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Aufklärungsgespräch vor der Operation © Wavebreakpremium

Narkose: Vorbereitung

Eine Anästhesie für eine geplante Operation ist wie eine Reise vorzubereiten. Wenn alle wichtigen Befunde erhoben und gegebenenfalls durch therapeutische Maßnahmen vor der Operation verbessert wurden, kann die Allgemein- oder Regionalanästhesie freigegeben werden. Die Entscheidung für das im Einzelfall beste Anästhesieverfahren wird von der Patientin/dem Patienten und dem Anästhesieteam gemeinsam getroffen. Vor und nach Anästhesien sind bestimmte Verhaltensregeln zu beachten . . .

Das Abklärungsgespräch

Vor jeder geplanten Narkose ist eine ausführliche Risikoabschätzung erforderlich. Vorab erkannte Risiken können gezielt reduziert werden, was zu einem Sicherheitsgewinn führt. Nach der Terminvereinbarung für eine geplante Operation erfolgt daher ein Abklärungsgespräch. Es dient dem Sicherheitsgewinn durch Abklärung von Risiken, Aufklärung über Anästhesieverfahren und der OP-Freigabe. Die meisten Krankenhäuser haben für das Anästhesievorgespräch eine sogenannte Präanästhesieambulanz eingerichtet. Hier können Sie alleine, ohne störende Einflüsse, mit Ihrer Anästhesistin/Ihrem Anästhesisten sprechen. Diese sind Spezialistinnen/Spezialisten, die ein Medizinstudium und eine Facharztausbildung absolviert haben.

Wenn Sie die Möglichkeit zum Gespräch in der Präanästhesieambulanz nicht wahrnehmen wollen oder können oder wenn es in Ihrem Krankenhaus diese Einrichtung nicht gibt, so kann die Abklärung auch im niedergelassenen Bereich, z.B. in der allgemeinmedizinischen oder internistischen Praxis, nach einem österreichweit einheitlichen Standard erfolgen (Bundesqualitätsleitlinie präoperative Diagnostik).

Zunächst füllt die Patientin/der Patient einen Fragebogen aus. Danach wird dieser mit der Ärztin/dem Arzt besprochen. Die Fragen beziehen sich auf die körperliche Belastbarkeit, wichtige Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahmen und spezifische Risikofaktoren. Sämtliche Befunde und Patientenausweise sollten zum Abklärungsgespräch mitgebracht werden (z.B. Allergiepass, Anästhesiepass, Schrittmacherpass). Danach erfolg eine Untersuchung u.a. von Herz und Lunge.

Je nach anstehender Operation und Gesundheitszustand können gegebenenfalls zusätzliche Untersuchungen verordnet werden, wie z.B. EKG, Herzultraschall, Lungenfunktionstest, bestimmte Laboruntersuchungen. Auffällige Befunde sollten der Anästhesistin/dem Anästhesisten unbedingt gemeldet werden. In bestimmten Fällen kann es erforderlich sein, z.B. eine Blutarmut (Anämie) vor einer großen Operation mit geeigneten Medikamenten zu korrigieren, um eine Bluttransfusion zu vermeiden.

Das Aufklärungsgespräch

Dieses Gespräch mit der Anästhesistin/dem Anästhesisten ist ein verpflichtender Bestandteil der Vorbereitung auf eine Operation und bietet der Patientin/dem Patienten Informationen über

  • den Ablauf,
  • die Vorteile und
  • die potenziellen Risiken der verschiedenen Anästhesieverfahren.

Das direkte Gespräch mit der Anästhesistin/dem Anästhesisten bietet die Gelegenheit, individuelle Fragen zu klären. Weiters werden eventuell zusätzlich erforderliche Maßnahmen besprochen, z.B. das Setzen einer Magensonde, Blasenkatheter, erweiterte Überwachung der lebenswichtigen Organe, Fremdbluttransfusionen oder ein Intensivaufenthalt nach der Operation. Die Zustimmung der Patientin/des Patientin bzw. bei eingeschränkter Einwilligungsfähigkeit der/des gesetzlichen Vetreterin/Vertreters wird im Aufklärungsbogen schriftlich dokumentiert.

Abschließend wird die Patientin/der Patient von der Anästhesistin/dem Anästhesisten zur Operation freigeben und über alle wichtigen Verhaltensregeln vor der Narkose informiert z.B. welche Medikamente vor der Operation eingenommen oder weggelassen werden sollen. Grundsätzlich werden die meisten Medikamente, z.B. gegen Bluthochdruck, zu den gewohnten Einnahmezeiten weiterverordet. Andere, z.B. bei Diabetes, werden wegen der Nüchternzeit vor der Operation abgesetzt oder reduziert.

Blutverdünnende Medikamente werden allgemein bei kleinen Operationen mit geringem Blutungsrisiko weitergenommen, aber vor großen Operationen je nach Substanz bis zu zehn Tage vorher pausiert; je nach individuellem Risiko für Gefäßverschlüsse (Thrombosen) kann auch eine Überbrückung mit einem gerinnungshemmenden Medikament erfolgen, das an den Tagen vor der Operation unter die Haut zu spritzen ist. Bei Stents in den Herzkranzgefäßen muss die lebenslängliche Einnahme des blutverdünnenden Medikamentes (zumeist Aspirin-haltige Präparate) eingehalten werden, um einen Stentverschluss und Herzinfarkt zu vermeiden. Ausnahme: Operationen, bei denen selbst kleinste Blutungen zu schweren Folgen führen können, z.B. bei Operationen am Gehirn. Solange noch zwei blutverdünnende Medikamente (bis zu zwölf Monate nach Einpflanzung des Stents) eingenommen werden, soll keine geplante Operation stattfinden. In den meisten Fällen wird kurz vor der Operation ein Beruhigungsmittel verordnet.

Verhaltensregeln vor Anästhesien

Bestimmte Regeln gelten für jedes Anästhesieverfahren in allen Krankenhäusern. Sie dienen der Sicherheit der Patientinnen/Patienten:

  • Sechs Stunden vor der Operation keine feste Nahrung zu sich nehmen. Dies ist deshalb wichtig, weil bei der Allgemeinanästhesie die Schutzreflexe ausgeschaltet werden und dadurch bei fehlendem Hustenreflex Mageninhalt in die Lunge gelangen kann. Das kann zur Lungenentzündung führen.
  • Zwei Stunden vor dem geplanten Eingriff sollte nichts getrunken werden. Davor können noch ein bis zwei Gläser/Tassen klare Flüssigkeit ohne Fett und ohne feste Bestandteile (Wasser, Tee) getrunken werden. In der heißen Jahreszeit und bei kindlichen Patientinnen/Patienten soll aber ein Flüssigkeitsmangel vermieden werden, weil diese bei Anästhesien eine Herz-Kreislauf-Instabilität begünstigen kann.
  • Die Dauermedikamente und gegebenenfalls zusätzlich verordnete Medikamente können mit einem Schluck Wasser, wie mit der Anästhesistin/dem Anästhesisten besprochen, eingenommen werden.
  • Am Narkosetag sollte auf das Rauchen, Make-up und Nagellack etc. verzichtet werden. Schmuck und Kontaktlinsen sind auf der Station zurückzulassen.
  • Hörgeräte, künstliche Haarteile und dergleichen sollten aus hygienischen Gründen spätestens im OP-Trakt ablegt werden. Dafür stellen die meisten Krankenhäuser spezielle Behältnisse am Krankenbett zur Verfügung. Herausnehmbarer Zahnersatz (Prothesen) muss zu diesem Zeitpunkt entfernt werden, weil er bei Notsituationen zu einer Atemwegsverlegung führen kann.
  • Sollte zehn Tage vor der Operation eine Erkrankung bestehen, z.B. Erkältung, teilen Sie das dem Anästhesieteam mit.
  • Lockere Zähne (insbesondere Schneidezähne) sind von einer Zahnärztin/einem Zahnarzt zeitgerecht vor dem Eingriff zu sanieren bzw. zu schienen.

Vor der Operation auf der Bettenstation

Bei kleineren Eingriffen kann die Aufnahme und Entlassung am OP-Tag erfolgen. Bei größeren Eingriffen erfolgt die Aufnahme normalerweise am Vortrag der Operation im Krankenhaus. Damit ist ausreichend Zeit für die Aufnahmemodalitäten und es können im Bedarfsfall noch unvollständige Untersuchungen nachgeholt werden. Mit dieser individuellen Vorbereitung werden Sie mit Ihrem Bett in den Operationsbereich verlegt. Die folgende Vorgehensweise kann sich aufgrund unterschiedlicher Krankenhausstrukturen etwas unterscheiden.

Vor der Anästhesieeinleitung im Operationstrakt

In den meisten Fällen wird die Patientin/der Patient in einen Vorbereitungsraum vor dem Operationssaal gebracht. Name, Art und Lokalisation der Operation sowie etwaige Risikofaktoren, z.B. durch Medikamentenallergien, werden mittels einer Checkliste von den Verantwortlichen im Operationssaal überprüft. Dadurch können Patientenverwechslungen vermieden und Risiken erkannt werden. Spätestens hier wird ein dünner Plastikschlauch (Venenverweilkanüle) in eine Vene gelegt (zumeist am Arm). Darüber werden die Narkosemedikamente, Flüssigkeit bzw. im Bedarfsfall Notfallmedikamente verabreicht. Die Patientin/der Patient wird auf den OP-Tisch umgelagert und sollte möglichst komfortabel liegen.

Vor der Anästhesieeinleitung im Operationssaal

Jede Anästhesie beginnt mit dem Anlegen der Überwachungsgeräte der lebenswichtigen Organe. Die Minimalüberwachung umfasst Herztätigkeit, Sauerstoffgehalt im Blut und Blutdruck. Je nach Erfordernis entsprechend der anstehenden Operation oder individuellen Risikofaktoren wird die Überwachung erweitert. Zur Überwachung der Allgemeinanästhesie werden zur Kontrolle der Muskelentspannung zumeist zwei Klebeelektroden am Handgelenk angebracht; manchmal wird zur Kontrolle der Narkosetiefe auf der Stirn ein Elektrodenband aufgeklebt.

Je nach Operation und Anästhesieverfahren werden weitere erforderliche Maßnahmen eingeleitet, z.B. das Einführen einer Magensonde, eines dünnen Plastikschlauches in eine Arterie (zumeist am Handgelenk) oder am Rücken für die Schmerzkontrolle während und nach der Operation bei der sogenannten Periduralanästhesie/Periduralanalgesie. Manchmal wird auch schon vor der Narkose ein Zugang in eine große herznahe Vene gelegt, ein sogenannter Cavakatheter, über den während und nach der Operation kreislaufunterstützende Medikamente und gegebenenfalls nach der Operation eine spezielle Ernährung verabreicht werden können.

Ein „schwieriger Atemweg“ ist eine klinische Situation, die besonders im Operationssaal auftreten kann. Dabei hat laut Definition eine Anästhesistin/ein Anästhesisten Probleme bei der Beatmung mit einer Maske und/oder bei der sogenannten Intubation. Um derartige Probleme zu vermeiden, kann eine sogenannte Wachintubation erforderlich sein. Dabei wird bereits in wachem Zustand und unter örtlicher Betäubung der Beatmungsschlauch in die Luftröhre eingeführt.

Auch wenn die vielen technischen Geräte am Anästhesiearbeitsplatz auf den ersten Blick beängstigend wirken, so dienen diese der Patientensicherheit. Am Anästhesiearbeitsplatz ist – von der Vorbereitungsphase bis zum Operationsende und der Weiterbehandlung im Aufwachzimmer bzw. der Intensivstation – Ihr Anästhesieteam immer bei Ihnen, beobachtet Ihre Organfunktionen, korrigiert diese im Bedarfsfall und wacht über Ihre Sicherheit.

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