Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Impfstoff © Sherry Young

Grippe A (H1N1, „Schweinegrippe“)

Die für die jährlichen Grippewellen verantwortlichen Influenzaviren sind relativ gut bekannt. Der Impfstoff wird regelmäßig an die zirkulierenden Viren angepasst und kann jedes Jahr rechtzeitig vor Beginn der Grippesaison verabreicht werden. Das Influenzavirus A (H1N1) ist dagegen erstmals Mitte April 2009 auf dem amerikanischen Kontinent aufgetreten und hat sich von dort aus weltweit verbreitet. Es wird nur von Mensch zu Mensch übertragen, enthält aber Gene von Schweine-, Menschen- und Vogelinfluenzaviren. Im Vergleich zur saisonalen Grippe war der Krankheitsverlauf allerdings überwiegend mild. Aufgrund der raschen weltweiten Verbreitung wurde eine Pandemie ausgerufen, welche im August 2010 von der WHO (World Health Organization) für beendet erklärt wurde . . .

Influenzavirus A (H1N1)

Durch dieses neue Influenzavirus vom Typ A wurde die Grippe A (H1N1) verursacht. Die neu auftretende Grippe wurde auch als „Schweinegrippe“ bezeichnet. Sie wurde möglicherweise durch einen Übergang von Influenza-A-(H1N1)-Viren vom Schwein auf den Menschen verursacht. Wie die saisonale Influenza war sie eine akute Infektion der Atemwege, die unter Umständen zum Tod führen kann.

Wie sich die Grippe A (H1N1) von der saisonalen Influenza unterscheidet:

  • Da es sich um ein neues Influenzavirus handelte, war zu Beginn der Welle noch kein Impfstoff vorhanden (dieser war aber im Laufe der Pandemie verfügbar).

  • Häufig nahm die Erkrankung einen milden Verlauf – Komplikationen und Todesfälle kamen allerdings auch bei jungen und teilweise völlig gesunden Menschen vor (bei der saisonalen Influenza sind hingegen von schweren/tödlichen Verläufen vor allem ältere Menschen betroffen).

  • Das Virus hat sich außerhalb der üblichen Grippesaison verbreitet.

  • Eine Immunität gegen das Virus war in der Bevölkerung kaum beziehungsweise nicht vorhanden.

  • Die Grippe A (H1N1) hat sich von Mexiko ausgehend weltweit verbreitet und traf dabei auf eine Bevölkerung, die gegen dieses neue Influenzavirus kaum beziehungsweise nicht immun war. Daher wurde sie auch als Grippepandemie bezeichnet.

Risikogruppen und Verlauf

An der Grippe A (H1N1) konnte generell jeder Mensch erkranken. Das Auftreten von Komplikationen sowie deren Schweregrad unterschied sich jedoch sehr stark bei den Betroffenen. So gab es bestimmte Personengruppen, die durch eine Influenzainfektion besonders gefährdet waren. Auffällig war bei der Influenza A (H1N1) insbesondere die Altersverteilung der Personen mit einem erhöhten Komplikationsrisiko. Während bei der saisonalen Grippe neben Menschen mit Grunderkrankungen vor allem ältere Menschen gefährdet sind, war im Fall einer Infektion mit dem Influenzavirus A (H1N1) der Großteil der schwer und sehr schwer erkrankten Menschen jünger als 60 Jahre.

Wer war besonders gefährdet?

Insgesamt bestand im Fall einer Infektion mit dem Grippevirus A (H1N1) ein erhöhtes Komplikationsrisiko bei:

  • Kleinkindern (<1 Jahr),

  • Personen ab dem Alter von 65 Jahren,

  • Patientinnen/Patienten mit bestimmten chronischen Grunderkrankungen (zum Beispiel des Herzens, der Lunge oder der Niere, Diabetes oder Immunschwäche),

  • Schwangere.

Insbesondere für diese bekannten Risikogruppen wurden daher entsprechende Maßnahmen zur Vorsorge getroffen, um eine Influenzaerkrankung zu vermeiden. Bereits an Grippe erkrankte Personen mussten besonders sorgfältig überwacht und frühzeitig behandelt werden. Anzumerken ist allerdings, dass bei Kindern und jungen Erwachsenen in etwa 25 Prozent der Todesfälle vorher völlig gesunde Personen betroffen waren.

Das Influenzavirus Typ A (H1N1) wurde nach den aktuellen Erkenntnissen so wie die Viren der saisonalen Influenza übertragen, also vor allem durch Tröpfcheninfektion (beispielsweise beim Sprechen, insbesondere jedoch durch Niesen oder Husten). Die Erreger konnten so auf die Schleimhäute der Atemwege von Kontaktpersonen oder in deren Augen gelangen. Allerdings ist auch eine Infektion durch andere Formen des direkten Kontakts (zum Beispiel Händeschütteln mit anschließendem Hand-zu-Mund-Kontakt) oder über mit Viren behaftete Gegenstände (zum Beispiel Türklinken) nicht auszuschließen.

Krankheitsverlauf ähnlich der saisonalen Grippe

Der Krankheitsverlauf der Grippe A (H1N1) war demjenigen der saisonalen Grippe sehr ähnlich. Ein bis drei Tage nach der Infektion mit dem Influenzavirus vom Typ A (H1N1) kam es zu Symptomen wie plötzlich hohem Fieber, trockenem Husten, Schnupfen, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Gelegentlich wurde zusätzlich oder ausschließlich über Durchfall und Erbrechen berichtet. Häufig trat nur leichtes Fieber auf, teilweise fehlte es ganz. Die Symptome der Grippe A (H1N1) reichten insgesamt von Erkältungszeichen bis zum charakteristischen Vollbild der Grippe. Zu einem Großteil der Fälle verlief die Influenza A (H1N1) allerdings unkompliziert.

Auffällig ist zudem, dass hauptsächlich jüngere Altersgruppen betroffen waren. In diesem Zusammenhang wird eine eventuelle Immunität älterer Personengruppen diskutiert, die möglicherweise durch länger zurückliegende Grippeerkrankungen bedingt sein könnte. Traten Komplikationen auf, konnten diese bei der Grippe A (H1N1) sehr schwer sein. In diesem Zusammenhang war ebenso wie bei der saisonalen Influenza insbesondere auf die Entwicklung einer Lungenentzündung (Pneumonie) zu achten. Neben einer Pneumonie treten bei einer Influenza gelegentlich noch weitere Komplikationen auf. Dazu gehören beispielsweise eine Entzündung des Herzmuskels oder -beutels, der Nasennebenhöhlen, des Mittelohrs, der Muskeln, der Hirn- beziehungsweise Rückenmarkshäute oder eine Schädigung des Gehirns.

Labordiagnostik war nur in Einzelfällen notwendig

Bestand der Verdacht auf eine Infektion mit Influenza A (H1N1), sollte die Hausärztin/der Hausarzt zunächst telefonisch kontaktiert werden, um ein Ansteckungsrisiko für andere Patientinnen und Patienten im Wartezimmer auszuschließen. Die Hausärztin/der Hausarzt sollte insbesondere dann angerufen werden, wenn die Symptome schwer waren, ein erhöhtes Komplikationsrisiko oder ein enger Kontakt zu Personen mit einem erhöhten Komplikationsrisiko (zum Beispiel zu schwangeren Frauen) bestand. Die Ärztin/der Arzt entschied dann, ob ein persönlicher Besuch notwendig war. War dies der Fall, sollte auf dem Weg in die Arztpraxis entsprechend Abstand zu anderen Personen gehalten werden. Eine Labordiagnostik war nur in Einzelfällen erforderlich, unter anderem bei einem ungewöhnlichen Krankheitsverlauf, einer schweren Erkrankung, fehlendem Ansprechen auf antivirale Medikamente sowie bei einer Erkrankung zu Beginn, am Ende oder außerhalb der Grippewelle. Hierfür wurde ein Nasen- oder Rachenabstrich möglichst schnell nach dem Auftreten der ersten Symptome in ein Labor eingesandt, um das Influenzavirus mithilfe der sogenannten PCR-Methode nachzuweisen.

Therapie der Grippe A (H1N1)

War eine Person bereits an der Grippe A (H1N1) erkrankt, so konnten bei rechtzeitiger Therapie die Influenzaviren direkt bekämpft werden. Hierfür gibt es in Österreich sogenannte Neuraminidasehemmer (Oseltamivir und Zanamivir). Sie blockieren die Freisetzung von neu gebildeten Viruspartikeln aus bereits infizierten Zellen und hemmen so die Vermehrung der Influenzaviren im Körper. Da nach einer anfänglichen Phase der raschen Erregerausbreitung die Zahl der Viren bereits 24 bis 48 Stunden nach Ausbruch der Krankheit wieder abnimmt, müssen Neuraminidashemmer am besten innerhalb der ersten zwölf Stunden (allerspätestens innerhalb von 48 Stunden) nach Auftreten der ersten Symptome zur Anwendung kommen. Die rechtzeitige Verabreichung von Oseltamivir oder Zanamivir lindert die grippebedingten Beschwerden (wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Husten, Fieber) und verkürzt die Dauer der Grippeerkrankung. Außerdem bewirkt die Therapie ein verringertes Auftreten von Komplikationen (zum Beispiel Pneumonie). Oseltamivir gibt es als Saft oder Tabletten. Zanamivir kann dagegen nur inhaliert werden. Daher wird häufig bevorzugt Oseltamivir eingesetzt. Falls notwendig, kann Oseltamivir auch schwangeren und stillenden Frauen sowie Kleinkindern verabreicht werden.

Maßvoller Einsatz von Neuramidasehemmern

Allerdings lehnten Expertinnen und Experten einen weitgreifenden Einsatz von Neuraminidasehemmern gegen die Grippe A (H1N1) ab. So sollen bei jeder Grippewelle Neuraminidasehemmer nur maßvoll eingesetzt werden, da eine breite und unsachgemäße Anwendung leicht zur Entwicklung von resistenten Virusvarianten führen kann. Von Resistenzen der Influenzaviren A (H1N1) gegenüber Neuraminidasehemmern wurde jedoch bislang nur in Einzelfällen berichtet. Da der Verlauf der Grippe A (H1N1) zudem eher mild war, war der Einsatz von derartigen antiviralen Medikamenten nur in den wenigsten Fällen erforderlich (Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko bzw. schweren oder rasch voranschreitenden Symptomen). Expertinnen und Experten raten generell davon ab, diese Medikamente ohne ärztliche Verordnung einzunehmen, auf Vorrat zu lagern oder abseits der offiziellen Vertriebswege im Internet (vor allem wegen der Fälschungsgefahr) zu bestellen.

Ergeben sich Hinweise auf eine bakterielle (Zusatz-)Infektion, muss eine entsprechende antibiotische Therapie eingeleitet werden. Die weitere Therapie bei der Grippe A (H1N1) so wie bei Influenzaerkrankungen generell richtet sich gegen die Symptome (z.B. Fiebersenkung). Um Risiken in der Anwendung von Arzneimitteln zu vermeiden, sollten diese generell nur auf Anordnung einer Ärztin/eines Arztes eingenommen werden. Neben der medikamentösen Therapie ist insbesondere bei Kindern eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Darüber hinaus helfen unter anderem das Feuchthalten der Schleimhäute (zum Beispiel durch Inhalationen mit heißem Wasserdampf) sowie eine gesunde Ernährung, möglichst rasch wieder gesund zu werden. Der Körper braucht außerdem in dieser Situation viel Ruhe, um sich erholen zu können. Dies hilft auch, möglichen Komplikationen vorzubeugen. Auf Alkohol und Rauchen sollte gänzlich verzichtet werden.

Vorbeugungsmaßnahmen gegen Grippe A (H1N1)

In der Saison 2009/2010 machte die Grippe A (H1N1) einen Großteil aller Grippeerkrankungen aus. Die wirksamste Maßnahme zum Schutz vor der Influenza A (H1N1) ist die Impfung. Diese kann generell für alle Bevölkerungsgruppen (ab einem Alter von sechs Monaten) nützlich sein. Am 27. Oktober 2009 wurde mit der Impfung gestartet. Immunisiert wurde zunächst das medizinische Personal. Ab 9. November 2009 konnten sich alle Österreicherinnen und Österreicher gegen die Grippe A (H1N1) impfen lassen.

Eine wesentliche Bedeutung zum Schutz vor der Grippe besitzt zudem die weitgehende Vermeidung von Kontakt mit den verursachenden Erregern. Dazu gehört sowohl das Abstandhalten zu möglicherweise erkrankten Personen (Vermeiden von Menschenansammlungen zur kalten Jahreszeit) als auch die Einhaltung allgemeiner Hygieneregeln). Die Influenzaviren können durch Husten und Niesen in der Luft verteilt werden und an Gegenständen haften bleiben. Von dort können sie durch Berührung auf die nächsten Personen übertragen werden. Nähere Informationen zur Grippeprävention finden Sie unter Wie kann ich einer Grippe vorbeugen?

Beratung & Hilfe

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse