflosigkeit und Todesangst).
  • Heftiges Brennen: Manchmal empfinden die Patientinnen/Patienten die Schmerzen eines Herzinfarkts auch als starkes „Brennen“ im Brustkorb.

„Untypische“ Symptome bei Frauen

Der Herzinfarkt galt lange Zeit als typische Männererkrankung. Dies hat sich jedoch in den letzten Jahren geändert. Während die Erkrankung beim Mann zurückgeht, ist die Herzinfarktrate bei Frauen im Steigen. Ein Grund dafür ist die Zunahme der Risikofaktoren, denen auch Frauen in den letzten Jahren ausgesetzt sind. Besonders vermehrter Zigarettenkonsum in Kombination mit Übergewicht, hohem Cholesterinspiegel, unbehandeltem Bluthochdruck, Bewegungsmangel und Stress sind Faktoren, die einen Infarkt begünstigen können.

Viele Frauen würden wahrscheinlich eher einen Infarkt bei ihrem Mann erkennen als bei sich selbst. Denn die typischen Symptome des männlichen Infarktes sind hinreichend bekannt: Schmerzen in der Brust, die in den linken Arm, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen. Das Beschwerdebild eines Infarktes wird hingegen von Frauen oft ganz anders erlebt.   Frauen verspüren nur selten Enge oder Schmerzen in der Brust. Viel häufiger macht sich bei ihnen ein drohender Infarkt durch extreme Müdigkeit, Schlafstörungen, Leistungseinbruch, Kurzatmigkeit, Schwindelgefühle, Schmerzen im Oberbauch oder zwischen den Schulterblättern sowie durch Appetitlosigkeit, Erbrechen und Übelkeit bemerkbar. Aber auch untypische Beschwerden wie z.B. häufiges Schwitzen oder Angstgefühle können Hinweise auf einen Infarkt sein.

Zwei Drittel aller Frauen, die einen plötzlichen Infarkt erleiden, haben zuvor noch nie über Herzbeschwerden geklagt. Die Symptome werden oft als Bagatellerkrankungen abgetan – dadurch geht wertvolle Zeit verloren. Die Folgen sind eine verspätete Diagnose und ein Zeitverlust bis zur adäquaten Therapie.

Hinweis Frauen sollten Beschwerden dieser Art ernst nehmen und frühzeitig die Rettung 144 oder den Euronotruf 112 rufen.

Nicht eindeutige Symptome

Ein Herzinfarkt kann mit einer Vielzahl von Symptomen einhergehen. Viele davon sind unspezifisch, können jedoch auf einen Herzinfarkt hinweisen, v.a.:

  • Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch: Diese „unspezifischen Anzeichen“ kommen bei Frauen etwas häufiger vor als bei Männern und sollten ernstgenommen werden. Vor allem sollte immer die Rettung gerufen werden, wenn diese Beschwerden in einem noch nie erlebten Ausmaß auftreten. Möglicherweise steckt ein Herzinfarkt dahinter.
  • Stresssymptome wie Angstzustände bis hin zu Todesangst, Schwitzen, Herzrasen, kalte und fahle Haut.

„Stummer“ Herzinfarkt

Besonders gefährdet sind Diabetikerinnen/Diabetiker, weil ihr Schmerzempfinden deutlich vermindert ist. Dadurch kann es zu einem sogenannten „stummen“ Herzinfarkt kommen. Bei diesem können sämtliche Symptome fehlen oder wesentlich schwächer ausgeprägt sein. Aufgrund des Zeitfaktors ist eine optimale Rettungskette von großer Bedeutung. Da bei einem Herzinfarkt die meisten Komplikationen in den ersten Minuten bis 48 Stunden auftreten können, sollte der Transport wenn möglich in einem Notarztwagen bzw. -Hubschrauber erfolgen.

Achtung! Alle Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt müssen sofort in ein Krankenhaus gebracht werden – rufen Sie daher immer unverzüglich die Rettung.

Maßnahmen durch medizinische Laien

Bei Verdacht auf Herzinfarkt ist es wichtig, dass auch medizinische Laien die typischen Anzeichen für einen Herzinfarkt erkennen und Sofortmaßnahmen setzen.  Oberstes Gebot: Immer unverzüglich die Rettung (Notruf 144 oder den Euronotruf 112) anrufen! Danach sind je nachdem, ob die/der Betroffene bei Bewusstsein ist oder nicht, verschiedene Erste-Hilfe-Maßnahmendurchzuführen.

Die/der Betroffene ist bei Bewusstsein:

  • Oberkörper hoch lagern: Dadurch wird der Blutrückfluss etwas vermindert und somit das Herz entlastet.
  • Stress reduzieren: Beruhigend auf die Patientin/den Patienten einwirken. 
  • Beengende Kleidungsstücke öffnen: z.B. Krawatte lockern.
  • Bei plötzlichem Atemstillstand sofort mit der Wiederbelebung beginnen.

Die/der Betroffene ist bewusstlos:

  • Patientin/Patient laut ansprechen und Schmerzreiz setzen: z.B. zwicken.
  • Atmung kontrollieren: Kopf überstrecken, Hören, Sehen, Fühlen des Atems für mindestens zehn Sekunden; wenn Atmung vorhanden → stabile Seitenlage und Notruf 144 oder 112 wählen und Atmung überwachen; wenn keine Atmung vorhanden → sofort Notruf 144 oder 112 wählen und weiter beim nächsten Punkt.
  • 30-mal Herzdruckmassage durchführen: Druckpunkt auffinden: oberes und unteres Ende des Brustbeins ertasten und halbieren, danach vier bis fünf Zentimeter tief drücken; mit einer Frequenz von mindestens 100-mal pro Minute.
  • Danach zweimal beatmen und dann wieder 30-mal Herzmassage durchführen: so lange, bis Hilfe eintrifft. Wer sich davor scheut, eine Mund-zu-Mund-Beatmung vorzunehmen, kann diese auch unterlassen. Wichtig ist auf jeden Fall die Herzmassage (ausgenommen sind Kinder, sie müssen immer beatmet werden!).

Maßnahmen durch die Notärztin/den Notarzt

Die Notärztin/der Notarzt bzw. die Rettungssanitäterin/der Rettungssanitäter führt eine rasche Notfalluntersuchung (Bewusstseinslage, Pulsfrequenz, Atmung, Blutdruck, Sauerstoffsättigung im Blut) durch. Danach wird bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort ein EKG geschrieben. Dieses erste EKG ist für die weitere therapeutische Vorgangsweise sehr wichtig. In jedem Fall legt die Notärztin/der Notarzt einen Zugang in die Vene, um sofort eine Therapie beginnen zu können.

Sobald die Patientin/der Patient transportfähig ist, wird ein zügiger Transport ins nächste Spital durchgeführt. Dabei überwacht das Notarztteam laufend sämtliche Kreislaufparameter. Da ein Herzinfarkt eine hohe Komplikationsrate hat, muss die Notärztin/der Notarzt jederzeit mit einer Verschlechterung bis zum Atemkreislaufstillstand rechnen und darauf vorbereitet sein.

Parallel dazu wird das Zielkrankenhaus vorinformiert. Die Entscheidung, welches Krankenhaus angefahren wird, ist abhängig vom Krankenhaustyp (Schwerpunktspital mit Herzkatheterlabor, Grundversorgungskrankenhaus ohne Herzkatheterlabor), der Entfernung und dem Zustand der Patientin/des Patienten. Bei bestimmten Infarkttypen kann gegebenenfalls (z.B. bei langen Transportzeiten über eine halbe Stunde) bereits im Notarztwagen mit der Reperfusionstherapie begonnen werden.

Weitere Informationen zur Reperfusionstherapie finden Sie unter Therapiemaßnahmen.

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