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Erfrierungsopfer wird von Bergrettung abtransportiert © Christa Eder

Notfall: Erfrierung und Unterkühlung

Bei einer Erfrierung wird das Gewebe durch Kälteeinwirkung geschädigt. Besonders gefährdet sind kälteexponierte Körperstellen (Ohren, Nase) und ungenügend geschützte Gliedmaßen wie Finger und Zehen. Manchmal treten Erfrierungen zeitgleich mit einer allgemeinen Unterkühlung auf. Ein örtlich begrenzter direkter Kontakt mit extrem kalten Substanzen, wie z.B. Trockeneis oder flüssigem Stickstoff, führt zu verbrennungsähnlichen Symptomen. Dies bezeichnet man als Kälteverbrennung . . .

Symptome bei Erfrierungen

Die Schädigung des Gewebes hängt von der Temperatur, der Expositionsdauer und der betroffenen Körperstelle ab. Endgültige Gewebeschäden können oft erst nach Tagen oder Wochen beurteilt werden.

Erfrierungen werden je nach Schwere in folgende vier Stadien eingeteilt:

  • Erfrierung ersten Grades: Kennzeichen sind Blässe und Abkühlung der Haut sowie stechende Schmerzen. Das Gewebe ist zunächst vollkommen gefühllos. Nach der Wiedererwärmung kommt es zur verstärkten Durchblutung, wodurch eine starke Rötung entsteht. Manchmal wird diese von einem Juckreiz begleitet.
  • Erfrierung zweiten Grades: Bei einer Erfrierung zweiten Grades kommt es an den betroffenen Stellen sofort oder auch nach einigen Stunden zu einer Blasenbildung, Rötung und Schwellung. Die Blasen sind hell und heilen ohne Narbenbildung wieder ab.
  • Erfrierung dritten Grades: Es finden sich trockene und abgestorbene Hautareale neben bläulich-roten Blutblasen, die zu feuchten Nekrosen führen. Nekrosen sind Gewebeveränderungen, die nach dem Zelltod auftreten. Typisch dafür sind schwarze, eingetrocknete Hautbezirke. Druck, zum Beispiel durch enge Schuhe, begünstigt die Entstehung dieser Gewebeschäden. Nach dem Auftauen sind die erfrorenen Gebiete vollkommen gefühllos und bewegungseingeschränkt. Nach dem Abheilen bleiben Narben zurück.
  • Erfrierung vierten Grades: Alle Gewebeschichten sind betroffen (Totalvereisung). Bei Berührung können z.B. Finger abbrechen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Bei erschöpften oder verletzten Personen ist die Gefahr einer Erfrierung deutlich höher als bei einem gesunden, ausgeruhten Menschen. Der Hauptauslöser ist unangemessene Kleidung. Gehen Sie wie folgt vor:

  • Schutz vor weiterer Kälte.
  • Beengende Kleidung öffnen.
  • Verabreichung von heißen, gezuckerten Getränken.
  • KEINE aktive Wärme (z.B. durch Reiben oder Wärmflasche) zuführen.
  • Erfrorene Körperteile möglichst locker und druckfrei mit keimfreiem Material bedecken (z.B. Verbandtuch).
  • Besteht KEINE allgemeine Unterkühlung, sollte die Extremität der/des Betroffenen aktiv bewegt werden (Beachte: Erwärmung der Extremität sehr schmerzhaft!).
  • Mit Decken und zusätzlicher Kleidung erwärmen.
  • Aufwärmen der Hände unter der eigenen oder fremden Achsel, dem wärmsten Ort des Körpers.

Achtung! Um weitere Gewebeschäden zu vermeiden, sollen erfrorene Körperteile nicht direkt erwärmt werden. Unterlassen Sie auch das Einreiben mit Schnee oder das Frottieren mit einem Handtuch.

Symptome bei Unterkühlung

Zu einer Unterkühlung kommt es, wenn die Wärmeabgabe des Körpers über einen Zeitraum größer ist als die Wärmeproduktion. Die Unterkühlung (Hypothermie) wird in drei Stadien unterteilt.

  • Milde Hypothermie 32–35 °C: Der Körper versucht die Körperkerntemperatur konstant zu halten und produziert Wärme durch automatisiertes Muskelzittern. Durch Zusammenziehen der Blutgefäße in den Extremitäten vermindert sich die Durchblutung in den äußeren Körperregionen (Zentralisation). Es entsteht eine „Hülle“, in der das kalte Blut bleibt. Ein Wärmeaustausch zwischen Hülle und Körperkern findet dann kaum noch statt.
  • Mittelgradige Hypothermie 28–32 °C: In dieser Phase kommt es zur Bewusstseins-eintrübung. Die Reflexe sind abgeschwächt, und das Muskelzittern hört auf. Blutdruckabfall und erweiterte Pupillen ergänzen die Symptome. Anfangs empfinden unterkühlte Menschen Schmerzen, dann werden sie teilnahmslos und müde. Später fühlen sie sich beschwerdefrei und schlafen ein.
  • Schwere Hypothermie unter 28 °C: Bei Temperaturen von weniger als 28 °C kommt es zum vollständigen Verlust des Bewusstseins. Herzrhythmusstörungen verursachen einen Atem- und Kreislaufstillstand. Die Pupillen sind starr, reagieren nicht auf Licht.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Bei einer Unterkühlung und bei Erfrierungen ist eine rechtzeitige Therapie entscheidend für den weiteren Verlauf. Daher ist es wichtig, bei Kälteschäden umgehend zu handeln und geeignete Erste-Hilfe-Maßnahmen zu ergreifen. Die Versorgung einer Unterkühlung hat immer Priorität vor der lokalen Erfrierung, dabei ist wie folgt vorzugehen:

  • Bringen Sie die unterkühlte Person schonend aus dem Gefahrenbereich, wenn möglich, in einen Raum mit Zimmertemperatur, mindestens an einen windstillen Ort.
  • Wenn keine warme Örtlichkeit zur Verfügung steht (z.B. Gebirge), halten Sie die Person unbedingt wach.
  • Notruf 144 oder 112 wählen!

In warmer Umgebung gehen Sie wie folgt vor:

  • Die Betroffene/den Betroffenen flach lagern und möglichst wenig bewegen.
  • Bei nasser Kleidung, diese mit einer Schere entfernen.
  • Wärme erhalten und die betroffene Person zudecken.
  • Verabreichung von warmen, gezuckerten Getränken (kein Alkohol bzw. Kaffee).
  • Regelmäßige Kontrolle von Bewusstsein und Atmung.

Bei Bewusstlosigkeit oder plötzlichem Bewusstseinsverlust:

  • Bewusstsein überprüfen: ansprechen und sanft schütteln.
  • Laut um Hilfe rufen: Umstehende auf die Notfallsituation aufmerksam machen!
  • Atmung prüfen: „hören, sehen, fühlen“ für max. zehn Sekunden.
  • Normale Atmung ist vorhanden: stabile Seitenlage und Notruf 144 oder 112 wählen. Wiederholt die Atmung prüfen!
  • Keine normale Atmung vorhanden: Notruf 144 oder 112 wählen und mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen!

Hinweis Bei einer unterkühlten und bewusstlosen Person kann die Beurteilung der Atmung schwierig sein. Daher frühzeitig mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Bei Unterkühlung gilt: "Niemand ist tot, solange er nicht warm und tot ist." Die niedrige Körperkerntemperatur löst Schutzmechanismen des Gehirns aus, so dass bei unterkühlten Menschen mehr Zeit zur Wiederbelebung bleibt als bei normaler Körpertemperatur.

Wissenswertes zu Erfrierung & Unterkühlung

Ein besonderes Phänomen ist bei schwer unterkühlten Personen der sogenannte Bergungstod. Dabei verstirbt die Person unmittelbar nach der Bergung. Die Ursache ist eine Blutumverteilung. In der Phase der Kälteexposition verliert der Körper kontinuierlich an Wärme. Damit die Körpertemperatur nicht weiter abnimmt, wird die Durchblutung an der Körperoberfläche reduziert, und das warme Blut konzentriert sich im sogenannten Körperkern. Durch diese körpereigene Maßnahme sinkt die Temperatur in der Körperhülle weiter ab. Der große Temperaturunterschied zwischen Körperkern und -hülle ist eine große Gefahr. Durch Bewegung der Extremitäten und Umlagerung bei der Bergung fließt kaltes Blut zum Körperkern. Es kommt zum plötzlichen Absacken der Kerntemperatur mit folgenschwerer Herzrhythmusstörung. Daher sind plötzliche Bewegungen, durch Umlagerung und Transport, unbedingt zu vermeiden.

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