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Wie mentales Training wirken kann

Frau beim Meditieren © chesterF
30.10.2017

Stress, Konflikte im Zusammenleben und andere psychische Probleme belasten viele Menschen. Mentales Training und verschiedene Formen von Meditation können möglicherweise  helfen, diese Belastungen abzubauen. Dies zeigten Untersuchungen der Studienlage durch Medizin-Transparent. Verlässliche wissenschaftliche Beweise für die positiven Wirkungen fehlten bisher. Mehr Licht ins Dunkel der Wirkungen mentalen Trainings will ein Forscherteam des deutschen Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften bringen. Im Projekt ReSource wurde untersucht, wie sich verschiedene mentale Trainingsformen auf Gehirn, psycho-sozialen Stress, Wohlbefinden und Sozialverhalten auswirken. Anfang Oktober wurden erste Ergebnisse veröffentlicht.

Im Projekt ReSource wurden unterschiedliche mentale Übungen in drei Module angewendet und die Wirkungen auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend untersucht. Die Übungen des ersten Moduls konzentrierten sich besonders auf die Faktoren Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Die Teilnehmer übten während der hier angewendeten klassischen Meditationen, sich rein auf ihre Atmung, ihre Sinneseindrücke oder einzelne Bereiche ihres Körpers zu konzentrieren, jeder für sich allein.

Training von Achtsamkeit und Mitgefühl

Ein zweites Modul stand im Zeichen von sogenannten sozio-affektiven Fähigkeiten wie Mitgefühl, Dankbarkeit und Umgang mit schwierigen Gefühlen. Im Gegensatz zum Aufmerksamkeitstraining kam hier eine Technik zum Einsatz, bei der zwei Personen gemeinsam trainieren. In Partnerübungen tauschten sie sich konzentriert über ihre Gefühle aus, um so Nähe, Dankbarkeit, Umgang mit täglichen Stressoren sowie ihr Einfühlungsvermögen zu schulen.

Im dritten Modul kultivierten die Teilnehmer ihre sozialen Fertigkeiten, insbesondere die Fähigkeit zur Perspektivübernahme, d.h. die Vogelperspektive auf eigene und fremde Denkmuster einzunehmen.

332 Personen nahmen insgesamt neun Monate lang an den Übungen teil. Geübt wurde an sechs Tagen pro Woche, 30 Minuten täglich. Nach jeder der drei Einheiten untersuchte das Forscherteam die Veränderungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mithilfe von psychologischen Verhaltenstests. Zusätzlich wurden Veränderung in der Hirnstruktur durch Magnetresonanztomographie (MRT) und des Stresssystems anhand verschiedener Biomarker wie der Menge des Stresshormons Cortisol im Speichel gemessen.

Weniger Stress, mehr soziale Kompetenzen

Die ersten veröffentlichten Auswertungen des Projekts zeigen, dass die verschiedenen Trainingsprogramme messbare Wirkungen haben, aber in unterschiedlichen Bereichen: Je nachdem, welche mentale Trainingsmethode angewendet wurde, veränderten sich sowohl die Hirnstruktur in den jeweiligen Bereichen als auch die dazugehörigen Verhaltensweisen. Das heißt, die Testpersonen zeigten nach dem ersten Trainingsmodul einen Zuwachs der Großhirnrinde (Cortex) in den Bereichen, die für die Aufmerksamkeit zuständig sind. Gleichzeitig hatte sich auch ihre Aufmerksamkeit in Computertests erhöht. Hingegen erhöhte sich ihr Mitgefühl oder ihre Fähigkeit zum Perspektivwechsel nicht. Dies war jedoch in den anderen Trainingsmodulen feststellbar. Die verschiedenen Formen mentalen Trainings scheinen sich auch unterschiedlich auf den Stresslevel auszuwirken. 

„Der Blick ins Gehirn, auf das Verhalten und auf die Stressantwort der Teilnehmer zeigt nicht nur, dass sich soziale Fähigkeiten üben und Stress reduzieren lassen. Er offenbart auch, dass sich unterschiedliche Formen des mentalen Trainings ganz unterschiedlich auf Gehirn, Gesundheit und Verhalten auswirken können“, erklärt Projektleiterin Tania Singer.

Die Forschungen könnten dazu dienen, evidenzbasierte mentale Trainingsinterventionen zu entwickeln. „Wenn wir genau wissen, welche Meditationen und mentalen Techniken welche Effekte haben, können wir sie viel präziser in Trainingsprogrammen einsetzen, um unsere geistige und körperliche Gesundheit zu fördern“, so Singer. Beispielsweise würden die Ergebnisse etwa zeigen, dass derzeit oft angewendete basale Achtsamkeitstechniken zwar die geeignete Methode sind, um die eigene Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit in verschiedenen kognitiven Bereichen zu steigern. Wem es jedoch darum geht, im Alltag weniger anfällig auf sozialen Stress zu reagieren oder aber seine Sozialkompetenzen wie Empathie, Mitgefühl und Perspektivübernahme zu steigern, der sollte andere mentale Trainingstechniken anwenden, die einen stärkeren Fokus auf das „Wir“ und die soziale Verbundenheit von Menschen setzen.

Weitere Informationen:

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