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Frau liegt auf Sofa, im Hintergrund ein Therapeut © DragonImages

Albträume: Diagnose und Behandlung

Behandlungsbedürftig erscheinen Albträume, wenn sie einmal in der Woche oder öfter auftreten. Besonders wenn aus Furcht vor dem schlechten Träumen das Einschlafen gemieden oder fast gar nicht möglich wird, ist Hilfe notwendig. Vor allem Behandlungsansätze aus der Verhaltens- und Traumatherapie können helfen, die nächtlichen Schreckensszenarien zu bearbeiten . . .

Diagnose: Schlaflabor & Co.

Zu Beginn der Diagnose von belastenden Albträumen steht eine ausführliche Anamnese z.B. bei einer Psychotherapeutin/einem Psychotherapeuten. Berichtet jemand von Leidensdruck aufgrund von Albträumen, ist es wichtig zu eruieren, ob organische oder psychische Grunderkrankungen vorliegen. Auch Medikamente sollten bedacht werden sowie etwaiger Drogen- bzw. Alkoholkonsum oder -entzug. Daher arbeiten unterschiedliche Berufsgruppen bei Diagnose und Behandlung zusammen, z.B. auch Psychiaterinnen/Psychiater sowie klinische Psychologinnen/klinische Psychologen.

Sind die Symptome gut erfassbar und gibt die Anamnese genügend Aufschluss bzw. treten Albträume selten auf, ist keine Untersuchung im Schlaflabor notwendig. Interessanterweise werden in Schlaflabors weniger Albträume erfasst, als es tatsächlich zu geben scheint. Ein Zusammenhang mit der veränderten Umgebung ist eine mögliche Ursache dafür. Es ist sehr schwierig, Albträume unter Schlaflaborbedingungen zu untersuchen.

Hilfs- & Therapiemöglichkeiten

Eine Möglichkeit, Albträume erträglicher zu machen bzw. deren Reduktion zu bewirken, ist Psychotherapie z.B. vor allem mit Ansätzen der Verhaltens- sowie Traumatherapie. Körperliche oder medikamentöse Ursachen sollten ärztlich abgeklärt bzw. behandelt werden. Die Ansätze aus der Verhaltenstherapie beginnen mit Entspannungsübungen, bei denen nach und nach eine Konfrontation mit dem Albtraum im Wachzustand möglich ist. Die am besten untersuchte Methode ist das sogenannte Imagery Rehearsal Treatment. Bei diesem wird das Traumgeschehen aufgeschrieben oder aufgezeichnet. Anschließend wird ein neues Traumende geschrieben oder das Bild so verändert, dass der Angstfaktor verringert wird. Der nicht mehr furchterregende Trauminhalt wird über zwei Wochen einmal pro Tag ungefähr fünf bis zehn Minuten „eingeübt“. Die Träumenden bestimmen die geänderten Traumszenen selbst – sie kennen ihre Träume am besten. Der Therapeut unterstützt, begleitet und motiviert. Die Behandlung von Albträumen von Kindern erfordert selbstverständlich eine altersadäquate Herangehensweise – vor allem über das Malen von Bildern.

In der psychotherapeutischen Arbeit kann auch das sogenannte luzide Träumen (Klarträumen) zum Einsatz kommen. Bei diesem ist dem Träumenden bewusst, dass er träumt, und er kann gezielt noch während des Schlafs in den Traum eingreifen (z.B. die Traumhandlung verändern). Gerade bei Albträumen kann dies sehr hilfreich sein, wenn statt der sich wiederholenden Tortur ein gutes Ende herbeigerufen werden kann. Allerdings sollte das Klarträumen nur unter fachmännischer Anleitung bei schweren Albträumen erlernt und begleitet werden. Klarträumen „boomt“ derzeit auf dem Buchmarkt – wie auch in Form von Kursen. Bei der Auswahl etwaiger Literatur zu diesem Thema oder einem Seminarangebot ist es wichtig, auf die Qualität, Seriosität sowie Ausbildung der Autorin/des Autors bzw. der Seminarleiterin/des Seminarleiters zu achten. Bei bestehenden psychischen Beschwerden sollte in jedem Fall professionelle Hilfe (z.B. bei einer Psychotherapeutin/einem Psychotherapeuten) in Anspruch genommen werden. Auch das Führen eines Traumtagebuchs hilft dabei, die nächtlichen Schreckenserscheinungen zu reflektieren.

Albträume können zudem medikamentös behandelt werden, wenngleich dies wenig effektiv zu sein scheint. Dabei kommen z.B. Prazosin (blutdrucksenkendes Mittel), Topiramat (Antiepileptikum) sowie Atenolol (Beta-Blocker) zum Einsatz. Prazosin hat sich vor allem bei Träumen, die von posttraumatischen Belastungsstörungen ausgehen, bewährt. Auch Neuroleptika (antipsychotische Medikamente) können Albträume lindern – sie verbessern die Schlafqualität. Allerdings ist eine Behandlung von Albträumen mit Medikamenten nur in ausgeprägteren Fällen angezeigt und muss unter ärztlicher Anleitung und Kontrolle erfolgen.

Was Sie selbst tun können

Die DGSM beschreibt in ihrem Ratgeber „Alpträume. Was kann ich dagegen tun?“ eine einfach anzuwendende Technik, mit Albträumen umzugehen. Allerdings setzt diese ein gewisses Maß an Selbstreflexion voraus, und stellt sich nach kurzer Zeit kein Erfolg ein, braucht es Unterstützung (z.B. im Rahmen einer Psychotherapie). Oftmals ist es leichter, gemeinsam mit einem professionellen Gegenüber das Traumgeschehen zu ergründen. Auch der Ausschluss organischer bzw. medikamentöser Ursachen ist ohne ärztliche Hilfe nicht möglich.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie an Albträumen leiden, wenden Sie sich in erster Linie an eine Psychotherapeutin/einen Psychotherapeuten bzw. eine Psychologin/einen Psychologen oder eine Psychiaterin/einen Psychiater. Auch eine Ambulanz für Schlafmedizin kann aufgesucht werden. Zudem informiert die Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung über schlafmedizinische Einrichtungen.

Wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für die ärztliche Untersuchung und Behandlung werden im Normalfall von der Sozialversicherung übernommen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Wenn Sie eine Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten machen, haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherungsträger zu stellen. Wird dieser genehmigt, erhalten Sie vom Krankenversicherungsträger einen Zuschuss. Dieser beträgt derzeit in der Regel 21,80 Euro pro Einheit Einzeltherapie. Eine volle Kostenübernahme für Psychotherapie (zum Teil auch mit Selbstbehalten) ist in eigenen bzw. mit den Krankenversicherungsträgern vertraglich gebundenen Einrichtungen möglich sowie weiters in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Nur bei Vorhandensein einer krankheitswertigen Störung ist jedoch eine Kostenübernahme bzw. -beteiligung möglich.

Weitere Informationen zu „Psychotherapie auf Krankenschein“, Kostenzuschüssen und Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten finden Sie unter Services.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der Sozialversicherung. Die Behandlung oder Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologinnen/klinischen Psychologen hingegen muss privat bezahlt werden. Es gibt hierfür keine Kostenübernahme bzw. Zuschüsse vom Krankenversicherungsträger. Behandlungen und Beratungen in Einrichtungen des Gesundheits- oder Sozialwesens oder eines anderen öffentlich finanzierten Bereiches (z.B. Familienberatungsstellen) können teilweise auch kostenlos bzw. kostengünstig in Anspruch genommen werden.

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