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Kind spielt mit Putzmittelflasche © antiksu

Vergiftungen bei Kindern: Haushaltsprodukte und Chemikalien

Durch die tägliche Verwendung von Haushaltsprodukten sind Kleinkinder besonders gefährdet. Glücklicherweise sind viele dieser Mittel weit weniger giftig als vielfach angenommen. Manche jedoch, wie z.B. Rohrreiniger oder Industriereiniger, können zu schweren Vergiftungen führen. Es ist daher besonders wichtig, derartige Chemikalien für Kinder unerreichbar aufzubewahren. Die meisten Giftunfälle passieren zu Hause mit Kindern unter vier Jahren . . .

Industriereiniger

Diese Mittel werden für die Entfernung von Öl-, Fett- und Pigmentschmutz verwendet und können stark ätzend sein. Sie enthalten giftige Chemikalien wie z.B. Kalium- oder Natriumhydroxid, Ammoniak oder Gemische von chlorierten Kohlewasserstoffen mit Alkohol.

Symptome: 

Abhängig von der Einnahmemenge kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • durch Ätzwirkung sehr starke und sofort auftretende Schmerzen
  • Schwellung und Rötung des betroffenen Haut- oder Schleimhautareals
  • starker Speichelfluss
  • Erbrechen
  • Übelkeit

Bei Produkten mit Lösungsmitteln können noch folgende Symptome dazu kommen:

  • Schläfrigkeit
  • Gangunsicherheit
  • Bewusstlosigkeit

Hinweis Verätzungen der Speiseröhre können zu narbigen Verengungen führen.


Erste Hilfe:

  • Unbedingt Reste aus dem Mund entfernen (Ausspülen des Mundes mit Wasser).
  • Haut und Hände gut mit Wasser spülen.
  • Auf keinen Fall Erbrechen auslösen (Gift würde Speiseröhre zweimal passieren!!).
  • Sofort ein Glas Wasser, Tee oder Saft nachtrinken.
  • Bei Augenbeteiligung sofort mit viel Wasser spülen.
  • Ruhe bewahren.
  • Wenn das Kind ansprechbar ist, Vergiftungsinformationszentrale kontaktieren +43 (0)1 406 43 43.
  • Verpackung oder Etikett des Mittels sicherstellen.

Rohrreiniger

Diese finden Verwendung vor allem bei verstopften Abflussrohren. Sie enthalten stark ätzende Laugen wie z.B. Natronlauge (Ätznatron) und werden häufig als Pulver oder Granulat abgefüllt.

Symptome:

Abhängig von der Einnahmemenge kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • durch Ätzwirkung sehr starke und sofort auftretende Schmerzen
  • Schwellung und Rötung des betroffenen Haut- oder Schleimhautareals
  • starker Speichelfluss
  • Erbrechen
  • Übelkeit

Erste Hilfe:

  • Unbedingt Reste aus dem Mund entfernen (Mund mit Wasser ausspülen).
  • Haut und Hände gut mit Wasser spülen.
  • Auf keinen Fall Erbrechen auslösen (Gift würde Speiseröhre zweimal passieren!!).
  • Schluckweise Wasser nachtrinken.
  • Bei Augenbeteiligung sofort mit viel Wasser spülen.
  • Ruhe bewahren.
  • Wenn das Kind ansprechbar ist, Vergiftungsinformationszentrale kontaktieren +43 (0)1 406 43 43.
  • Verpackung oder Etikett des Reinigungsmittels sicherstellen.

Allzweckreiniger

Werden de facto in jedem Haushalt verwendet und enthalten waschaktive, schaumbildende Substanzen (Tenside, Seife). Meistens sind auch geringe Konzentrationen von Lösungsmitteln enthalten.

Symptome:

Durch die Tenside wird der Magen gereizt. Es kann zu folgenden Symptomen kommen:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • eventuell Husten

Erste Hilfe:

  • Unbedingt Reste aus dem Mund entfernen (Ausspülen des Mundes mit Wasser).
  • Bei Augenbeteiligung sofort mit viel Wasser spülen.
  • Auf keinen Fall Erbrechen auslösen.
  • Schluckweise Wasser nachtrinken.
  • Während des Erbrechens das Kind stützen und nach vorne beugen.
  • Ruhe bewahren und eventuell Vergiftungsinformationszentrale kontaktieren +43 (0)1 406 43 43.
  • Verpackung oder Etikett des Reinigungsmittels sicherstellen.
  • Vergiftungen mit reinen tensidhaltigen Reinigern sind in der Regel nicht gefährlich.

WC-Reiniger

Die Eigenschaften sind sehr von der Zusammensetzung des Produktes abhängig. In WC-Steinen sind Tenside und Duftstoffe enthalten und daher sind sie ungefährlich. In Reinigern sind Tenside mit Zitronen- oder Essigsäure gemischt. Meistens besitzen die Produkte nur reizende Eigenschaften. Selten können auch ätzende Stoffe wie z.B. Amidosulfonsäure, Ameisensäure oder Salzsäure beigemengt sein, vor allem in industriellen Produkten. Von diesen geht ein erhebliches Gefahrenpotenzial aus.

Symptome:

Produkte, ob flüssig oder fest, die nur Tenside und Duftstoffe enthalten, sind ungefährlich. Die Symptome sind denen von Allzweckreinigern ähnlich.

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • eventuell Husten

Erste Hilfe:

  • Unbedingt Reste aus dem Mund entfernen (mit Wasser ausspülen).
  • Nach Augenbeteiligung sofort mit viel Wasser spülen.
  • Auf keinen Fall Erbrechen auslösen.
  • Schluckweise Wasser nachtrinken.
  • Während des Erbrechens das Kind stützen und nach vorne beugen.
  • Ruhe bewahren und eventuell Vergiftungsinformationszentrale kontaktieren +43 (0)1 406 43 43. Verpackung oder Etikett des Mittels sicherstellen.

Geschirrreiniger

Hier ist die Unterscheidung zwischen manuellen Spülmitteln und Geschirrreinigern für die Maschine wichtig. Während flüssige Spülmittel zum größten Teil nur Tenside enthalten (siehe Allzweckreiniger) und damit relativ ungefährlich sind, enthalten Maschinenprodukte reizende Inhaltsstoffe. Diese werden als Tabs oder Gels eingesetzt.

Symptome:

Abschlecken und knabbern führt meist nicht zu wesentlichen Beschwerden. Je nach Konzentration der Inhaltsstoffe können Reizungen auftreten. Es kann zu folgenden Symptomen kommen:

  • Schmerzen und Brennen im Mund und Rachenraum
  • Schwellungen
  • Rötungen

Erste Hilfe:

  • Reste entfernen (Mund mit Wasser ausspülen).
  • Schluckweise Wasser nachtrinken.
  • Auf keinen Fall Erbrechen auslösen.
  • Ruhe bewahren und Vergiftungsinformationszentrale kontaktieren +43 (0)1 406 43 43.

Die weitere Vorgangsweise ist von den Produktinhaltsstoffen abhängig.

Glasreiniger

Diese enthalten Tenside (siehe Allzweckreiniger) und diverse Lösungsmittel z.B. Alkohole. In der Regel führen Glasreiniger nicht zu schweren Vergiftungen, sondern zu ähnlichen Symptomen wie Allzweckreiniger. Bei Reizungen der Augen sollten diese mit Wasser gespült werden.

Alkohole

Umgangssprachlich werden als „Alkohol“ Getränke mit berauschender Wirkung beschrieben. Doch Alkohol ist auch in vielen Haushaltsprodukten enthalten wie z.B. in Kosmetika, Spiritus, Desinfektionsmitteln und bestimmten Reinigungsmitteln.

Trinkalkohole (Ethanol)

Hochprozentige Getränke wie z.B. Wodka, Schnaps oder Whisky schrecken Kinder aufgrund des brennenden Gefühls auf Schleimhäuten generell ab. Daher wird meistens nur ein Schluck getrunken.

Symptome:

Abhängig von der Einnahmemenge kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • Gangunsicherheit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • eventuell Schläfrigkeit

Erste Hilfe:

  • Süßen Saft oder Tee zu trinken geben.
  • Auf keinen Fall Erbrechen auslösen.

Hinweis Ein Schluck ist in der Regel vollkommen ungefährlich. Im Zweifelsfall Vergiftungsinformationszentrale kontaktieren +43 (0)1 406 43 43.

Entkalker

Diese Mittel werden zum Entkalken von Kaffeemaschinen oder Wasserkochern verwendet.
Bestandteile sind Amidoschwefel-, Zitronen-, eventuell Apfel- und Milchsäure. Manchmal wird auch Essigsäure dazugegeben. Unverdünnt sind diese Produkte gelegentlich ätzend. Entkalker sind in flüssiger oder in fester Form erhältlich.

Symptome:

Meistens werden sie im Gerät vergessen und dann mit Wasser vermischt, daher ist die Wirkung sehr stark abhängig von der Konzentration des Gemisches. Es kann zu folgenden Symptomen kommen:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Schmerzen

Erste Hilfe:

  • Reste entfernen (Mund mit Wasser ausspülen).
  • Schluckweise Wasser nachtrinken.
  • Auf keinen Fall Erbrechen auslösen.
  • Ruhe bewahren und Vergiftungsinformationszentrale kontaktieren +43 (0)1 406 43 43.

Achtung! Wasserkocher kennzeichnen, z.B. mit einem angeklebten Zettel, wenn Entkalker eingefüllt ist!


Klebstoffe

Bei den Klebstoffen gibt es viele unterschiedliche Produkte.

  • Alleskleber mit Lösungsmittel enthält z.B. Alkohol, Aceton, Methylethylketon. Die Mengen, die Kinder schlucken, sind meist unbedenklich. Bei absichtlichem Schnüffeln besteht die Gefahr von Benommenheit, Schwindel oder Übelkeit.
  • Kinderbastelkleber enthält keine Lösungsmittel. Bei Mengen, die Kinder probieren, ist er vollkommen unbedenklich. Bestimmte Maßnahmen sind daher nicht notwendig.
  • Klebesticks enthalten z.B. Sorbit oder Polyvinylpyrrolidon und sind in kleinen Mengen harmlos.
  • Sekundenkleber: Bei diesem Produkt kommt es innerhalb von Sekunden zu Verklebungen. Je nach Lokalisation kann es zu mehr oder weniger heftigen Wirkungen kommen. Der Klebstoff kann weder mit Lösungsmittel noch mit Benzin abgelöst werden. Verklebte Stellen wie z.B. Augenlider niemals mit Gewalt lösen, dabei besteht die Gefahr einer Verletzung. Bei diesem Produkt steht die mechanische Verklebung im Vordergrund, nicht der Stoff selbst, da er sofort aushärtet.

Erste Hilfe bei allen Klebstoffen

  • Reste entfernen, falls problemlos möglich.
  • Schluckweise Wasser nachtrinken.
  • Sofort Haut mit Wasser/Seife reinigen.
  • Mit Sekundenkleber betroffenes Hautareal mehrmals mit Körperöl einreiben bzw. mit warmem Wasser und Seife abwaschen.
  • Auge mit lauwarmem Wasser spülen.
  • Nach Augenkontakt mit Sekundenkleber unbedingt Ärztin/Arzt aufsuchen.

Lampenöl

Diese können gefährlich werden, wenn kleinste Tropfen in die Atemwege gelangen. Verursacher dafür sind dünnflüssige Paraffine, wenn zum Beispiel am Docht gesaugt wird.

Symptome:

Bei Vergiftungen mit Lampenöl kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • plötzlich einsetzender Husten
  • Atemnot
  • erhöhte Atemfrequenz

Erste Hilfe:

  • Hustendes Kind aufrecht halten.
  • Kein Erbrechen auslösen.
  • Keine Manipulationen im Mund.
  • Tee, Wasser oder Saft trinken.
  • Notruf 144 wählen.

Hinweis Kind sollte auch bei Beschwerdefreiheit nach Einnahme von Lampenöl untersucht werden.

Kosmetika

Die geringen Mengen, die von Kleinkindern geschluckt werden, sind unbedenklich.
Im Zweifelsfall kontaktieren Sie die Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43.

Nagellack & -entferner

Meistens wird von Kindern nur der Pinsel abgeschleckt, damit ist die eingenommene Menge viel zu gering, um eine Vergiftung herbeizuführen. Es reicht daher, den Mund auszuspülen und Wasser, Tee oder Saft nachzutrinken. Im Zweifelsfall kontaktieren Sie die Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43.

Zum Unterschied zu Nagellack kann der „Entferner“ den gefährlichen Stoff Butyrolacton enthalten. Meisten findet sich dieser Stoff in Nagellackentfernerpads.

Symptome:
  • starkes Brennen auf Schleimhäuten
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • eventuell Benommenheit
  • Gangunsicherheit
  • Schläfrigkeit

Hinweis Butyrolacton wirkt wie ein Narkosemittel und ist daher gefährlich.


Erste Hilfe:
  • Verunreinigte Kleidung unbedingt ausziehen (Dämpfe!).
  • Haut mit Wasser und Seife reinigen.
  • Reste aus dem Mund entfernen und gut mit Wasser ausspülen.
  • Wasser, Saft oder Tee zu trinken geben (nur wenn keine Schläfrigkeit oder Benommenheit besteht).
  • Auf keinen Fall Erbrechen auslösen.
  • Ruhe bewahren und sofort Notruf 144 wählen und Vergiftungsinformationszentrale kontaktieren +43 (0)1 406 43 43.
  • Verpackung oder Etikett des Nagellackentferners sicherstellen.

Bei Bewusstlosigkeit

  • Halten Sie die Atemwege frei. Bei einem bewusstlosen Menschen in Rückenlage droht die Gefahr des Erstickens. Eine einfache stabile Seitenlagerung kann dies verhindern.
  • Bei Atemstillstand führen Sie umgehend eine Wiederbelebung durch.
    Notruf 144 wählen!

Parfüm & Rasierwasser

Bei Parfüm oder Rasierwasser gilt dasselbe Vorgehen wie bei Alkohol.

Haarshampoos

Enthalten waschaktive Substanzen ähnlich wie Allzweckreiniger, daher besteht nur geringes Risiko. Die schäumende Wirkung führt im Magen unter Umständen zu Übelkeit mit Erbrechen (siehe Allzweckreiniger).

Silicagel

Die kleinen abgepackten Kügelchen zum Schutz vor Feuchtigkeit kommen z.B. bei empfindlichen Geräten, Handtaschen oder anderen Gebrauchsgegenständen zum Einsatz. Diese sind vollkommen ungiftig und werden mit dem Stuhl unverändert wieder ausgeschieden.

Waschmittel, Weichspüler

Auch bei diesen Stoffen stehen die Tenside in verschiedenen Formen im Vordergrund. Zusätzlich enthalten sie Bleichmittel, Duftmittel und Hilfsstoffe. Das Vergiftungsrisiko ist sehr gering. Symptome und Erste Hilfe siehe Allzweckreiniger.

Zigaretten und Zigarettenkippen

Gerade in diesem Bereich gibt es viele Mythen. Kleinkinder, die eine Zigarette aufgenommen haben, sind in keiner Weise gefährdet. Es benötigt schon mehr Tabak, um Vergiftungserscheinungen auszulösen (mindestens zwei Zigaretten). Eine Vergiftung mit Zigaretten ist ein extrem seltenes Ereignis. Die meisten Kinder bleiben nach der Einnahme vollkommen beschwerdefrei. Etwas gefährlicher sind volle Aschenbecher mit mehreren in Wasser aufgelösten Kippen. Die Einnahme von Nikotinkaugummis und Verwendung von Nikotinpflastern könnte bei Kleinkindern Beschwerden verursachen.

Symptome bei geringen Mengen:

  • eventuell Übelkeit
  • eventuell Erbrechen

Symptome bei großen Mengen:

  • Unruhe
  • Zittern
  • Blässe
  • Herzrasen
  • Durchfall

Erste Hilfe:

  • Reste aus dem Mund entfernen.
  • Schluckweise Wasser nachtrinken.
  • Kein Erbrechen auslösen.
  • Ruhe bewahren und Vergiftungsinformationszentrale kontaktieren +43 (0)1 406 43 43.
  • Kinder unter einem Jahr und mit Beschwerden müssen eventuell in einer Klinik überwacht werden.
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