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Erhöhte Suizidgefahr bei Beginn einer Schönwetterphase

Himmel mit Wolken und Sonnenschein © magann
08.10.2014

Schönwetterperioden, die lange andauern, wirken sich positiv auf die Psyche aus und können depressive Verstimmungen verbessern. Zu Beginn einer Schönwetterphase kann die höhere „Dosis“ Sonnenlicht jedoch zu innerer Unruhe und erhöhtem Antrieb führen. In der Folge kann sich die Suizidgefahr bei bereits gefährdeten Personen erhöhen und als „Motor“ für einen Suizid (Selbsttötung) wirken.

Zusammenhang zwischen täglichem Sonnenschein und Suizidwahrscheinlichkeit

Diese Erkenntnis ergab eine groß angelegte Studie der Medizinischen Universität Wien unter der Leitung von Matthäus Willeit und Nestor Kapusta von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie der Universitätsklinik für Psychotherapie und Psychoanalyse. Bei dieser wurden Suizid-Daten in Österreich zwischen Jänner 1970 und Mai 2010 mithilfe von mathematischen Modellen ausgewertet. Daten von ca. 70 000 Suiziden sowie meteorologische Daten aus 86 Messstationen in Österreich wurden analysiert. Diesen Berechnungen zufolge gibt es einen Zusammenhang zwischen täglicher Sonnenscheindauer und der Wahrscheinlichkeit eines Suizids. Entscheidend sind dabei die Tage, die unmittelbar vor dem Suizidereignis liegen. Um jahreszeitlich-spezifische Faktoren (z.B. saisonal bedingte Arbeitslosigkeit) in der Analyse auszuschließen, wurde die Saisonalität mathematisch „weggerechnet“.

Die meisten Suizide finden im Frühling statt

Die Ergebnisse der Studie untermauern die Forschungsthese, dass am Tag des Suizids sowie 10 bis 14 Tage vor einem Suizid Sonnenschein als Antrieb dafür gesehen werden darf. Je rascher die Sonne nach einer Zeit mit wenig Licht ihre Wirkung auf die Psyche entfalten kann, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Suizids von gefährdeten Personen.

Studienleiter Matthäus Willeit erläuterte dies im Rahmen einer Pressekonferenz im September wie folgt: „In den ersten Tagen führt viel Sonne bei Menschen im Allgemeinen zu einem erhöhten Aktivitätslevel. Das kann bei depressiv verstimmten Personen zu Antriebssteigerung, innerer Unruhe und vermehrter Impulsivität führen, dass Suizidgedanken dann tatsächlich eine Suizidhandlung auslösen.“ In Österreich sowie in den meisten anderen Ländern werden Suizide am häufigsten im Frühling und nicht wie oft angenommen im Herbst oder Winter begangen.

Sonne zwischen dem 14. und 60. Tag einer Schönwetterphase wirkt sich allerdings nachweislich positiv auf die Seele aus – es gibt weniger Suizide. Man kann sogar sagen, dass die Sonne in dieser Zeit eine schützende Wirkung hat.

Suizidgefährdung erkennen – Hilfe suchen

Zu den bekannten Risikofaktoren für einen Suizid gehören beispielsweise psychische Erkrankungen (z.B. Depression), Lebenskrisen sowie Substanzmissbrauch oder bereits begangene Suizidversuche. Nimmt das Tageslicht schnell zu und liegen Risiken für einen Suizid vor, ist erhöhte Aufmerksamkeit vonseiten der professionellen Helfer (z.B. Psychiaterinnen/Psychiater, Psychotherapeutinnen/Psychotherapeutinnen) erforderlich. Auch nahestehende Personen (z.B. Angehörige) können dieses Wissen nutzen, um im Zweifels- oder Akutfall rasch Hilfe zu organisieren.

Woran man Suizidgefährdung erkennen kann und wie man als Betroffener sofortige Unterstützung bekommt, erfahren Sie unter Suizidgefahr erkennen. Zögern Sie nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Präventionsprogramm SUPRA

In Österreich hat Suizidprävention eine lange Tradition. Die Kontaktstelle Suizidprävention, die an der Gesundheit Österreich GmbH angesiedelt ist, unterstützt im Auftrag des Gesundheitsministeriums in enger Kooperation mit einem Expertengremium die Umsetzung des nationalen Suizidpräventionsprogramms SUPRA. Nähere Informationen finden Sie unter Kontaktstelle Suizidprävention.


Weitere Informationen:

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