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Vergiftungen bei Kindern: Richtiges Vorgehen im Notfall

Gerade bei Vergiftungsnotfällen gibt es vermeintliche Erste-Hilfe-Maßnahmen, die nicht nur unwirksam, sondern auch gefährlich sein können. Dabei wird oft mehr Schaden angerichtet als durch den Vorfall selbst. Zum Beispiel das künstlich herbeigeführte Erbrechen. Diese Maßnahme ist vollkommen sinnlos und auch gefährlich. Deshalb ist es wichtig, die Notrufnummer der Vergiftungsinformationszentrale für Österreich (VIZ) immer griffbereit zu haben . . .

Die 4 Schritte beim Notfall

Hinweis Wenn das Kind bei Bewusstsein ist, wählen Sie unverzüglich den Notruf der Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43. Dort erhalten Sie von speziell geschulten Ärztinnen/Ärzten sofort wichtige Anleitungen zur Ersten Hilfe.

Schritt 1 – Eigenschutz:

Bei jeder Erste-Hilfe-Leistung hat der Eigenschutz immer oberste Priorität! Besonders bei inhalativen Vergiftungen (z.B. Kohlenmonoxid) ist die Ersthelferin/der Ersthelfer einer großen Selbstgefährdung ausgesetzt. Das beste Erste-Hilfe-Wissen nützt nichts, wenn man selbst zu Schaden kommt. Daher muss beispielsweise zuerst die Unfallstelle abgesichert werden.

Schritt 2 – lebensrettende Sofortmaßnahmen:

Diese sind situationsbedingt unterschiedlich und müssen vor Ort entschieden werden.

  • Wenn möglich, bringen Sie das verletzte Kind aus der Gefahrenzone. Achten Sie dabei auf Ihren Eigenschutz, bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr. Bei zu großer Eigengefährdung rufen Sie Hilfskräfte wie Feuerwehr, Rettung oder Polizei.
  • Halten Sie die Atemwege frei. Bei einem bewusstlosen Kind in Rückenlage droht die Gefahr des Erstickens. Eine einfache stabile Seitenlagerung kann dies verhindern.
  • Bei Atemstillstand ist eine sofortige Wiederbelebung notwendig.

Schritt 3 – Notruf absetzen:

Wenn das Kind bewusstlos ist, dann wählen Sie unverzüglich den Notruf 144. Sollten Sie alleine sein, rufen Sie laut um Hilfe und wählen Sie die Notrufnummer. Weitere Helferinnen/Helfer können Sie bis zum Eintreffen der Rettung oder der Notärztin/des Notarztes bei allen Maßnahmen unterstützen.

Schildern Sie am Notruftelefon möglichst deutlich und konzentriert die Situation. Besonders wichtig sind folgende Angaben:

  • Wer ruft an? Eigener Name mit Telefonnummer für Rückruf.
  • Wo ist der Notfallort? Je genauer, desto besser.
  • Was ist passiert?

Hinweis Diese Fragen brauchen Sie sich aber nicht zu merken – sie werden aktiv von einer Mitarbeiterin/vom Mitarbeiter der Rettungsleitstelle an Sie gestellt!

Schritt 4 – zusätzliche Basismaßnahmen:

Bei Verdacht auf Vergiftungen ist das Kind immer zu überwachen, da sich der Zustand jederzeit ändern kann. Bei keiner Vergiftung ist das provozierte Erbrechen indiziert. Diese Methode ist deshalb ungeeignet, da das Erbrechen bei bestimmten Vergiftungen den Schaden vergrößern kann und immer die Gefahr besteht, dass Mageninhalt in die Atemwege gelangt.

Die Gabe von Aktivkohle macht nur bis zu einer Stunde nach Giftaufnahme Sinn. Da die wirksame Kohledosis sehr hoch sein müsste, ist der therapeutische Nutzen fraglich.

Die sechs wichtigen W’s

Folgende Informationen sind bei einer Vergiftung wichtig und können Leben retten:

  • Was? Informationen über den Giftstoff oder das Produkt, Hersteller, Verpackungsgröße und Konsistenz.
  • Wie viel? Informationen über die möglichst exakte Menge, z.B. ein Schluck, ein Kaffeelöffel, Stückzahl usw.
  • Wann? Informationen über den Zeitpunkt der Einnahme bzw. die Zeitspanne bis zur Entdeckung.
  • Wer? Informationen über Alter, Gewicht, Geschlecht und Allgemeinzustand der Betroffenen/des Betroffenen.
  • Wie? Informationen über den Aufnahmeweg z.B. über den Mund, über die Atemwege, über die Haut usw.
  • Warum? Informationen darüber, ob es sich um einen Unfall oder eine selbst zugefügte Vergiftung handelt.

Die wichtigsten Notrufnummern sind:

  • Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43
  • Rettung 144
  • Polizei 133
  • Feuerwehr 122

Notfallcheck durch Laien

Bei Vergiftungssymptomen, die mit Störung des Herz-Kreislauf-Systems oder des zentralen Nervensystems einhergehen, muss ein einfacher Notfallcheck durchgeführt werden. Überprüfen Sie daher Bewusstsein und Atmung, und führen Sie bei Bedarf lebensrettende Maßnahmen durch. Für den Notfallcheck benötigen Sie zirka zehn bis 15 Sekunden. Legen Sie besonderes Augenmerk auf die Atmung, da häufig ein Sauerstoffmangel durch unzureichende Atmung besteht.

Gehen Sie beim Notfallcheck wie folgt vor:

  • Bewusstsein kontrollieren:
    • Der Bewusstseinszustand des Kindes wird sowohl durch Ansprechen und körperliche Reize überprüft. Sprechen Sie das Kind laut an, z.B. „Wach auf!“, und berühren Sie das Kind leicht (z.B. an der Innenseite des Oberarms). Zeigt es keine Reaktion, rufen Sie laut um Hilfe, damit andere Personen auf die Situation aufmerksam werden und eventuell den Notruf tätigen. Sollten Sie alleine sein, müssen Sie die nächsten zwei Schritte durchführen und erst dann selbst den Notruf wählen.
  • Atmung kontrollieren:
    • Kind (ab einem Jahr): Überstrecken Sie vorsichtig den Kopf des Kindes, indem Sie eine Hand auf die Stirn legen und mit der anderen das Kinn anheben. Danach gilt: hören, sehen, fühlen für maximal zehn Sekunden. Beobachten Sie den Brustkorb bezüglich Atembewegungen, hören Sie auf Atemgeräusche und fühlen Sie, ob Brustkorbbewegungen vorhanden sind.
    • Säugling (bis zu einem Jahr): Bei Säuglingen wird der Kopf nicht überstreckt, sondern nur in die Neutralposition gebracht (Schnüffelstellung). Danach gilt: hören, sehen, fühlen für maximal zehn Sekunden. Beobachten Sie den Brustkorb bezüglich Atembewegungen, hören Sie auf Atemgeräusche, und fühlen Sie, ob Brustkorbbewegungen vorhanden sind.
    • Wenn die Atmung vorhanden ist: Stabile Seitenlage und danach Notruf 144 oder 112 wählen und Atmung überwachen. Wenn keine Atmung vorhanden ist: Sofort mit der Wiederbelebung starten.

Die Wiederbelebung bei Kindern

Ein Atemstillstand ist bei einem Kind ein dramatisches Ereignis. Daher beginnen Sie sofort mit der Beatmung 5x und danach 30x den Brustkorb massieren. Erst nach einer Minute Wiederbelebung den Notruf 144 oder 112 wählen.

Bei Atemstillstand das Kind sofort 5x beatmen. Beim Hineinblasen immer die Größe des Kindes berücksichtigen.

  • Kind (ab einem Jahr): Bei Kindern wird eine Mund-zu-Mund-Beatmung durchgeführt, indem die Helferin/der Helfer den Mund des Kindes dicht umschließt. Die Nase wird mit dem Zeigefinger und dem Daumen verschlossen.
  • Säugling (bis zu einem Jahr): Bei Säuglingen wird in der „Schnüffelstellung“ eine Mund-zu-Mund-Nasen-Beatmung durchgeführt, indem der Mund der Helferin/des Helfers Mund und Nase dicht umschließen. Gelingt dies nicht, dann wird entweder eine Mund-zu-Nase- oder Mund-zu-Mund-Beatmung durchgeführt. 

30x Herzdruckmassage durchführen:

Kind (ab einem Jahr): Druckpunkt auffinden – ca. Mitte des Brustkorbes – je nach Größe des Kindes mit einer oder mit beiden Händen drücken. Die Eindrücktiefe soll bei der Herzdruckmassage etwa ein Drittel der Brustkorbtiefe betragen – mit einer Frequenz von mindestens 100x in der Minute.

Säugling (bis zu einem Jahr): Druckpunkt auffinden, das ist ein Finger breit unterhalb der Mitte des Brustkorbes, je nach Größe des Kindes mit einem oder zwei Fingern drücken. Die Drucktiefe soll bei der Herzdruckmassage etwa ein Drittel der Brustkorbtiefe betragen – mit einer Frequenz von mindestens 100x in der Minute.

Anschließend 2x beatmen und dann wieder 30x Herzmassage durchführen:

  • Dieser Rhythmus ist bei Kindern und Erwachsenen gleich. Führen Sie eine Wiederbelebung so lange durch, bis professionelle Hilfe eintrifft.

Unterschied bei der Wiederbelebung von Kindern und Erwachsenen:

  • Ein Herz-Kreislauf-Stillstand ist bei Kindern meist die Folge eines Problems mit der Atmung (z.B. Verschlucken von Gegenständen, Infektionen der oberen Atemwege). Deshalb beginnen Sie die Wiederbelebung mit der Atemspende (zu Beginn 5x beatmen). Beim Erwachsenen starten Sie – im Unterschied dazu – mit der Herzdruckmassage.
  • Der Druckpunkt für die Reanimation ist bei Säuglingen etwas tiefer (ein Finger breit unter der Brustkorbmitte). Bei allen anderen Altersklassen und Erwachsenen ist der Druckpunkt in der Mitte des Brustkorbes.
  • Wählen Sie den Notruf 144 oder 112 bei Kindern erst nach einer Minute Wiederbelebung. Bei Erwachsenen wählen Sie den Notruf sofort nach Erkennen des Atemstillstands.
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