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Krankenhausflur © VILevi

Nosokomiale Infektionen: Was ist das?

Laut Schätzungen des ECDC (European Center of Diseases Control) erkranken jedes Jahr über vier Millionen Patientinnen/Patienten an einer nosokomialen Infektion. Der überwiegende Teil ist nicht auf einen Mangel an Hygiene zurückzuführen. Expertinnen/Experten schätzen allerdings, dass sich zwanzig bis dreißig Prozent dieser Infektionen durch intensive Hygiene- und Kontrollmaßnahmen verhindern ließen. In einer in den Jahren 2011/2012 europaweit durchgeführten Studie, an der auch österreichische Krankenanstalten beteiligt waren, zeigte sich, dass in Akutkrankenhäusern bei einem von 18 Patientinnen/Patienten eine Krankenhausinfektion auftritt. Nosokomiale Infektionen gehören somit zu den häufigsten Komplikationen eines Krankenhausaufenthaltes . . .

Häufige nosokomiale Infektionen

Nosokomiale Infektionen müssen laut Kranken- und Kuranstalten-Gesetz erfasst werden. Wie alle Infektionen sind nosokomiale Infektionen für Patientinnen/Patienten eine zusätzliche Belastung. Sie können die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus erhöhen. In ernsten Fällen sind auch tödliche Verläufe möglich.

Zu den häufigsten nosokomialen Infektionen zählen:

  • Harnwegsinfekte: Diese verlaufen meist symptomarm. Harnkatheter sind vor allem bei längerer Anwendungsdauer die wesentlichste Eintrittspforte für Keime einer nosokomialen Harnwegsinfektion.
  • Lungenentzündung: Oft sind schwer kranke Patienten und Patientinnen betroffen. Die Sterblichkeit ist in der Folge erhöht. Besonders gefährdet für Pneumonien sind Personen mit künstlicher Beatmung an Intensivstationen.
  • Wundinfektionen nach Operationen: Die Häufigkeit hängt u.a. von der Operationsdauer, Art der Operation sowie Schwere der Erkrankung ab. Das Risiko wird mittels „Wundkontaminationsklassen“ sowie dem sogenannten ASA-Score bestimmt.
  • Sepsis („Blutvergiftung“): Eine nosokomiale Sepsis kann lebensbedrohend sein und zu Organversagen führen. Sie ist jedoch im Vergleich zu den oben genannten Infektionen wesentlich seltener.

Häufige Erreger

Zu den häufigsten Mikroorganismen, die nosokomiale Infektionen hervorrufen, zählen:

  • Escherichia coli,
  • Staphylococcus aureus,
  • Pseudomonas aeruginosa,
  • Enterococcus species,
  • Koagulase-negative Staphylokokken,
  • Candida,
  • Clostridium difficile.

Methicillin-resistenter Staphylococccus aureus (MRSA)

MRSA ist nicht nur gegen Methicillin und Staphylokokken-Penicilline resistent, sondern gegen unterschiedliche Antibiotika. Inzwischen gibt es folgende MRSA-Untergruppen:

  • HA-MRSA-TYP: Im Krankenhaus erworbener, nosokomialer oder „Hospital/health care-acquired/associated“(HA)-MRSA-Typ.
  • CA-MRSA-Typ: Außerhalb eines Krankenhauses erworbener, jedoch erst kurz nach der Aufnahme diagnostizierter „Community acquired/associated“(CA)-MRSA-Typ.
  • LA-MRSA-Typ: Mit Haustieren oder landwirtschaftlichen Nutztieren assoziierter „Livestock-associated“(LA)-MRSA-Typ.

Nähere Informationen finden Sie unter Antibiotikaresistenz.

Ursachen & Risikofaktoren

Es wird unterschieden zwischen endogenen und exogenen Krankenhausinfektionen. Bei exogenen Infektionen befindet sich die Infektionsquelle in der Umgebung, z.B. auf den Händen, auf Gegenständen, in der Luft etc. Endogene Infektionen hingegen haben zwei mögliche Entstehungswege:

  • Erstens: Die normale Bakterienflora der Patientin/des Patienten, die jede/jeder in oder auf sich trägt, werden in diesem Fall zum Problem. Dies geschieht vor allem dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist oder eine Eintrittspforte entsteht (z.B. Operationswunde).
  • Zweitens: „Krankenhauskeime“ (multiresistente Erreger) werden nach und nach Teil der eigenen Flora und Verursacher von Infektionen.

Laut Robert-Koch-Institut können folgende übergeordnete Ursachen für nosokomiale Infektionen unterschieden werden:

  • Patientenfaktoren: Krankheitsbedingt geschwächt steigt das Risiko, nosokomiale Infektionen zu entwickeln (vor allem im Alter und bei Immunschwäche).
  • Mikrobiologische Faktoren: Die Infektionswahrscheinlichkeit und -gefährlichkeit ist vom Erreger abhängig.
  • Umweltfaktoren: Krankenhäuser schaffen unter Umständen sehr förderliche Bedingungen für die Ausbreitung von Erregern (z.B. räumliche Nähe der Patientinnen/Patienten untereinander, mangelnde Händehygiene).
  • Technische Faktoren: Medizintechnische Hilfsmittel können Infektionen begünstigen.
  • Menschliche Faktoren: Arbeitsumstände in Einrichtungen zur Krankenbehandlung, z.B. Zeitmangel, können Hygienefaktoren negativ beeinflussen.

Somit sind Krankenhausaufenthalte mit einem erhöhten Risiko verbunden, an einer Infektion zu erkranken. Stark gehäufte nosokomiale Infektionen treten jedoch in Krankenanstalten eher selten auf.

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