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Frau mit Kopftuch © kanchitdon

Gesundheitsförderung & Migration

Die Gesundheit eines Menschen ist vielen Einflussfaktoren ausgesetzt – unter anderem sozialen, wirtschaftlichen sowie kulturellen – Faktoren. Personen jeglicher Herkunft unterscheiden sich zudem individuell in Bezug auf Gesundheitskompetenz sowie -verhalten und Ressourcen. Auch innerhalb ein und derselben Kultur bzw. Gesellschaft gibt es Unterschiede (z.B. nach Alter, sozialer Schicht, Bildungsgrad oder Geschlecht).

Gesundheitsförderungsprojekte sind ein wichtiger Beitrag zur Integration von Migrantinnen/Migranten in unsere Gesellschaft, zu ihrer gesellschaftlichen Teilhabe und zur gesundheitlichen Chancengleichheit im Sinne der Österreichischen Rahmen-Gesundheitsziele.

Was bedeutet der Begriff Migrantin/Migrant?

Migrantinnen/Migranten sind Menschen, die ihr Heimatland bzw. ihren Wohnort verlassen oder verlassen mussten, um in einem anderen Staat oder an einem anderen Ort bessere bzw. sicherere Lebensbedingungen vorzufinden. Dies kann auf freiwilliger oder unfreiwilliger (meistens Flucht bzw. Verfolgung) Basis geschehen. Als Personen mit Migrationshintergrund werden in der Regel Menschen bezeichnet, deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Diese Gruppe lässt sich in weiterer Folge in Migrantinnen und Migranten der ersten Generation (Personen, die selbst im Ausland geboren wurden) und in Zuwanderer der zweiten Generation (Kinder von zugewanderten Personen, die aber selbst im Inland geboren wurden) untergliedern. Arbeits- und Wirtschaftsmigrantinnen/-migranten wandern mit dem vorrangigen Ziel einer Jobaufnahme aus (z.B. über die sogenannte Rot-Weiß-Rot-Karte). Nähere Informationen zu rechtlichen Begrifflichkeiten in Bezug auf Migration finden Sie auf der Website des Innenministeriums. Auch die Vereinten Nationen informieren zu diesem Thema.

Das Statistische Jahrbuch „migration&integration 2017“ liefert aktuelle Zahlen und Fakten zu Themen wie Zuwanderung, Sprache und Bildung von Migrantinnen/Migranten. Im Durchschnitt des Jahres 2016 lebten rund 1,898 Millionen Personen (22,1%) mit Migrationshintergrund in Österreich. Von diesen waren 1,415 Millionen Menschen im Ausland geboren, weitere 483.000 gehörten als in Österreich geborene Nachkommen von Eltern mit ausländischem Geburtsort der sogenannten „zweiten Generation“ an. Nähere Informationen zu Integration finden Sie auf der Plattform „Zusammen Österreich“.

Migration – Chance & Risiko

Migration hat viele Gründe (z.B. Flucht, Arbeit, Studium). Daher sind Menschen mit Migrationshintergrund eine sehr vielschichtige Gruppe. Auch Ursachen und Bedingungen der Migration können die Gesundheit beeinflussen. Migration kann im Leben eines Menschen Chancen und Risiken bergen. Durch Migration ist gegebenenfalls eine Verbesserung der Lebensumstände möglich. Aber begleitende Faktoren (z.B. belastende Einflüsse bei der Flucht, Trauma, Menschenhandel) können die Gesundheit gefährden. Auch „freiwillige“ Migration kann seelisch belasten (z.B. durch Trennung vom Freundeskreis/der Familie).

Ethische sowie kulturelle Diskriminierungen können sich ebenfalls negativ auf den Gesundheitszustand auswirken. Sie haben vor allem Einfluss auf die psychische Befindlichkeit sowie durch chronischen Stress auch auf das körperliche Wohlergehen.

Gesundheit von Migrantinnen/Migranten

Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich fühlen sich im Durchschnitt gesundheitlich schlechter als jene ohne Migrationshintergrund. Laut des wissenschaftlichen Ergebnisberichts „Migration und Gesundheit“ der GÖG (im Auftrag von AK Wien und BMG) haben Frauen und Männer mit Migrationshintergrund etwa ein höheres Adipositas-Risiko sowie ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Migrantinnen/Migranten nutzen die Angebote des Gesundheitssystems zudem anders als Personen ohne Migrationshintergrund. So ist die medizinische Erstanlaufstelle öfter eine Spitalsambulanz als eine niedergelassene Hausärztin/ein niedergelassener Hausarzt. Auch werden notwendige Facharztbesuche häufiger unterlassen, der Impfschutz weist eher Lücken auf.

Das österreichische Gesundheitssystem

Informationen zum österreichischen Gesundheitssystem finden Sie unter 

  • Gesundheitswesen und
  • Arztbesuch,
  • Krankenhausaufenthalt sowie Spitalsaufenthalt: Beratung & Hilfe (inklusive Informationen über Behandlungsmöglichkeiten für nicht versicherte Menschen)
  • in den Broschüren „Das österreichische Gesundheitssystem“, erhältlich über die Website des BMASGK (deutsch, englisch),
  • „Gesund bleiben und mit Krankheit umgehen“, erhältlich über die Website des BMASGK (deutsch, englisch, bosnisch, kroatisch, serbisch, russisch, türkisch).

Gesundheitsförderung für Migrantinnen/Migranten

Der Zugang zum Gesundheitssystem ist für versicherte Personen mit Migrationshintergrund gegeben. Nähere Informationen über Versicherungsbedingungen finden Sie auf der Website des BMASGK. Allerdings erschweren Zugangsbarrieren (z.B. sprachlich) die Inanspruchnahme. Vor allem Angebote der Gesundheitsförderung und Prävention werden seltener in Anspruch genommen. Daher wurden im Laufe der letzten Jahre immer mehr Projekte im Bereich der Gesundheitsförderung – oft themenübergreifend auch für weitere Zielgruppen – ins Leben gerufen.

Ein Beispiel für die Stärkung von Gesundheitskompetenzen ist etwa das Projekt „MiMi – Mit MigrantInnen für MigrantInnen“: Migrantinnen/Migranten werden mit Unterstützung von sogenannten Gesundheitslotsinnen/Gesundheitslotsen ge- und bestärkt, zunehmend Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen, mit dem Ziel, ihre gesundheitliche Situation nachhaltig zu verbessern (Wien und Oberösterreich). Nähere Informationen finden Sie auf der Österreichischen Plattform Gesundheitskompetenz.

Eine Auswahl an Beispielen finden Sie zudem in der Methoden- und Erfahrungssammlung „Handlungsmodule für Gesundheitsförderungsmaßnahmen für/mit Migrantinnen/Migranten“ der Gesundheit Österreich Forschungs- und Planungs GmbH im Auftrag der AK Wien oder auch z.B. im Tagungsband des FGÖVon Flüchtlingen zu Nachbarn – Zusammenleben gesundheitsfördernd gestalten“.

Faktoren der Gesundheitsförderung

 Zu wichtigen Faktoren in der Gesundheitsförderung von Migrantinnen/Migranten zählen unter anderem:

  • Vermittlung eines positiven Gesundheitsbegriffs (auch im Sinne der sogenannten „Salutogenese“)
  • Empowerment (Stärkung der persönlichen Ressourcen)
  • Förderung von Resilienz
  • Feingefühl gegenüber kulturellen Unterschieden

Zudem ist die Verbreitung von Informationen zum Gesundheitssystem sowie zur Gesundheitsförderung an Multiplikatorinnen/Multiplikatoren (Personen oder etwa Einrichtungen, die Fachinformationen sowie praktisches Wissen anwenden und verbreiten) ein wesentlicher Faktor.

Werden Bildung, Selbstständigkeit, Gesundheit, das Wissen um Gesundheitsförderung oder die Lebenssituation verbessert wahrgenommen, wirkt sich das auch positiv auf die soziale Einbindung aus.

Informationsmaterial, Beratung & Hilfe

Informationsangebote und -material zum Thema Gesundheit in verschiedenen Sprachen finden Sie unter 

Informationen zu Umgang mit Lebensphasen, Traumata & Flucht etc. finden Sie beispielsweise unter:

Gesundheitliche Chancengleichheit

Gesundheitsförderungsprojekte sind ein wichtiger Beitrag zur Integration von Migrantinnen/Migranten in die Gesellschaft, zu ihrer gesellschaftlichen Teilhabe und zur gesundheitlichen Chancengleichheit im Sinne der Österreichischen Rahmen-Gesundheitsziele. Gesundheitliche Chancengerechtigkeit ist nicht nur ein wichtiges österreichisches Rahmen-Gesundheitsziel, sondern auch ein wesentliches Qualitätskriterium der Gesundheitsförderung. 

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