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Informationen zu EHEC

Petrischale mit Bakterien © Alexander Raths
06.06.2011

Anfang Mai begann in Deutschland einer der weltweit größten bisher beschriebenen Ausbrüche von EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli), einer besonderen Art von Darmbakterien. Von dem Ausbruch war Norddeutschland am stärksten betroffen. Bei den in anderen europäischen Ländern registrierten Fällen haben sich die Betroffenen zuvor in Deutschland aufgehalten. Als ein Auslöser der EHEC-Infektionen in Deutschland wurde nach mikrobiologischen und genetischen Analysen der seltene Bakterienstamm STEC O104:H4 identifiziert.

Seit Mitte Juni meldet das deutsche Robert Koch Institut (RIK) einen deutlichen Rückgang der gemeldeten Erkrankungsfälle in Deutschland. Ende Juni traten auch in Frankreich EHEC-Infektionen auf, die vom gleichen Bakterienstamm wie in Deutschland verursacht wurden, allerdings ohne dass eine Reisetätigkeit der Betroffenen nach Deutschland gegeben war.  

Mögliche Ausbruchsursachen & Empfehlungen

Rohe Sprossen bzw. verunreinigtes Saatgut für Sprossen gelten derzeit als wahrscheinlichste Infektionsquelle. In Verdacht stehen speziell Bockshornkleesprossen. Eine Spur führt über einen britischen Zwischenhändler zu Samen aus Ägypten.

Nach umfangreichen epidemiologischen Untersuchungen veröffentlichten die zuständigen europäischen Agenturen EFSA und ECDC am 29. Juni eine gemeinsame Empfehlung, die für Österreich von der AGES im Auftrag des Gesundheitsministeriums übernommen wurde.

Demnach wird den Verbraucherinnen/Verbrauchern dringend davon abgeraten, Sprossen selbst zu ziehen. Ebenso wird empfohlen, generell keine rohen Sprossen oder Keimlinge zu verzehren. Auch die AGES empfiehlt den Konsumentinnen/Konsumenten in Österreich bis auf weiteres Sprossen nicht roh, sondern nur aufreichend erhitzt zu verzehren.

Weiters könne nicht ausgeschlossen werden, dass noch kontaminierte Sprossen bzw. Samen in Europa im Umlauf sind. Epidemiologische und mikrobiologische Untersuchungen und die Überprüfung von Vertriebswegen und Überwachung des Marktes werden daher auch in der nächsten Zeit wichtig bleiben.

Frühere Verdachtsvermutungen deutscher Behörden, dass Gurken aus Spanien sowie Gurken, Tomaten oder Blattsalate aus Norddeutschland eine mögliche Infektionsquelle sein könnten, haben sich nicht bestätigt. Die Empfehlung, in Norddeutschland auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat zu verzichten, wurde am 10.6. von den deutschen Behörden aufgehoben. Bisher konnte noch in keinem Lebensmittel aus dem Handel eine Verunreinigung mit dem EHEC-Erreger O104:H4 festgestellt werden.

EHEC-Bakterien

EHEC-Bakterien sind eine Sonderformen der überwiegend nützlichen Coli-Bakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und Krankheitserreger abwehren. EHEC-Bakterien finden sich im Darm von Widerkäuern, vor allem von Rindern. Es gibt verschiedene Varianten und Untergruppen. Die weltweit am häufigsten auftretende Serogruppe ist O157.

EHEC-Bakterien setzen im menschlichen Darm Giftstoffe frei und können blutige Durchfallerkrankungen hervorrufen, die unter Umständen mit schweren Folgeerkrankungen verbunden sind. Die Übertragung der EHEC-Bakterien kann über den Kontakt mit Tierkot, über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser erfolgen. Auch die Übertragung von Mensch zu Mensch (Schmierinfektion) ist möglich.

Meldepflichtige Infektion

EHEC-Infektionen sind in Österreich meldepflichtig und werden in der Nationalen Referenzzentrale für Escherichia coli (AGES Graz) erfasst und näher untersucht. So werden Häufungen von Erkrankungen erkannt und eine effiziente Suche nach der Infektionsquelle ermöglicht. Infektionen mit den vor allem im Tierkot häufig vorkommenden EHEC-Bakterien kommen immer wieder vor. Durch Hygiene- und Überwachungsmaßnahmen sind diese Infektionen in den letzten Jahren jedoch kontinuierlich zurückgegangen.

Maßnahmen

Die Erkrankungswelle in Deutschland und deren Entwicklung wird von den österreichischen Behörden aufmerksam beobachtet. Über die behördeninternen Informationsnetze im Gesundheits- und Lebensmittelbereich erfolgt ein regelmäßiger Austausch mit den deutschen und anderen europäischen Behörden. Alle Informationen werden hinsichtlich ihrer Relevanz für Österreich umgehend bewertet. In Österreich führt die AGES derzeit umfangreiche Lebensmitteltests durch. Seit dem 26.5.2011 wurden mehr als 160 Proben von Gemüse und Obst analysiert. Zusätzlich laufen EHEC-Kontrollaktionen.

Derzeit kein Anstieg in Österreich

Derzeit ist in Österreich weder ein Anstieg von EHEC-Erkrankungen noch von schweren Komplikationen zu verzeichnen. Vereinzelt wurden EHEC-Erkrankungsfälle mit dem neuen Bakterienstamm von Deutschland nach Österreich, so wie auch in andere europäische Länder, eingeschleppt.

Österreichische Ärztinnen und Ärzte wurden vom Gesundheitsministerium daher aufgefordert, bei allen verdächtigen Durchfallerkrankungen, insbesondere bei Personen, die sich kürzlich in Norddeutschland aufhielten, eine rasche Abklärung der Ursache einzuleiten.

Symptome einer EHEC-Infektion

Eine EHEC-Infektion beginnt mit wässrigen Durchfällen, die zum Teil nach einigen Tagen blutig verlaufen und von Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, selten auch von Fieber, begleitet werden können. Oft heilt die Erkrankung von selbst aus. Bei etwa jedem zehnten Fall kann als schwere Komplikation das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) mit Blutgerinnungsstörungen und Nierenversagen auftreten. Impfungen gegen eine EHEC-Infektion gibt es nicht.

Hygiene beugt EHEC-Infektion vor

Um eine Ansteckung mit EHEC-Bakterien zu vermeiden, empfehlen Expertinnen und Experten, auf die üblichen Hygienemaßnahmen zu achten.

  • Händewaschen mit Seife schützt vor Schmierinfektionen. Wichtig ist Händewaschen:
    • vor der Zubereitung von Speisen,
    • vor dem Essen,
    • nach dem Toilettengang und
    • nach Tierkontakt.
  • Auf die Küchenhygiene achten. Dazu zählt:
    • Rohes Gemüse und Obst vor dem Verzehr gründlich waschen oder schälen
    • Fleisch und Faschiertes vor dem Verzehr ausreichend erhitzen (mindestens 70 Grad)
    • Rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und zubereiten und verschiedene Messer, Teller etc. verwenden
    • Geschirr- und Handtücher nach der Zubereitung von Obst, Gemüse und Fleisch auswechseln
Weitere Informationen:
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