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Sanitäter legt Frau in stabile Seitenlage © AK-Digiart

Vergiftungen: Richtiges Vorgehen im Notfall

Frau M. arbeitet in einer großen Firma als Reinigungskraft. Während der Arbeit fällt ihr eine Putzmittelflasche zu Boden, die dadurch undicht wird. Unglücklicherweise steht in der Küche eine leere PET-Limonadenflasche. Frau M. füllt das kirschrote Putzmittel in die Flasche, wird dabei von einem Kollegen kurz abgelenkt, vergisst das Putzmittel und geht zurück zu ihrem Reinigungswagen . . . Der Ausgang der Geschichte ist vorhersehbar. Doch zeigen gerade solche Beispiele, wie leicht es zu einem Vergiftungsnotfall kommen kann.

Die 4 Schritte beim Notfall

Gerade bei Vergiftungsnotfällen gibt es jedoch Erste-Hilfe-Maßnahmen, die nicht nur unwirksam, sondern auch gefährlich sein können. Deshalb ist es wichtig, die Notrufnummer der Vergiftungsinformationszentrale für Österreich (VIZ) immer griffbereit zu haben: +43 (0)1 406 43 43.

Schritt 1 – Eigenschutz

Bei jeder Erste-Hilfe-Leistung hat der Eigenschutz immer oberste Priorität! Besonders bei inhalativen Vergiftungen (z.B. Kohlenmonoxid) ist die Ersthelferin/der Ersthelfer einer großer Selbstgefährdung ausgesetzt. Das beste Erste-Hilfe-Wissen nützt nichts, wenn man selbst zu Schaden kommt. Daher muss beispielsweise zuerst die Unfallstelle abgesichert werden.

Schritt 2 – lebensrettende Sofortmaßnahmen

Diese sind situationsbedingt unterschiedlich und müssen vor Ort entschieden werden.

  • Wenn möglich, bringen Sie die verletzte Person aus der Gefahrenzone. Achten Sie dabei auf Ihren Eigenschutz, bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr. Bei zu großer Eigengefährdung rufen Sie die Hilfskräfte wie Feuerwehr, Rettung oder Polizei.
  • Halten Sie die Atemwege frei. Bei einem bewusstlosen Menschen in Rückenlage droht die Gefahr des Erstickens. Eine einfache stabile Seitenlagerung kann dies verhindern.
  • Bei Atemstillstand ist eine sofortige Wiederbelebung notwendig.

Schritt 3 – Notruf absetzen

Wenn die Betroffene/der Betroffene bewusstlos ist, dann wählen Sie unverzüglich den Notruf 144. Sollten Sie alleine sein, rufen Sie laut um Hilfe und wählen Sie die Notrufnummer. Weitere Helferinnen/Helfer können Sie bis zum Eintreffen der Rettung oder der Notärztin/des Notarztes bei allen Maßnahmen unterstützen.

Schildern Sie am Notruftelefon möglichst langsam und konzentriert die Situation. Besonders wichtig sind folgende Angaben:

  • Wer ruft an? Eigener Name mit Telefonnummer für Rückruf.
  • Wo ist der Notfallort? Je genauer, desto besser.
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Menschen sind betroffen? Zahl der Verletzten z.B. bei einem Gasunfall.

Hinweis Wenn die/der Betroffene bei Bewusstsein ist, wählen Sie unverzüglich den Notruf der Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43. Dort erhalten Sie von speziell geschulten Ärztinnen/Ärzten sofort wichtige Erste-Hilfe-Informationen.

Diese Fragen brauchen Sie sich aber nicht zu merken – sie werden aktiv von einer Mitarbeiterin/vom Mitarbeiter der Rettungsleitstelle an Sie gestellt!

Schritt 4 – zusätzliche Basismaßnahmen

Bei Verdacht auf Vergiftungen ist die betroffene Person immer zu überwachen, da sich der Zustand jederzeit ändern kann. Bei keiner Vergiftung ist das provozierte Erbrechen indiziert. Diese Methode ist deshalb ungeeignet, da das Erbrechen bei bestimmten Vergiftungen den Schaden vergrößern kann und immer die Gefahr des Verschluckens von sauerem Mageninhalt in die Atemwege besteht.

Die Gabe von Aktivkohle macht nur bis zu einer Stunde nach Giftaufnahme Sinn. Da die wirksame Kohledosis mindestens ein Zehnfaches der eingenommenen Dosis betragen sollte, ist der therapeutische Nutzen fraglich.

Die sechs wichtigen W’s

Folgende Informationen sind bei einer Vergiftung wichtig und können Leben retten:

  • Was? Informationen über den Giftstoff oder das Produkt, Hersteller, Verpackungsgröße und Konsistenz.
  • Wie viel? Informationen über die möglichst exakte Menge z.B. ein Schluck, ein Kaffeelöffel, Stückzahl usw.
  • Wann? Informationen über den Zeitpunkt der Einnahme bzw. die Zeitspanne bis zur Entdeckung.
  • Wer? Informationen über Alter, Gewicht, Geschlecht und Allgemeinzustand der Betroffenen/des Betroffenen.
  • Wie? Informationen über die Art der Giftaufnahme z.B. über den Mund, über die Atemwege, über die Haut usw.
  • Warum? Informationen darüber, ob es sich um einen Unfall oder einen Selbstmordversuch handelt.

Die wichtigsten Notrufnummern sind:

  • Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43.
  • Rettung 144
  • Polizei 133
  • Feuerwehr 122

Notfallcheck durch Laien

Bei Vergiftungssymptomen, die mit Störung des Herz-Kreislauf-Systems oder des zentralen Nervensystems einhergehen, muss ein einfacher Notfallcheck durchgeführt werden. Überprüfen Sie Bewusstsein und Atmung und führen Sie bei Bedarf lebensrettende Maßnahmen durch.

Der Notfallcheck

  • Bewusstsein kontrollieren: Sprechen Sie die Betroffene/den Betroffenen laut an, kommt keine Reaktion, schütteln Sie die Betroffene/den Betroffenen sanft an der Schulter. Zeigt sie/er weiterhin keine Reaktion, rufen Sie laut um Hilfe, damit jemand den Notruf betätigt. Sollten Sie alleine sein, müssen Sie den nächsten Schritt durchführen und erst dann selbst den Notruf wählen.
  • Atmung kontrollieren: Überstrecken Sie den Kopf der/des Betroffenen, indem Sie eine Hand auf die Stirn legen und mit der anderen das Kinn anheben. Danach gilt: hören, sehen, fühlen für maximal zehn Sekunden. Beobachten Sie den Brustkorb bezüglich Atembewegungen, hören Sie auf Atemgeräusche und fühlen Sie, ob Brustkorbbewegungen vorhanden sind. Wenn die Atmung vorhanden ist: Stabile Seitenlage und danach Notruf 144 oder 112 wählen und Atmung überwachen. Wenn keine Atmung vorhanden ist: Sofort Notruf 144 oder 112 wählen und die Wiederbelebung starten.
  • 30-mal Herzdruckmassage durchführen: Druckpunkt auffinden: Oberes und unteres Ende des Brustbeins ertasten und in der Mitte zwischen diesen beiden Punkten, vier bis fünf Zentimeter tief drücken – mit einer Frequenz von ca. 100-mal in der Minute. Besser schneller als zu langsam drücken!
  • Anschließend zweimal beatmen und dann wieder 30-mal Herzmassage durchführen.
    Diesen Vorgang so lange durchführen, bis Hilfe eintrifft. Wer sich davor scheut, eine Mund-zu-Mund-Beatmung vorzunehmen, kann diese auch unterlassen. Wichtig ist auf jeden Fall die Herzmassage. Ausgenommen sind Kinder, sie müssen immer beatmet werden!

Hinweis Selbstschutz des Helfers bei Mund-zu-Mund-Beatmung beachten! Beatmungshilfe bei Vergiftungen durch Organophosphate, Korrosiva, Cyanide, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Methanol etc. benutzen!

Das Ziel der Ersten Hilfe muss daher die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Kreislauffunktionen und die Verminderung der Giftwirkung sein. Die primären Maßnahmen entsprechen somit den allgemeinen Gesichtspunkten der Erste Hilfe.
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