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Bub nimmt Tabletten in den Mund © S. Kobold

Vergiftungen bei Kindern: Medikamente

 Um Vergiftungsnotfälle mit Medikamenten zu vermeiden, sollten diese immer gut verwahrt sein. Leider entspricht das nicht der Realität. Medikamente des täglichen Gebrauchs werden oft im Haushalt achtlos liegen gelassen. Das kann bei bestimmten Medikamenten gefährliche Folgen haben. Allerdings kommt es immer auf die Menge und den Inhaltsstoff an, deshalb sichern Sie Verpackung oder Etikett. Die folgenden Medikamente sind nur ein Auszug. Rufen Sie im Fall der Fälle bei der Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43 an. Bei Kindern mit Grunderkrankungen, z.B. Leber, Niere oder Stoffwechsel betreffend, ist immer das weitere Vorgehen zu erfragen . . .

Schlaf- und Beruhigungsmittel

Diese Stoffe liegen oft beim Bett und sind dann für Kinder leicht zugänglich. Besonders Benzodiazepine haben eine narkotische (bewusstseinstrübende) Wirkung.

Symptome:

  • Müdigkeit
  • Gangunsicherheit

Große Mengen bestimmter Schlafmittel können auch lebensgefährlich sein.

  • Atemdepression
  • Koma
  • Verlust der Schutzreflexe (Einatmung von Magensaft)

Achtung! Durch die Müdigkeit und Gangunsicherheit besteht auch Sturz- und Unfallgefahr.


Erste-Hilfe-Maßnahmen:

Nach Überdosierungen mit Schlaf- oder Beruhigungsmitteln, die mit Symptomen einhergehen, sollte das Kind an einer Kinderklinik überwacht werden.

  • Tablettenreste aus dem Mund entfernen.
  • Schluckweise Wasser nachtrinken. (nur bei klarem Bewusstsein).
  • Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43 kontaktieren.

Bei Bewusstlosigkeit gehen Sie wie folgt vor:

  • Halten Sie die Atemwege frei. Bei einem bewusstlosen Kind in Rückenlage droht die Gefahr des Erstickens. Eine einfache stabile Seitenlagerung kann dies verhindern.
  • Bei Atemstillstand führen Sie umgehend eine Wiederbelebung durch.
  • Notruf 144 wählen!

Bei freiverkäuflichen Beruhigungsmitteln aus Pflanzenextrakten, wie z.B. Baldrian, Hopfen, Johanniskraut, ist nach der Einnahme von mehreren Tabletten höchstens mit Übelkeit und Erbrechen zu rechnen.

Antiarrhythmika

Diese Medikamente sind gefährlich, da sie den Herzrhythmus beeinflussen können. Die Gefahr steigt mit der Höhe der eingenommenen Menge.

Symptome:

Je nach Medikament können unterschiedliche Symptome auftreten:

  • Herzrasen
  • langsamer Herzschlag
  • Schläfrigkeit
  • Blässe
  • Übelkeit
  • Bewusstlosigkeit

Meistens ist die eingenommene Menge gering, dennoch sollten Sie immer die Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43 kontaktieren.

Erste Hilfe:

  • Tablettenreste aus dem Mund entfernen.
  • Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43 kontaktieren.
  • Bei Symptomen sofort 144 rufen.

Bei Bewusstlosigkeit gehen Sie wie folgt vor:

  • Halten Sie die Atemwege frei. Bei einem bewusstlosen Kind in Rückenlage droht die Gefahr des Erstickens. Eine einfache stabile Seitenlagerung kann dies verhindern.
  • Bei Atemstillstand führen Sie umgehend eine Wiederbelebung durch.
  • Notruf 144 wählen!

Blutdruckmedikamente

Auch bestimmte blutdrucksenkende Medikamente können wie Herzrhythmusmedikamente gefährlich sein. Andere führen zu Schläfrigkeit und Blutzuckersenkung. Bei den am häufigsten verschriebenen ACE-Hemmern werden kleine Mengen ohne große Auswirkungen vertragen. Vorgangsweise wie bei Herzrhythmusmedikamenten.

Antibabypille

Diese Präparate werden oft im Schlafzimmer liegen gelassen. Symptome können allenfalls Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit sein. Ansonsten sind diese Präparate ungefährlich.

Antibiotika

Um die Einnahme für Kinder zu erleichtern, werden Antibiotika häufig als Säfte verschrieben. Diese Flüssigkeiten sollten mithilfe eines Messlöffels oder eines Messbechers eingenommen werden. Damit steigt aber die Gefahr einer Fehl- oder Überdosierung. Glücklicherweise führt dies maximal zu Magen-Darm-Symptomen mit Durchfall und Bauchschmerzen. Somit reichen diätetische Maßnahmen.

Achtung! Nebenwirkungsangaben bei Medikamenten gelten auch für normale Dosierungen und sind nicht dosisabhängig.

Antidepressiva

Es gibt eine Vielzahl von Medikamente in dieser Gruppe. Daher sind sie auch unterschiedlich giftig und verursachen unterschiedliche Symptome.

Symptome:

Je nach Wirkstoff sind folgende Symptome möglich:

  • Schläfrigkeit
  • Wesensveränderung
  • Unruhe
  • Erbrechen
  • Verwirrtheit
  • eventuell Krampfanfälle
  • eventuell Herzrhythmusstörungen

Erste Hilfe:

  • Tablettenreste aus Mund entfernen.
  • Schluckweise Wasser nachtrinken.
  • Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43 kontaktieren.

Bei Bewusstlosigkeit gehen Sie wie folgt vor:

  • Halten Sie die Atemwege frei. Bei einem bewusstlosen Kind in Rückenlage droht die Gefahr des Erstickens. Eine einfache stabile Seitenlagerung kann dies verhindern.
  • Bei Atemstillstand führen Sie umgehend eine Wiederbelebung durch.
  • Notruf 144 wählen!

Schmerzmittel

In dieser Medikamentengruppe gibt es im Bezug auf ihre Gefährlichkeit große Unterschiede.
Die häufigsten sind Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Mefenaminsäure und Opiate.
Die Gefahr geht einerseits von frei erreichbaren und anderseits von falsch dosierten Schmerzmedikamenten aus. Besonders Paracetamol und Mefenaminsäure werden bei Kindern häufig als schmerz-, fieber- und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt.

Mefenaminsäure

Symptome:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Oberbauchschmerzen
  • Muskelkrämpfe (eine bis zwölf Stunden nach Einnahme)
  • Störungen des zentralen Nervensystems
  • Azidose (Absinken des Blut-pH)

Hinweis Die Vergiftung verläuft in der Regel ungefährlich.

Erste Hilfe:
  • Tablettenreste aus Mund entfernen.
  • Schluckweise Wasser nachtrinken.
  • Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43 kontaktieren.

Bei Bewusstlosigkeit gehen Sie wie folgt vor:

  • Halten Sie die Atemwege frei. Bei einem bewusstlosen Kind in Rückenlage droht die Gefahr des Erstickens. Eine einfache stabile Seitenlagerung kann dies verhindern.
  • Bei Atemstillstand führen Sie umgehend eine Wiederbelebung durch.
  • Notruf 144 wählen!

Paracetamol

Dieses Medikament hat sich in der Kinderheilkunde sehr bewährt, allerdings ist es bei Überdosierung gefährlich. Die Giftigkeit ist von der Menge, dem Körpergewicht und dem Zeitintervall, in welchem die Überdosierung eingenommen wurde, abhängig. Ursache kann eine zu hohe Einzeldosis oder eine zu häufige Einnahme sein. Glücklicherweise sind Kinder widerstandsfähiger als Erwachsene bei Überdosierungen.

Symptome:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schwitzen
  • nach massiven Überdosierungen besteht die Gefahr einer Leberschädigung

Erste Hilfe:

  • Tablettenreste aus Mund entfernen.
  • Schluckweise Wasser nachtrinken.
  • Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43 kontaktieren

Salicylate

Bei Salicylaten gibt es je nach eingenommener Menge unterschiedliche Symptomatiken. Eine Tablette mit 500 mg ist für ein Kleinkind harmlos. Größere Mengen können folgende Symptome hervorrufen.

Symptome:

  • gastrointestinale Reizerscheinungen
  • Tinnitus
  • vermehrte Speichelproduktion
  • Fieber
  • Kreislauf- und Nierenversagen
  • Störungen des Elektrolyt-, Flüssigkeits- und Zuckerhaushaltes

Erste Hilfe:

  • Tablettenreste aus Mund entfernen.
  • Schluckweise Wasser nachtrinken.
  • Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43 kontaktieren.

Bei Bewusstlosigkeit gehen Sie wie folgt vor:

  • Halten Sie die Atemwege frei. Bei einem bewusstlosen Kind in Rückenlage droht die Gefahr des Erstickens. Eine einfache stabile Seitenlagerung kann dies verhindern.
  • Bei Atemstillstand führen Sie umgehend eine Wiederbelebung durch.
  • Notruf 144 wählen!

Opiate

Sie sind in überhöhten Dosen gefährlich, da sie atemdepressiv wirken.

Symptome:

  • Pupillenverengung
  • Atemdepression
  • Lungenversagen
  • Verengung der Atemwege
  • Koma

Erste Hilfe:

Bei Verdacht einer Opiateinnahme muss bei dem Kind die Atmung engmaschig überwacht werden.

  • Auch ein Kind bei Bewusstsein muss unbedingt überwacht werden. Nicht alleine lassen!! In unklaren Fällen kontaktieren Sie die Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43.
  • Halten Sie die Atemwege frei. Bei einem bewusstlosen Kind in Rückenlage droht die Gefahr des Erstickens. Eine einfache stabile Seitenlagerung kann dies verhindern.
  • Bei Atemstillstand führen Sie umgehend eine Wiederbelebung durch.
  • Notruf 144 wählen!
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