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Nicht übertragbare Erkrankungen Todesursache Nr. 1

Übergewichtiger Mann wird von Ärztin am Ergometer überwacht © Alexander Raths
27.09.2011

Mitte September verabschiedeten die Vereinten Nationen (UN) in ihrer Generalversammlung ein umfassendes Aktionsprogramm zur Eindämmung von nicht übertragbaren Krankheiten. Dazu zählen vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und Diabetes, bei deren Entstehung der individuelle Lebensstil eine Rolle spielen kann. Erst zweimal in der Geschichte der UN kam die Generalversammlung zusammen, um Gesundheitsthemen zu behandeln, zuletzt ging es um die Bekämpfung von HIV/Aids.

Viele Todesfälle sind vermeidbar


Laut einer aktuellen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind nicht übertragbare Krankheiten weltweit die häufigste Todesursache und kosteten 2008 rund 38 Millionen Menschen das Leben. Rund neun Millionen starben im Alter von 60 Jahren oder früher. Viele dieser Fälle hätten laut WHO durch Präventionsmaßnahmen vermieden werden können. Vorzeitiger Tod durch nichtübertragbare Krankheiten ist in armen Ländern um zwei- bis dreimal so häufig wie in reichen Ländern. Der WHO-Bericht gib auch eine dramatische Prognose ab: Die Sterblichkeit wird in den nächsten zehn Jahren weltweit um 17 Prozent zunehmen.

Übergreifende Maßnahmen notwendig

Bei der UN-Generalversammlung wurde ein Aktionsplan verabschiedet, um vermeidbare Gesundheitsrisiken, die an der Entstehung von nicht übertragbaren Erkrankungen beteiligt sind, zu verringern. Im Mittelpunkt stehen Tabakkonsum, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Alkoholmissbrauch. Die WHO betont in ihrem Bericht, dass übergreifende politische Maßnahmen notwendig seien, die neben dem Gesundheitssektor auch andere Politikfelder wie Handel, Landwirtschaft oder Transport einschließen sollen.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief in seiner Eröffnungsrede zur Generalversammlung Regierungen, Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürger auf, ihren Teil beizutragen, und erklärte in Richtung Industrie: „Es gibt gut dokumentierte und beschämende Beispiele aus der Geschichte von bestimmten Industrieunternehmen, die wissenschaftliche Erkenntnisse und sogar eigene Forschungen ignorierten und die öffentliche Gesundheit aufs Spiel setzten, um ihre Profite zu sichern.“ Aber es gäbe auch sehr viele große Unternehmen, die verantwortungsvoll agieren. Eine hohe Verantwortung trage vor allem die Nahrungsmittelindustrie, die vom Verkauf ihrer Produkte an Kinder und Jugendliche profitiere, aber auch Medien und Werbeagenturen, die entsprechende Werbebotschaften verbreiten.

Die Situation in Österreich im Ländervergleich

Der WHO-Bericht beschreibt länderweise die aktuelle Situation bei den nicht übertragbaren Erkrankungen und den gesundheitlichen Risikofaktoren. In Österreich starben 2008 rund 67.600 Frauen und Männer an einer nicht übertragbaren Erkrankung, davon waren rund zehn Prozent unter 60 Jahre alt. Wie in vielen anderen Industrieländern stiegen auch in Österreich von 1980 bis 2008 die Durchschnittswerte bei Body-Mass-Index (BMI) und Blutzucker deutlich an, während die Werte für Cholesterol und Blutdruck zurückgingen.

Geschätzte Verbreitung (Prozentanteil der Gesamtbevölkerung) 2008 Österreich Deutschland USA
Bewegungsmangel 36,3 30,4 43,2
Täglicher Tabakkonsum 39,8 23,3 15,6
Übergewicht 54,1 60,5 70,8
Fettleibigkeit 20,9 25,1 33,0

Bis zu 40 Prozent geringeres Sterberisiko durch mehr Bewegung

Laut Empfehlungen der WHO zu körperlicher Aktivität schützen bereits 150 Minuten moderater Bewegung pro Woche Erwachsene vor chronischen Krankheiten und dem vorzeitigen Tod. Ein Forschungsteam der Universitäten Wien, Bern und Bristol untersuchte, in welchem Ausmaß die derzeitige Mindestempfehlung der WHO das Gesamtsterberisiko bei Erwachsenen senkt. Im Rahmen einer Studienanalyse wurden weltweit rund 7.000 Quellen durchforstet und 80 Studien mit insgesamt über 1,3 Millionen Studienteilnehmerinnen/Studienteilnehmern bewertet.

Das Erreichen der von der WHO empfohlenen „Mindestdosis“ von 150 Minuten moderater Alltags- oder Freizeitbewegung pro Woche war mit einer Reduktion des Gesamtsterberisikos um zehn Prozent verbunden. Die Risikoreduktion war aber bei intensiverem Ausdauertraining oder Sport mehr als doppelt so hoch (22 Prozent). Bei 300 Minuten pro Woche – diese Dosis wird für einen weiter reichenden gesundheitlichen Nutzen empfohlen – betrug die Risikoreduktion bei moderat intensiver Alltagsbewegung 19 Prozent und bei höher intensivem Ausdauertraining und Sport 39 Prozent. Aber selbst unterhalb der WHO-Mindestempfehlung war noch ein signifikanter Gesundheitsnutzen zu beobachten.
„Jede körperliche Aktivität ist also besser als keine, und selbst banale Alltagsaktivitäten bewirken einen Überlebensvorteil. Mehr und intensivere Bewegung bringen aber einen höheren Gesundheitsnutzen“, resümiert Bewegungswissenschafter Günter Samitz von der Universität Wien und empfiehlt: „Wer bisher körperlich inaktiv war, sollte trotzdem zunächst mit moderaten Aktivitäten beginnen und sich erst schrittweise an mehr und intensivere Bewegung herantasten. Denn gerade bei Neueinsteigern ist bei intensiver Belastung das Risiko für Verletzungen und unerwünschte kardiale Ereignisse höher.“

Weitere Informationen:

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