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Medikamenten-Einnahmeschachtel mit bunten Medikamenten © Gundolf Renze

Polypharmazie & ältere Menschen

Da  das Risiko für Multimorbidität vor allem im höheren Lebensalter steigt, ist diese Personengruppe besonders häufig von Arzneimittelwechselwirkungen durch die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente betroffen.Die Wahrscheinlichkeit von Interaktionen steigt dabei nicht nur mit der Anzahl verschriebener rezeptpflichtiger Medikamente, sondern auch durch Wechselwirkungen mit OTC-Präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln. Die Zahl der einzunehmenden Medikamente korreliert darüber hinaus häufig mit einer Abnahme der Therapietreue, sodass Therapieziele nicht erreicht werden.Durch Arzneimittel hervorgerufene Probleme bei Älteren können allerdings auch durch die Einnahme von einzelnen Medikamenten hervorgerufen werden, die nicht für diese Personengruppe geeignet sind. Dieses Problem der PIM-(potenziell inadäquate Medikamente)-Medikation entsteht vor allem dadurch, dass viele Substanzen (wie auch Arzneimittelkombinationen) nicht für ältere Menschen untersucht sind und auch Leitlinien meist bestenfalls kursorisch auf diese Patientengruppe eingehen. Gleichzeitig sind bei älteren Personen verstärkt Probleme beim motorischen Handling der Medikamentenpackungen zu erwarten und zu beachten.
Verschiedenste Strategien wurden in den letzten Jahrzenten international und national entwickelt, um inadäquate Medikation und unerwünschte Polypharmazie mit ihren negativen Folgewirkungen zu reduzieren; dabei geht es sowohl um das Weglassen ungeeigneter als auch die Aufnahme geeigneter Medikamente ins Therapieregime. Verschiedenste Instrumente zur Medikationsbewertung stehen für das periodische als auch anlassgebundene Durchforsten und systematische Überprüfen individueller Medikamentenlisten zur Verfügung – Leitfragen zur Medikationsbewertung, Listen „potenziell ungeeigneter“ bzw. „potenziell geeigneter“ Medikamente (z.B. so genannte PIM-Listen) oder auch die Integration solcher Listen in CPOE-Systeme (z.B. im Rahmen des aktuell in Gang befindlichen EU-Projekts PRIMA-eDS). Der Grad der Validierung dieser Instrumente inklusive der Untersuchung patientenrelevanter Endpunkte ist sehr unterschiedlich. Voraussetzung für die Medikationsbewertung ist darüber hinaus die - in der Praxis häufig schwierige - möglichst vollständige (und regelmäßige) Medikationserfassung (siehe hierzu auch E-Medikation).

Mittlerweile existiert - alleine im deutschsprachigen Raum - auch eine ganze Reihe von Leitlinien und Broschüren, die versuchen, die Informationen, Empfehlungen, Instrumente und Lösungsansätze zu bündeln und im Kontext des gesamten Medikationsprozesses darzustellen.

Die hier dargestellten Instrumente sind nie als Ersatz für die individuelle ärztliche Beurteilung und Entscheidungsfindung zu verstehen, sondern als Hilfestellung, um rasch auf potenziell ungeeignete (als auch potenziell geeignete) Verschreibungen aufmerksam zu werden.

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