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Medikamentenüberdosis © Richard Villalon

Wissenswertes über Vergiftungen

Nur bei drei Prozent aller Vergiftungsnotfälle gibt es spezifische Symptome. Bei den meisten kommt es zu allgemeinen Symptomen wie z.B. Übelkeit, Erbrechen, Unwohlsein. Daher ist es sehr wichtig bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen, möglichst viele Informationen zu sammeln. Zum Beispiel welche Pflanzen in der Wohnung vorhanden sind oder bei suizidalen Handlungen nach leeren Medikamentenschachteln suchen. Diese Informationen können oft wichtige Anhaltspunkte liefern. Gelegentlich beobachtet man auch Symptomenkomplexe, die sich direkt bestimmten Giften zuordnen lassen . . .

Symptome bei Vergiftungen

Die klassischen Symptomenkomplexe in der Toxikologie (Giftkunde) werden auch als Toxidrome bezeichnet. Glücklicherweise sind die eingenommenen Dosen in der Regel so gering, dass es zu keinen Symptomen kommt. Bei manchen Vergiftungen ist auch ein fließender Übergang der Symptome zu beobachten.

Die häufigsten unspezifischen Symptome bei Vergiftungen:

  • Gastrointestinale Störungen
    • Erbrechen
    • Durchfall
    • Schmerzen
  • ZNS-Störungen
    • Bewusstseinstrübung verschiedenen Grades bis zum Koma
    • Erregungszustände
    • Krampfanfälle
    • sonstige neurologische Störungen
  • Kardiovaskuläre Störungen
    • Kreislaufinsuffizienz
    • Herzrhythmusstörungen
  • Respiratorische Störungen
    • Atemdepression (peripher oder zentral)
    • Lungenödem
    • schwere akute Lungenerkrankung (ARDS)
  • Störungen des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts
  • Störung des vegetativen Nervensystems

Wege der Giftaufnahme 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Gifte in den Organismus gelangen können:

  • orale Aufnahme (kommt am häufigsten vor)
  • Aufnahme durch Inhalation (Einatmen)
  • Aufnahme über die Haut
  • Aufnahme über die Augen

Möglichkeiten der Giftentfernung

Es gibt mehrere Möglichkeiten der Giftentfernung. In der Fachsprache wird dies als Giftelimination bezeichnet.

Primäre Elimination

Bei der primären Giftelimination geht es darum, die Giftaufnahme am Ort des Einwirkens (Haut, Schleimhaut, Gastrointestinaltrakt) zu stoppen oder zumindest zu reduzieren. Die Wahl der Methode hängt von der Art der Einnahme, den Eigenschaften des Giftstoffes, der eingenommenen Menge, der seit der Einnahme verstrichenen Zeit und dem klinischen Zustand der Patientin/des Patienten (Bewusstseinsgrad, Schutzreflexe, Darmmotilität etc.) ab.

Aktivkohle

Nach den bisherigen Erfahrungen erstreckt sich die optimale Wirksamkeit auf einen Zeitraum bis zu einer Stunde nach Aufnahme, fallweise auch nach längeren Zeiträumen. Da die wirksame Kohledosis mindestens ein Zehnfaches der eingenommenen Dosis betragen sollte, ist der therapeutische Nutzen fraglich.

Provoziertes Erbrechen

Diese Maßnahme ist bei allen Vergiftungen verboten, da durch das Erbrechen einerseits Gifte die Speiseröhre zweimal schädigen können, anderseits auch saurer Mageninhalt in die Lunge kommen kann.

Magenspülung

Die Magenspülung ist ein invasiver Eingriff mit unsicherer Effizienz und einer beträchtlichen Komplikationsrate (bis zu drei Prozent). Die Indikation ist daher nach strengen Kriterien zu stellen. Die Durchführung setzt unbedingt entsprechende Erfahrung voraus und erfolgt nur unter stationären Bedingungen.

Beatmung mit 100 Prozent Sauerstoff

Diese Form der Beatmung kann nur an Intensivstationen durchgeführt werden und ist bei schweren Vergiftungen mit Gasen (z.B. Kohlenmonoxidvergiftung) notwendig. Die Behandlung muss jedoch innerhalb von ca. sechs Stunden nach der Vergiftung (Intoxikation) erfolgen.

Therapie mit Gegenmittel

Bei eindeutig identifizierten Vergiftungen kann in manchen Fällen die Ärztin/der Arzt ein Gegenmittel (Antidot) verabreichen. Beispiele dafür wären:

Antidot Gift
Atropin Organophosphate (z.B. in Pestiziden)
Calcium Flusssäure (Ätzmittel in der Metallindustrie)
Diazepam Chloroquin (Medikament)
Hydroxocobalamin Cyanide (werden bei Verbrennen von Kunststoffen frei)
Ethanol/Fomepizol Methanol, Ethylenglykol (Alkoholvergiftung)
Flumazenil Benzodiazepine (Schlafmittel)
Methylenblau/Toluidinblau Methämoglobinbildner (z.B. durch bestimmte Medikamente)
N-AcetylcysteinParacetamol (Schmerzmittel)
Naloxon Opiate (Heroin)
SauerstoffKohlenmonoxid, -dioxid etc.


Hinweis Die Therapie mit Gegengiften ist ausschließlich ärztlichem Personal vorenthalten, da die Medikamente auch Nebenwirkungen haben.

Sekundäre Elimination

Dabei wird versucht, den Giftstoff bzw. seine Abbauprodukte nach bereits erfolgter Aufnahme aus dem Organismus zu entfernen. Dabei muss das Nutzen-Risiko-Verhältnis bedacht werden. Indikation für eine sekundäre Elimination wäre ein bereits eingetretener Schaden an Leber, Nieren, hohe Giftspiegel im Blut oder fehlendes Ansprechen auf bereits eingeleitete Therapien. Folgende klinische Eliminationsmöglichkeiten kommen zum Einsatz:

  • Blutwäsche (Hämodialyse),
  • vermehrte Harnausscheidung durch Gabe von Natriumbicarbonat,
  • Blutfilterung (Hämoperfusion, kann nur in bestimmten Kliniken durchgeführt werden) sowie
  • Gabe von Fettlösungen.
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