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Mädchen mit Taschentuch sitzt in Wiese © coldwaterman

Allergie bei Kindern

Der Grundstein für allergische Erkrankungen wird oft schon im Kindesalter gelegt. Leidet ein Kind beispielsweise unter Neurodermitis steigt die Wahrscheinlichkeit, im Lauf des Lebens an einer Allergie (z.B. gegen Pollen) zu erkranken. Der Weg führt dabei häufig über „Heuschnupfen“ zum allergischen Asthma (sogenannter „Etagenwechsel“). Auch Nahrungsmittelallergien können bereits im Kindesalter beginnen. Entscheidend ist es, eine Allergie möglichst früh zu erkennen und zu behandeln.

Gene und Umwelt

Leiden oder litten bereits die Eltern an einer Allergie, ist das Risiko, selbst eine zu bekommen, erheblich höher als in nicht vorbelasteten Familien. Doch nicht nur das Erbmaterial, sondern auch die Umwelt spielt eine wichtige Rolle.

Möglichkeiten der Prävention

Möglichkeiten der primären Prävention (d.h., um das Auftreten von Allergien zu verhindern) in der Schwangerschaft und Stillzeit sind leider kaum möglich. Weder eine bestimmte Diät der Mutter vor oder nach der Geburt noch eine verzögerte Einführung von Beikost konnte bisher einen eindeutigen Vorteil für die Kinder bringen. Die sekundäre Prävention ist sinnvoll, wenn bereits eine Allergie besteht. Diese besteht aus Karenzmaßnahmen (z.B. Milbensanierung, generelles Meiden von Allergieauslösern) und der spezfischen Immuntherapie, die ein Fortschreiten der Allergie verhindern kann. Weitere Informationen zum Thema Allergieprävention finden Sie unter Prävention von Allergien.

Typische Allergien im Kindesalter

Zu den häufigen allergischen Manifestationen bei Kindern zählen das atopische Ekzem (Neurodermitis), Nahrungsmittelallergien, allergische Rhinokonjunktivis und allergisches Asthma bronchiale.

Neurodermitis

Das atopische Ekzem kann schon im Säuglingsalter auftreten – vor allem bei Kindern mit genetischer Vorbelastung. Dabei bilden sich nässende, juckende und verkrustende Herde auf der Haut – meist an Kinn, Stirn, Wangen, Hals und Nacken (sogenannte Prädilektionsstellen). Bei Klein- und Schulkindern sind oft die Gelenkbeugen betroffen. Das Hautekzem verändert sich im Lauf der Entwicklung, wobei sich auch chronische Hautveränderungen (sogenannte Lichenifikationen) bilden können. Nähere Informationen finden Sie unter Neurodermitis.

Nahrungsmittelallergien

Nahrungsmittelallergien führen bei Säuglingen meist zu Hautausschlägen (Urticaria, Quincke-Ödem, Ekzem-Verschlechterung) oder Verdauungsbeschwerden (meist Durchfälle oder Erbrechen). Zu den häufigsten Nahrungsmittelallergien im Kindesalter zählen Hühnerei und Kuhmilch. Seltener treten Allergien gegen Weizenmehl, Soja, Fisch oder Erdnuss auf.

Diätische Maßnahmen erfolgen oft nur bis zum Schulalter, da bis dahin bei vielen Nahrungsmittelallergien (z.B. Milch oder Ei) eine Toleranz gegenüber den Allergenen entwickelt werden kann. Bei anderen Allergenen, wie z.B. der Ednuss, ist jedoch mit einer Persistenz der Allergie zu rechnen und eine zum Teil auch lebenslange Diät einzuhalten. Nähere Informationen finden Sie unter Nahrungsmittelallergien.

Allergische Rhinokonjunktivitis

Die allergische Rhinokonjunktivitis (Rhinitis allergica) kann im Alter zwischen dem dritten und siebenten Geburtstag beginnen – selten früher. Dabei handelt es sich um einen allergisch bedingten Schnupfen und eine Augenentzündung. Mehrere Allergene (z.B. Pollen, Hausstaubmilben) kommen als Auslöser infrage.

Allergisches Asthma

Treten im Säuglingsalter Symptome auf, die auf allergisches Asthma hindeuten (z.B. Husten ohne zugrundeliegende Erkältung, „Pfeifen“ der Atemwege), ist ebenfalls an eine Allergie (z.B. gegen Hausstaubmilben oder Haustiere) zu denken.

Zu den selteneren Auslösern von Allergien bei Kindern gehören auch Insektengifte und Medikamente. Diese können neben manchen Nahrungsmitteln zum lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock führen. Nähere Informationen finden Sie unter Notfall – allergische Reaktion und Notfall bei Kindern.

Frühe Diagnosestellung wichtig

Die Symptome allergischer Erkrankungen bei Kindern gleichen denen von Erwachsenen. Bei einem Ekzem, Atemproblemen (auch Husten) oder chronischem oder saisonal auftretendem Schnupfen bzw. tränenden Augen sollte ohne zu zögern eine Kinderärztin/ein Kinderarzt und in weiterer Folge eine Allergiespezialistin/ein Allergiespezialist oder ein Allergiezentrum aufgesucht werden, um die weitere Abklärung in die Wege zu leiten.

Die diagnostischen Maßnahmen reichen auch bei Kindern von einer fundierten Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) über Bluttests (allergenspezifische IgE-Antikörper-Bestimmung) bis hin zu gängigen Hauttests (z.B. Prick-Test, Scratch-Test oder Epikutan-Test) sowie Lungenfunktionsüberprüfungen (z.B.  Spirometrie) ab dem sechsten Lebensjahr.

Bei der Bluttestung werden spezifische IgE-Antikörper im Blut nachgewiesen. Diese sind für jedes Allergen (z.B. Kuhmilch, Milben, Gräserpollen) einzeln zu bestimmen. Auch Multiallergentests (mit Allergengemischen) sind möglich. Mit einer Analyse der einzelnen Eiweißkörper – sogenannte Komponenten – eines Allergens (bei Milch wäre dies z.B. Kasein, Lactoglobulin, Lactalbumin) kann noch eine bessere Aussage über Risiko und Prognose getroffen werden. In manchen Fällen ist auch ein umfassender Chip-Test sinnvoll einzusetzen.

Ist der Auslöser durch gezielte Anamnese, Blut- und Hauttests nicht zu eruieren, stehen noch Allergie-Provokationstests zur Verfügung, die unter strenger ärztlicher Überwachung stattfinden. Oft können erst mehrere Tests in Zusammenschau die Allergieerkrankung bestätigen.

Therapie

Wie bei Erwachsenen gilt es bei einer bekannten Allergie, die Auslöser zu vermeiden. Zu folgenden Auslösern finden Sie am Gesundheitsportal Tipps zur Allergenvermeidung:

Als weitere therapeutische Maßnahmen kommen – je nach allergischer Erkrankung – unter anderem die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung), Kortison und Antihistaminika zum Einsatz. Bei allergischem Asthma werden auch Leukotrienrezeptorantagonisten und ß-Mimetika zur Behandlung eingesetzt. Die Hyposensibilisierung findet vor allem bei Pollen-, Hausstaubmilben- und Insektengiftallergie Anwendung und kann im Fall der Insektengiftallergie auch schon vor dem sechsten Lebensjahr begonnen werden. Ein sicherer Zusammenhang zwischen dem auslösenden Allergen und den bestehenden Beschwerden ist dabei wichtig.

Vor allem der Einsatz von Kortison macht vielen Eltern Kopfzerbrechen, da es als „starkes“ Medikament gilt. Diese Ängste kommen vor allem aus einer Zeit, als Kortison systemisch (d.h. durch Tabletten oder Injektionen) verabreicht wurde und hier, über lange Zeit gegeben, zu unerwünschten Wirkungen führen kann. Gerade bei der Asthmatherapie werden jedoch nur sehr geringe Dosen angewandt und durch Inhalation direkt an den Ort des Geschehens (die Atemwege) gebracht. Dadurch können Nebenwirkungen minimiert werden. Eine richtige Inhalationstechnik ist hier entscheidend (Asthmaschulung).

Liegt eine Nahrungsmittelallergie vor, kommt auch eine Ernährungsberatung bzw. -therapie zum Einsatz, damit das Kind genug von den wichtigen Nährstoffen zu sich nimmt. Je nach Allergen ist diese nur einige Jahre oder lebenslänglich notwendig.

Bei allergischem Asthma und Neurodermitis läuft die Therapie nach einem standardisierten Stufenschema ab. Nähere Informationen hierzu erhalten Sie bei der betreuenden Ärztin/dem betreuenden Arzt.

Hinweis Gewisse Allergien erfordern das Mitführen eines sogenannten Notfallsets, um bei akuten, plötzlich auftretenden Symptomen für die Erste Hilfe gut ausgerüstet zu sein. Ihre Ärztin/Ihr Arzt klärt Sie darüber auf, falls dies notwendig sein sollte, und erklärt Ihnen die Anwendung.

Weitere Informationen finden Sie unter:

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