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Gespräch mit Psychotherapeut © Elnur

Das psychotherapeutische Gutachten

Psychotherapeutische Gutachten basieren auf psychotherapeutisch-wissenschaftlichen Grundlagen und umfassen Untersuchung und Beurteilung von psychosozial und/oder psychosomatisch bedingten Verhaltensveränderungen und Leidenszuständen. Sie können nicht nur die Behandlung von Erkrankungen, sondern auch Gesundheitsvorsorge bzw. -förderungsmaßnahmen umfassen. Das psychotherapeutische Gutachten zielt auf die Abklärung einer bestimmten Fragestellung aus psychotherapeutischer Perspektive mittels psychotherapeutischer Diagnostik und Beurteilung. Die Gutachten werden von Sachverständigen erstellt...

Unterschied zwischen Befund und Gutachten

Oft werden Befunde und Gutachten verwechselt. In einem Befund werden festgestellte Tatsachen festgehalten. Sachverständige für Gutachten erheben Befunde und ziehen zudem aufgrund besonderer Fachkunde Schlussfolgerungen. Diese müssen entsprechend gründlich abgewogen und begründet sein. Das umfassende Gutachten muss die gestellten Fragen in wichtigen Details beantworten. Das psychotherapeutische Gutachten soll einheitlich strukturiert, klar im Aufbau sowie schlüssig und nachvollziehbar sein.

Qualitätskriterien und Prinzipien eines psychotherapeutischen Gutachtens 

Es gibt keine gesetzliche Definition für Sachverständige. Die Gutachterrichtlinie des BMGF  (Kriterien für die Erstellung von Gutachten durch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten) gibt jedoch Kriterien für die Erstellung von Gutachten durch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie für deren Qualifikation vor. Die/der Sachverständige stellt ihre/seine erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten in den anerkannten wissenschaftlich-psychotherapeutischen Methoden in Form von fachlicher Beurteilung von Tatsachen sowie prognostischen Einschätzungen hinsichtlich der Anwendung der Methoden aus fachlicher Sicht gewissenhaft zur Verfügung.

Sachkundig, neutral, objektiv, unabhängig

Sachverständige müssen aufgrund ihrer Ausbildung/Weiterbildung sowie Erfahrung über besondere Kenntnisse (Sachkunde) auf einem bestimmten Sachgebiet verfügen. Zudem sind Neutralität, Objektivität sowie Unabhängigkeit erforderliche Kriterien zur Bestellung zur Gutachterin/zum Gutachter. Psychotherapeutische Gutachten in der Kinder- und Jugendpsychotherapie können nur von Sachverständigen erstellt werden, die Qualifikationen gemäß der BMGF-Richtlinie für die psychotherapeutische Arbeit mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen aufweisen.

Jede Psychotherapeutin/jeder Psychotherapeut, die/der in die Psychotherapeutenliste des BMGF eingetragen ist, darf jedenfalls als Sachverständige im Sinne der Zivilprozessordnung bestellt werden. Das Sachverständigen- und Dolmetschergesetz sieht für Gutachtertätigkeit vor Gericht ein gerichtliches Zertifizierungsverfahren vor. Ersteller von psychotherapeutischen Gutachten müssen unbefangen sein, um objektive Schlussfolgerungen zu ziehen. Es dürfen demnach keine Gründe für absolute Befangenheit vorliegen (z.B. Verwandtschaftsverhältnis/Partnerschaft, laufende Psychotherapie mit dem Auftraggeber oder der zu begutachtenden Person). Eine sogenannte relative Befangenheit kann Zweifel an der Unbefangenheit der Gutachterin/des Gutachters nach sich ziehen (z.B. Geschäftsbeziehungen, Freundschaften) und muss vermieden werden.

Das Psychotherapiegesetz verpflichtet Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten zur Verschwiegenheit über alle ihnen in Ausübung ihres Berufes anvertrauten Geheimnisse. Die Verschwiegenheitspflicht besteht allgemein gegenüber jeder anderen Person oder Einrichtung. Daher muss von Beginn des Gutachtens an klargestellt werden, dass bei Erstellung des Gutachtens Informationen gewonnen und weitergegeben werden sollen. Auch muss die Übereinstimmung zwischen Gutachterin/Gutachter und zu begutachtender Person dahingehend sein, dass die Inhalte der Begutachtung nicht als Geheimnis anzusehen sind, da sie an einen bestimmten Personenkreis weitergeleitet werden. Es bedarf des Einverständnisses der Patientin/des Patienten, die/der auf ihren/seinen Geheimnisanspruch verzichtet. Alle Befundergebnisse, die nicht für die Erstellung des Gutachtens relevant sind, sind jedoch vertraulich zu behandeln.

Arten von Gutachten

Folgende Gutachten sind möglich:

  • Gerichtsgutachten,

  • Privatgutachten,

  • Gutachten für Verwaltungsbehörden,

  • Parteiengutachten (von einer Streitpartei in Auftrag gegeben) sowie

  • Obergutachten (bei sich widersprechenden Gutachten).

Wer kann ein Gutachten in Auftrag geben?

Gutachten können prinzipiell von jeder Person in Auftrag gegeben werden (Privatpersonen, juristische Personen, Verwaltungsbehörden, Gerichte). Psychotherapeutische Gutachten vermitteln Erfahrungswerte für Entscheidungen. Die Sachentscheidung trifft jedoch die Auftraggeberin/der Auftraggeber, nicht die Sachverständige/der Sachverständige. 

Wann wird ein psychotherapeutisches Gutachten erstellt?

Je nach Fragestellung werden psychotherapeutische Gutachten in unterschiedlichsten Bereichen erstellt (Wirtschaft, Medizin, Psychologie etc.). Wesentlich sind Bereiche, in denen psychotherapeutische Fragestellungen geklärt werden sollen. Zu den Einsatzmöglichkeiten zählen etwa Pflegschaftsangelegenheiten (z.B. Fragen zur Obsorge), psychotherapeutische Fragen im Kontext mit Arbeitsfähigkeit etc. Psychotherapeutische Gutachten können parallel oder unabhängig von ärztlichen, klinisch-psychologischen bzw. gesundheitspsychologischen Gutachten erfolgen. Eine Beurteilung des Erfolgs oder Misserfolgs psychotherapeutischer Tätigkeit sowie der wissenschaftlichen Fundiertheit psychotherapeutischer Schulen oder Einzelpersonen obliegt ausschließlich Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten. 

Wohin kann ich mich wenden?

Eine allgemeine Suche nach PsychotherapeutInnen/Psychotherapeuten kann über die entsprechende Listensuche des BMGF erfolgen. Auch ÖBVP (Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie) und VÖPP (Vereinigung Österreichischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten) stellen Informationen für die Suche nach Gutachterinnen/Gutachtern zur Verfügung.

Gerichtssachverständige können über die Gerichtssachverständigen- und Gerichtsdolmetscherliste der Justizbehörden gesucht werden. Auch der Hauptverband für gerichtliche Sachverständige bietet eine Online-Suche.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Der Preis der Gutachtenerstellung ist vom Auftraggeber zu entrichten. Er richtet sich nach verschiedenen Faktoren, z.B. Zeitaufwand, Wegstrecken, dem Umfang der Fragestellungen und des Gutachtens.

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