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Blutspende © sudok1

Stammzelltransplantation

Die Stammzelltransplantation ist eine bewährte Therapie bei verschiedenen bösartigen und nicht bösartigen Erkrankungen des Blutes bzw. der Blutbildung. So wird eine Stammzelltransplantation z.B. für die Behandlung von bestimmten Formen von Leukämie eingesetzt.

Was sind Stammzellen?

Stammzellen sind für die Blutbildung verantwortlich. Sie befinden sich im Knochenmark und erneuern sich durch Zellteilung laufend. Aus einer Blutstammzelle entstehen viele Millionen reife Blutzellen, und zwar Leukozyten, Erythrozyten oder Thrombozyten. Der Vorgang der Erneuerung der Blutzellen kann jedoch gestört sein. Davon kann die gesamte Blutbildung oder die Bildung bestimmter Blutzellen betroffen sein.

Was ist eine Stammzelltransplantation?

Bei der Stammzelltransplantation werden der Patientin/dem Patienten nach einer Therapie (z.B. Chemotherapie, Bestrahlung) gespendete Blutstammzellen übertragen. Dadurch wird das blutbildende System neu aufgebaut. In der Folge wird auch das Immunsystem wiederhergestellt.

Die Stammzelltransplantation ist eine etablierte Behandlung bei schweren Erkrankungen des blutbildenden Systems (z.B. Leukämie, myelodysplastisches Syndrom, angeborene Anämien), bei Lymphomen, angeborenen Immundefekten oder bestimmten Stoffwechselerkrankungen. Diese Erkrankungen haben oft lebensgefährliche Folgen.
Stammzellen werden aus dem peripheren Blut der Spenderin/des Spenders, aus dem Knochenmark oder auch aus Nabelschnurblut gewonnen. Die Stammzellspende wird für die Therapie aufbereitet. Die Stammzellen können von der Patientin/vom Patienten selbst (autologe Stammzelltransplantation) oder von einer gewebeverträglich verwandten oder nicht verwandten Person stammen (allogene Stammzelltransplantation).

Autologe Stammzelltransplantation

Indikationen sind vor allem das multiple Myelom, bestimmte bösartige Lymphome und Hodenkrebs. Zuerst wird die Patientin/der Patient mit einer Chemotherapie behandelt. Dadurch sollen Tumorzellen entfernt werden. Anschließend erhält die Patientin/der Patient ein spezielles Medikament, einen sogenannten Wachstumsfaktor. Dieser regt einen vermehrten Transport von Stammzellen aus dem Knochenmark in den Blutkreislauf an. Nach einigen Tagen oder Wochen können die Stammzellen mittels eines speziellen Verfahrens (Stammzellapherese) aus dem Blut gesammelt werden. Das gewonnene Stammzellpräparat wird tiefgefroren bis zur Transplantation aufbewahrt. Oft werden vor der Stammzelltransplantation noch weitere Chemotherapien durchgeführt.

Allogene Stammzelltransplantation

Indikationen sind vor allem schwere Erkrankungen des blutbildenden Systems (z.B. Leukämie, myelodysplastisches Syndrom, angeborene Anämien), Lymphome, angeborene Immundefekte oder bestimmte Stoffwechselerkrankungen.

Die Stammzellen für die Transplantation stammen meist von einer gewebeverträglichen Person. Es kann sich dabei um ein HLA-(Human-Leukocyte-Antigen-)identisches Geschwister handeln oder um eine nicht verwandte Person, die möglichst viele HLA-Merkmale mit der Patientin/dem Patienten teilt (Fremdspenderin/Fremdspender). HLA-Merkmale sind erbliche Blutgruppeneigenschaften, die auf der Zellmembran von Leukozyten nachweisbar sind. Die Vielfalt der HLA-Merkmale ist sehr groß. Derzeit sind über 10.000 HLA-„Typen“ bekannt.

Stammzellregister vermittelt Spenderin/Spender

Das Österreichische Stammzellregister vermittelt dem behandelnden Transplantationszentrum Fremdspenderinnen/Fremdspender. Für die Suche steht dem Stammzellregister eine internationale Datenbank mit mehr als 28 Millionen registrierten Spenderinnen/Spendern zur Verfügung. Eine weitere Möglichkeit ist die Stammzelltransplantation aus allogenem Nabelschnurblut mit rund 700.000 verfügbaren Präparaten. Damit kann für ca. 85 Prozent der Anfragen eine geeignete Spenderin/ein geeigneter Spender vermittelt werden.

Haploidentische Stammzellspende

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer HLA-haploidentischen Stammzellspende. Bei diesen Spenderinnen/Spendern stimmt nur die Hälfte der HLA-Merkmale mit den Patientinnen/Patienten überein. Bei dieser Methode werden meist die Eltern als Spenderin/Spender herangezogen, da alle Erbmerkmale zu gleichen Teilen von Vater und Mutter stammen. Der Nicht-Übereinstimmung der HLA-Merkmale wird durch spezielle Behandlungsprotokolle Rechnung getragen.

Transplantation der Stammzellen

Die Patientin/der Patient wird zunächst mittels Konditionierungstherapie auf die Aufnahme der fremden Stammzellspende vorbereitet. Damit die Stammzellspende später nicht abgestoßen wird, wird das Immunsystem der Patientin/des Patienten medikamentös oder mit einer Ganzkörperbestrahlung unterdrückt (Immunsuppression).

Bei der Transplantation der Stammzellen wird das Stammzellpräparat in Form einer intravenösen Infusion verabreicht.

Nach der Stammzelltransplantation

Vor und einige Zeit nach der Stammzelltransplantation ist das Immunsystem aufgrund der Behandlungen geschwächt. Daher erhält die Patientin/der Patient vorbeugend antivirale oder antimykotische Medikamente, um das Risiko von Infektionen zu senken. Zusätzlich können Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentrate die Therapie unterstützen.

In den meisten Fällen regeneriert sich die Blutbildung der Patientin/des Patienten zwei bis vier Wochen nach der Stammzelltransplantation. Auch die Blutwerte verbessern sich. Rund drei Monate nach der Transplantation hat die Empfängerin/der Empfänger die Blutgruppe der Spenderin/des Spenders.

Eine moderate Reaktion der transplantierten Stammzellen (Graft-versus-Host-Reaktion) auf den Organismus bzw. auf die Zellen der Empfängerin/des Empfängers kann sich gegen verbliebene Tumorzellen/Leukämiezellen richten und diese zerstören (Graft-versus-Tumor/Leukämie). Diese Wirkung einer allogenen Stammzelltransplantation trägt zum langfristigen Erfolg der Therapie bei.

Um jedoch schwere, lebensbedrohliche Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, erhält die Patientin/der Patient rund sechs Monate lang spezielle Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppressiva). Eine lebenslange Einnahme von Immunsuppressiva ist bei Stammzelltransplantationen nicht notwendig – im Gegensatz zu Organtransplantationen.

Komplikationen

Vor und nach einer Stammzelltransplantation können – neben dem Risiko für Rezidive – verschiedene Komplikationen als Folge der Chemotherapie, Bestrahlung und Immunsuppression kommen. Dazu zählen:

  • Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Entzündungen der Mundschleimhaut und der Haut,
  • Infektionen durch Bakterien, Pilze und Viren,
  • verzögerte Regeneration des Knochenmarks – Neutropenie, Aplasie,
  • starke Abstoßungsreaktionen – akute und chronische Graft-versus-Host-Disease (GvHD), in der Folge Schädigungen von Organen,
  • Störungen des Hormonsystems (Unfruchtbarkeit), Wachstumsverzögerungen bei Kindern.

Eine häufige Komplikation nach einer allogenen Stammzelltransplantation ist die GvHD. Dabei richten sich die Abwehrzellen (T-Lymphozyten) des Transplantats gegen die T-Zellen und das Gewebe der Patientin/des Patienten.

Die GvHD kann unterschiedlich schwer ausgeprägt sein:

  • Akute GvHD zeigt kurz nach der Transplantation Symptome wie Hautausschläge, Durchfälle oder Leberentzündung. 
  • Chronische GvHD kann mehrere Monate nach der Transplantation auftreten. Sie wird von wiederkehrenden Infektionen charakterisiert. Zahlreiche Organe können betroffen sein. Symptome sind z.B. Hautausschläge, Entzündungen der Schleimhäute und des Zahnfleisches, Übelkeit, Durchfall, Gewichtsverlust etc.

Nachsorge

Nach der Stammzelltransplantation und der Entlassung aus dem Spital sind regelmäßige ärztliche Kontrollen notwendig. Die Nachbetreuung findet ambulant im Stammzelltransplantationszentrum statt. Ev. kann auch die zuweisende Fachärztin/der zuweisende Facharzt für Hämatologie und Onkologie in die Nachbetreuung eingebunden sein.

Bei der Nachsorge prüft die Ärztin/der Arzt den Gesundheitszustand der Patientin/des Patienten. Durch verschiedene Untersuchungen (z.B. Blutuntersuchungen) sollen Komplikationen und Spätfolgen rechtzeitig erkannt und gegebenenfalls behandelt werden. Die Ärztin/der Arzt überprüft die Medikation sowie bei einer allogenen Stammzelltransplantation den Immunstatus. Ev. kann eine weiterführende psychologische Unterstützung aufgrund der belastenden Lebenssituation hilfreich sein.

Wohin kann ich mich wenden?

Stammzelltransplantationen werden stationär in Spitälern mit spezialisierten Zentren durchgeführt. Die Überweisung führt Ihre behandelnde Ärztin/Ihr behandelnder Arzt durch.

Eine Liste der Stammzellen-Transplantationszentren finden Sie auf der Web-Seite der Gesundheit Österreich GmbH sowie sowie im Transplant-Jahresbericht.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (z.B. BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine chefarztliche Bewilligung erforderlich sein. Bei bestimmten nicht medikamentösen Behandlungen (z.B. physikalische Therapie) kann – in manchen Fällen erst beim Erreichen eines bestimmten Ausmaßes – eine Bewilligung der Krankenversicherungsträger erforderlich sein. Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationäre Aufenthalte, Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Weitere Informationen finden Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt. Heilbehelfe müssen zuerst von der Ärztin/vom Arzt verordnet werden. Die meisten Krankenversicherungsträger sehen – teilweise abhängig von der Art des Heilbehelfs – eine Bewilligung vor. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Webseite der Sozialversicherung finden.

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