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Gesundheitskompetenz: Wie gut ist Österreich?

Apfel und Stethoskop
22.08.2012

Knapp ein Viertel der Österreicherinnen und Österreicher tut sich schwer, einem Arztgespräch zu folgen oder Informationen über empfohlene Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen zu finden. Mehr als 56 Prozent sehen es als schwierig an, die Vor- und Nachteile von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu beurteilen. Und rund 51 Prozent haben Probleme, Angaben auf Lebensmittelverpackungen zu verstehen. Laut einer EU-Studie ist es um die Gesundheitskompetenz der Mehrheit der österreichischen Bevölkerung nicht gut bestellt. Österreich rangiert auch im EU-Vergleich auf den hinteren Rängen.

Kompetent für gesunde Entscheidungen


Von den täglichen Lebensmitteleinkäufen über die Freizeitgestaltung bis zur Behandlung von Krankheiten: „Gesundheitskompetenz ist notwendig, um gesunde Entscheidungen im Alltag treffen zu können“, erklärte die international anerkannte Expertin Ilona Kickbusch vor Kurzem bei der Präsentation der Ergebnisse der Studie, an der acht europäische Länder beteiligt waren. Die Finanzierung in Österreich erfolgte durch den Fonds Gesundes Österreich, die wissenschaftliche Betreuung übernahm das Ludwig-Boltzmann-Institut für Gesundheitsförderungsforschung. Erhoben wurde die Selbsteinschätzung der Gesundheitskompetenz in drei Bereichen: der Krankheitsbewältigung, der Prävention und der Gesundheitsförderung.

Studienleiter Jürgen Pelikan erklärte weitere Ergebnisdetails: „Gesundheitskompetenz und Gesundheit hängen deutlich zusammen. Je höher die Gesundheitskompetenz, desto besser wurde die eigene Gesundheit eingeschätzt. Diese Menschen machen auch häufiger Sport und haben weniger Übergewicht.“ Ebenso müssten Personen mit guter Gesundheitskompetenz weniger Spitalsaufenthalte und Arztbesuche in Anspruch nehmen.

Bestimmte Personengruppen besonders Betroffen


Mangelnde Gesundheitskompetenz sei jedoch generell für die Mehrheit der Bevölkerung ein Problem. Besonders häufig betroffen sind über 76-Jährige, chronisch Kranke und Personen aus sozial schwächeren Gruppen. Auch bei den Jugendlichen ist die Gesundheitskompetenz mehrheitlich unzureichend. „Es ist daher besonders wichtig, schon frühzeitig anzusetzen, um Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihre Alltagsentscheidungen zu gesunden Entscheidungen zu machen“, so Stefan Spitzbart vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

Stärkung der Gesundheitskompetenz als politisches Ziel

Das Gesundheitsministerium versteht die Studienergebnisse als Auftrag für die Politik. Pamela Rendi-Wagner, verantwortlich für das öffentliche Gesundheitswesen, erklärt: „Wir wollen Rahmenbedingungen schaffen, die es allen in Österreich lebenden Menschen erlauben, ihre Gesundheit bestmöglich zu fördern.“ Ein komplexes Gesundheitssystem mit Spitzenmedizin würde wenig nutzen, wenn die Angebote bei den Einzelnen nicht richtig ankommen.

Die kürzlich im Ministerrat beschlossenen Rahmengesundheitsziele beinhalten auch die Stärkung der Gesundheitskompetenz. Um die Situation zu verbessern, seien Maßnahmen auf zwei Ebenen notwendig. Zum einen müsse das Gesundheitssystem selbst verständlicher werden, zum anderen müsse die Bevölkerung unterstützt werden, mit Gesundheitsinformationen besser umzugehen.

Weitere Informationen: Rahmen-Gesundheitsziele

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