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Akupunkturmodell © Björn Wylezich

TCM – Traditionelle Chinesische Medizin

Die TCM basiert in erster Linie auf dem philosophischen Konzept der Yin-Yang-Theorie. Diese Lehre entsprang zunächst einer Naturphilosophie und beschreibt die Phänomene der Natur sowie deren Beziehungen zueinander und zum Universum. Sie wird benutzt, um den immerwährenden Prozess natürlicher Veränderung zu erklären. Obwohl Yin und Yang in der TCM polare Gegensätze darstellen, sind sie voneinander abhängig, ergänzen und kontrollieren einander und können sich sogar ineinander umwandeln . . .

Hintergrund

Gesundheit bedeutet in der TCM ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Yin und Yang. Ihr Ziel ist es, entstandene Ungleichgewichtszustände zu erkennen und auszugleichen.

Durch speziell entwickelte diagnostische Möglichkeiten wie Zungen- und Pulsdiagnose sollen einerseits Krankheitsprozesse schon vor Ausbruch der Erkrankung festgestellt und diesen gegengesteuert werden und andererseits bereits bestehende Erkrankungen mithilfe folgender Methoden behandelt werden:

  • Akupunktur,
  • chinesische Kräutertherapie,
  • Ernährung nach den fünf Wandlungsphasen,
  • Massagetechniken (Tuina, Akupressur),
  • Bewegungsübungen (Tai Chi & Qi Gong,).

Die älteste Rezeptursammlung stammt aus dem Jahr 168 vor Chr. Im ersten Jahrhundert nach Chr. entstand das Buch Yellow Emperor`s Inner Classic (Huangdi neijing), das sich therapeutisch hauptsächlich mit Akupunktur beschäftigt. Die erste richtige Rezepturensammlung ist die Abhandlung über Kälte-induzierte Erkrankungen (Shanghan zabinglun, ca. 200 n. Chr.).

Seit der Gründung der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur (ÖGA) im Jahr 1954 und des Ludwig Boltzmann Institutes für Akupunktur im Jahr 1972 durch Johannes Bischko ist die Integration der traditionellen Therapien in die westliche Medizin deren Hauptanliegen.

Chinesische Phytotherapie

Ein wichtiges Teilgebiet der TCM ist die Kräuterheilkunde. Die chinesische Phytotherapie bietet ein umfassendes therapeutisches Konzept, um Krankheiten und deren Folgen zu behandeln. Dadurch soll es einerseits dem Körper ermöglicht werden, selbst einen Weg zu finden, die pathogenen Faktoren zu eliminieren. Andererseits soll eine „materielle“ Konstitutionsbehandlung mithelfen, den Körper zu stärken und somit auch prophylaktisch die Anfälligkeit für neuerliche Erkrankungen zu reduzieren.

In Österreich werden derzeit ca. 400 verschiedene Arzneimittel der chinesischen Medizin in speziell geschulten Apotheken angeboten. Etwa 90 Prozent sind pflanzlicher Herkunft, der Rest besteht aus mineralischen und tierischen Substanzen. Jede Arznei wird nach dem Temperaturverhalten (heiß und warm; neutral; kühlend und kalt) sowie dem Geschmack (scharf, süß, neutral, sauer, bitter, salzig) klassifiziert.

Rezepte der chinesischen Arzneimitteltherapie bestehen fast nie aus Einzelarzneien, sondern sind nach dem Multi-target-Prinzip eine komplexe Mischung aus verschiedenen Arzneien.

Chinesische Arzneimitteltherapie ist in Österreich apothekenpflichtig. Auf TCM spezialisierte österreichische Apotheken werden von Großhändlern mit chinesischen Arzneien beliefert, die aus zuverlässigen, staatlich kontrollierten Betrieben der VR China einkaufen und problemanfällige Chargen auf Pestizide (inkl. Herbizide), Aflatoxine, mikrobielle Verunreinigungen und Schwermetallgehalt überprüfen. 

Hinweis Dringend abgeraten wird vom Kauf von Billigarzneien aus dem Internet, da diese oft weder auf Identität noch auf Reinheit überprüft sind.

Einsatzbereiche

TCM-Ärztinnen/-Ärzte sehen für die TCM v.a. folgende Einsatzbereiche:

Grenzen der Methode

Vorsicht ist geboten bei Arzneien, die „Blut bewegen”, wie Salbei oder chinesischer Liebstöckel, weil diese mit blutverdünnenden Medikamenten interagieren können und deren Wirkung verstärken. Außerdem sollten diese chinesischen Arzneien drei bis vier Tage vor geplanten Operationen abgesetzt werden. Bei langfristigen Therapien sollten die Leberwerte alle drei Monate kontrolliert werden.

Evidenz

Die chinesische Phytotherapie wird derzeit intensiv beforscht. Gerade in Zeiten, wo die konventionelle Medizin immer wieder an Grenzen stößt (z.B. wegen Resistenzen von Antibiotika), hat die pharmazeutische Industrie das Potenzial der Arzneien erkannt. Als Beispiel sei Artemisinin zur Malariabehandlung genannt, das großflächig eingesetzt wird und für dessen Erforschung 2015 sogar der Nobelpreis für Medizin vergeben wurde. Alleine im letzten Jahr erschienen über 100 Publikationen in Impact-Factor-gereihten Journals und sind unter www.pubmed.com abrufbar.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Österreichische Ärztekammer hat ein Diplom für Chinesische Diagnostik und Arzneimitteltherapie geschaffen. Zugelassen für die Ausbildung sind in Österreich ausschließlich Ärztinnen/Ärzte und Pharmazeutinnen/Pharmazeuten. Eine Liste von TCM-Ärztinnen/Ärzte bietet die Österreichische Gesellschaft für Akupunktur.

Wie erfolgt die Übernahme der Kosten?

Die Kosten für komplementärmedizinische Behandlungen werden von den Krankenversicherungsträgern im Regelfall nicht und in wenigen Fällen nach chefärztlicher Bewilligung übernommen. Im Kur- und Rehabilitationsbereich ist für einzelne Leistungen eine zumindest teilweise Kostenübernahme vorgesehen. Es lohnt sich auf jeden Fall, beim zuständigen Krankenversicherungs- bzw. Kostenträger nachzufragen.

 

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