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Übergewicht bei Kindern und Erwachsenen stark verbreitet

Übergewichtiger Junge isst Burger © viacheslav iakobchuk
08.11.2017

21 bis 30 Prozent der Schulkinder und 41 Prozent der Erwachsenen sind in Österreich übergewichtig oder adipös. Bei Kinder steigt die Verbreitung von Übergewicht weiter an, bei Erwachsenen dürfte sie gleich bleiben. Diese Ergebnisse zeigen zwei aktuelle Studien, die am 7.11. im Gesundheitsministerium präsentiert wurden. Einige Tage davor stellte die Sozialversicherung eine neue Ernährungs-Spiele-App für Kinder vor.

Österreichweit sind rund 30 Prozent der Buben der dritten Schulstufe übergewichtig oder adipös – also fast jeder Dritte. Bei den Mädchen ist die Verbreitung (Prävalenz) von Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) etwas niedriger. Und es gibt regionale Unterschiede: 29 Prozent im Osten und ca. 21 Prozent im Westen und Süden. Das sind Ergebnisse einer aktuelle Studie der WHO („Childhood Obesity Surveillance Initiative“, kurz COSI), an der Österreich 2017 erstmals teilgenommen hat. An der Studie beteiligten sich 97 Volksschulen mit 2.510 Kindern im Alter von acht bis neun Jahren.

„Der Anteil der stark übergewichtigen Kinder nimmt in Österreich zu“, erklärt Daniel Weghuber, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Vorstandsmitglied der Österreichischen Adipositas Gesellschaft. Das geht aus dem Vergleich mit früheren Daten ähnlicher Studien hervor.

Im COSI-Österreich-Bericht wird vor den Folgen von Übergewicht im Kindesalter gewarnt. Die betroffenen Mädchen und Buben haben ein hohes Risiko, im Erwachsenenalter gesundheitliche Probleme zu entwickeln wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Gelenksabnützungen. Und sie sind öfter psychisch belastet, was sich auch auf das Selbstwertgefühl und die schulischen Leistungen auswirkt.  

Gesunde Ernährung und Angebote für Bewegung leicht verfügbar machen

Die COSI-Studie belegt, dass durch Maßnahmen im Lebensumfeld der Kinder Erfolge im Kampf gegen Übergewicht möglich sind. Wenn beispielsweise Gemüse in der Schule kostenlos verfügbar ist, sind weniger Kinder übergewichtig. Auch das Bewegungsangebot spielt nachweislich eine Rolle. So sind in Schulen ohne Turnsaal mehr Kinder übergewichtig. Die Ergebnisse der COSI-Studie bestätigen, dass eine gezielte Ernährungs-, Bewegungs-, und Gesundheitsförderung im schulischen Umfeld wirkt und wesentliche Elemente eines präventiven Gesamtkonzepts sind.

Mit Prävention früh beginnen

„Der Lebensstil wird schon in der frühen Kindheit geprägt“, erklärt Daniel Weghuber. „Wir müssen mit Präventionsmaßnahmen so früh wie möglich beginnen“, so Weghuber weiter. „Das Thema beginnt schon in der Schwangerschaft und Stillzeit“, ergänzt Karin Schindler vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen. Das Gesundheitsministerium hat zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um über gesunde Ernährung aufzuklären und das Bewusstsein dafür so früh wie möglich zu wecken. Dazu zählen die österreichische Ernährungspyramide mit Ergänzungen für Schwangere und Stillende, die Empfehlungen zur Mittagsverpflegung für Schulen oder die Initiative „Unser Schulbuffet“.

„Food Jungle“: Gaming-App für Kids

Speziell für Kids gemacht ist die neue Gaming-AppFood Jungle“, die vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger Ende Oktober vorgestellt wurde. Die App basiert auf der österreichischen Ernährungspyramide und funktioniert wie ein Jump’n’Run-Spiel. Die Aufgabe ist, Lebensmittel für die Spielfigur aufzusammeln. Je ausgewogener die Spielfigur ernährt wird, desto mehr Energie bekommt sie, um immer schwierigere Aufgaben bewältigen zu können. Das Spiel enthält viele praktische und jugendgerecht aufbereitete Ernährungsempfehlungen. Mit dazu passendem Lehrmaterial soll die App in Zukunft auch Pädagoginnen und Pädagogen im Unterricht unterstützen. Entwickelt wurde die App von IBM Österreich gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Neuen Mittelschule Leibnizgasse in Wien.

Ernährungsbericht 2017: Zu viel Fett, Süßes und Fleisch

Bei den Erwachsenen ist Übergewicht noch häufiger verbreitet als bei Kindern. Laut dem Österreichischen Ernährungsbericht 2017 sind 41 Prozent der 18- bis 64-Jährigen – das ist fast jede zweite Person – übergewichtig bzw. adipös. Diese hohe Rate bedeutet jedoch keinen weiteren Anstieg im Vergleich zum letzten Bericht aus dem Jahr 2012. Männer sind häufiger übergewichtig als Frauen, besonders ältere Männer. Was das Ernährungsverhalten betrifft, „bekommt die Ernährungspyramide einen Bauch“, erklärt Jürgen König, Leiter des Departments für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien, bildhaft. Denn die Österreicherinnen und Österreicher essen laut dem aktuellen Ernährungsbericht zu viel Fett, Süßes und – vor allem die Männer – zu viel Fleisch. „Weniger, dafür aber das Richtige, ist also mehr“, betont König. Positiv sei, dass österreichische Erwachsene gut mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt sind. 

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