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Symbolbild Vater mit Kindern © vervievas

Meinungen von Expertinnen und Experten

Was meinen Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitsbereich sowie Organisatorinnen & Organisatoren zu den regionalen Gesundheitszentren? Wir haben sie gefragt:

Albert Maringer, Obmann der OÖ Gebietskrankenkasse

"Primärversorgungszentren wie Enns ermöglichen eine flexible, rasche, sichere und bedarfsgenaue Versorgung. Eine durchgängige Betreuung – aus einem Guss – erspart Patienten und Angehörigen Umwege und fördert eine rasche Genesung. Und wo Umwege wegfallen, freut sich nicht nur der einzelne Versicherte, sondern die ganze Gemeinschaft: Weil automatisch auch kostenbewusst versorgt wird.“

Franz Stefan Karlinger, Bürgermeister von Enns

"Mit dem Gesundheitszentrum Enns ist es nicht nur gelungen, die regionale Erstversorgung und auch die Gesundheitsvorsorge aufrecht zu erhalten, sondern sogar noch zu verbessern. Patienten profitieren durch kürzere Wartezeiten und ein deutlich erweitertes Angebot, Ärzte durch attraktivere Arbeitsbedingungen. Wir haben ein zukunftsweisendes Modell für die gesamte Region  auf die Beine gestellt!“

MR Dr. Wolfgang Hockl, Allgemeinmediziner im Gesundheitszentrum Enns

"Ich freue mich auf die Verwirklichung eines Modells, das international schon vielfach umgesetzt ist. Mir ist u.a. die Einbindung von Kolleginnen und Kollegen in den Praxen wichtig, die entsprechende „Work-Life-balance", mit der wir hoffen, durch neue Rahmenbedingungen und eine Ausbildung vor Ort junge Kolleginnen und Kollegen für die Allgemeinmedizin begeistern zu können. Denn nur mit verbesserten Strukturen und neuen Organisationsmöglichkeiten, die an die regionalen Gegebenheiten angepasst sein müssen, werden wir uns weiterentwickeln.“

Sandra Frauenberger, Stadträtin für Soziales, Gesundheit und Frauen in Wien

"Das Primärversorgungszentrum Mariahilf bringt für die Wienerinnen und Wiener eine Reihe von Vorteilen: die wöchentliche Mindestöffnungszeit beträgt 50 Stunden, davon profitieren vor allem Berufstätige. Chronisch kranke Menschen erhalten Hilfe durch ein interdisziplinäres Team. Aber auch für die Ärztinnen und Ärzte gibt es eine Reihe von Vorteilen, ihr Beruf wird attraktiver, da sie einerseits mehr Leistungen für ihre Patientinnen und Patienten erbringen können, andererseits diese Leistungen auch entsprechend honoriert bekommen."

Ingrid Reischl, Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse

"Das PHC Wien-Mariahilf ist aus der Wiener Versorgungslandschaft nicht mehr wegzudenken. Es ist sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für die Ärztinnen und Ärzte ein Gewinn. Dazu kommt, dass im PHC Wien-Mariahilf neben Ärztinnen und Ärzten für Allgemeinmedizin verschiedene weitere Gesundheitsberufe wie Psychotherapie, Diätologie, Wundmanagement sowie Gesundheits- und Krankenpflege unter einem Dach für die Patientinnen und Patienten zusammenarbeiten."

 Dr. Thomas Czypionka, Gesundheitsökonom am Institut für Höhere Studien

"Das Konzept der Primärversorgung verlangt zunächst ein Umdenken darüber, wie ein Gesundheitswesen funktioniert. Es ist noch viel Grundlagenarbeit zu leisten und es sind einige Begleitmaßnahmen zu setzen, damit wir ein echtes Primärversorgungssystem flächendeckend realisieren können. Dazu zählen Forschung, die Weiterentwicklung von Aus- und Fortbildung, capacity building in den Organisationen, das Anpassen rechtlicher Rahmenbedingungen sowie mehr Involvement der Betroffenen, um sie bei den Entwicklungen auch mitzunehmen. Hier ausdauernd weiterzuarbeiten ist wichtig, weil eine richtig implementierte Primärversorgung das Potenzial hat, Menschen länger gesund zu halten und gleichzeitig gerade im österreichischen Kontext Kosten in anderen Versorgungsstufen zu reduzieren."

Dr. Franz Mayrhofer, Allgemeinmediziner Medizin Mariahilf

"Nach dreißig Jahren hausärztlicher Tätigkeit in einer Einzelordination bietet die Arbeit in einem Team einen Quantensprung an Arbeits- und Lebensqualität. Unmittelbarere fachlicher Austausch sowie die Verfügbarkeit von Expertise aus verschiedenen Gesundheitsberufen ermöglichen in den allermeisten Fällen eine dem Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechende Diagnose und Therapie im Rahmen des Erstkontaktes mit dem Versorgungssystem. Das alles in einem organisatorischen Umfeld, das neben den Vorzügen umfassender zeitlicher Verfügbarkeit medizinischer Hilfe auch den Erhalt eines lebenslangen bisweilen generationenübergreifenden persönlichen Betreuungsverhältnisses ermöglicht.

Neben den zahlreichen Vorteilen für die PatientInnen bieten die neuen Organisationsformen auch für ÄrztInnen neue Perspektiven. Individuelle Lebensplanungen und familienfreundlichen Arbeitsmodelle sind möglich, allenfalls erforderliche Erholungsphasen z.B. nach Krankheit werden nicht zur Existenzbedrohung.  Eigene Stärken werden zu Stärken des Teams, eigene Schwächen können im Team kompensiert werden."

Prof.in Dr.in Kathryn Hoffmann MPH, Medizinische Universität Wien

"Ein stark entwickelter Primärversorgungssektor ist der Schlüssel für eine optimale und gerechte gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung. Starke Primärversorgungssysteme können nicht nur unnötige Krankenhausaufenthalte und das Entstehen von chronischen Erkrankungen verhindern sondern auch dem Leben mehr gesunde Jahre geben.Wichtige Schritte hinsichtlich der Stärkung des Primärversorgung in Österreich sind die Definition als ein eigenständiger Sektor, die Entwicklung exzellenter Arbeitskräfte in diesem anspruchsvollen Bereich, welche optimal im Team arbeiten können, sowie die zur Verfügung Stellung von Strukturen, welche es dem Primärversorgungssektor erleichtert, die zentrale Rolle in der gesamten Koordination und Kontinuität der Gesundheitsversorgung zu spielen."

Priv.-Doz. Dr. Stefan Korsatko, MBA, Bundessprecher Österreichisches Forum Primärversorgung

"Die Umsetzung von Primärversorgung im Sinne eines internationalen "Primary Health Care" Gedanken würde für die österreichische Bevölkerung eine deutliche Verbesserung mit sich bringen. Das Besondere an ihr ist, dass die Versorgung einer ganzen Region in die Zukunft schauend geplant und an die Bedürfnisse angepasst wird. Wenn zum Beispiel in einer Region zunehmend ältere Menschen leben, wird die Leistung dort eben auch entsprechend angepasst. Durch die Teamarbeit auf Augenhöhe mit allen Gesundheits- und Sozialberufen werden gesundheitliche Probleme umfassender erfasst und behandelt. In anderen Ländern sind die Menschen dadurch bis zu 10 Jahre weniger krank und müssen deutlich weniger oft eine Krankenhausambulanz aufsuchen oder stationär aufgenommen werden. Die größten Herausforderungen in Österreich liegen darin, dass einerseits Ärztinnen und Ärzte den Vorteil von "Primärversorgung" erkennen und andererseits konkrete Umsetzungsmodelle angeboten und ermöglicht werden."

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