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Qualitätssysteme in Spitälern

Krankenschwester notiert Daten © contrastwerkstatt
19.09.2011

Erstmals wurden die Qualitätssysteme in österreichischen Spitäler umfassend untersucht und eine Bestandsaufnahme der Maßnahmen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden nun in einem von der Gesundheit Österreich (GÖG) im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur (BGA) erstellten Bericht veröffentlicht und zeigen, wie ernst Qualitätsarbeit in den Spitälern genommen wird. Qualitätssysteme sollen eine hochwertige Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherstellen.

Von 177 kontaktierten Akutkrankenhäusern nahmen 126 Spitäler an der laufenden Befragung teil und trugen bis April 2011 ihre Daten in eine webbasierte Qualitätsplattform ein. Der Rücklauf war laut Bericht mit 71 Prozent erfreulich hoch. Die Daten wurden für das Jahr 2010 erhoben.

Die Ergebnisse

Alle teilnehmenden Spitäler setzen verschiedene Maßnahmen und Instrumente der Qualitätsarbeit ein. Rund drei Viertel der Häuser haben Qualitätsarbeit strukturell verankert, z.B. durch ein Leitbild, eine Qualitätsstrategie oder eine eigene Qualitätsabteilung bzw. eine Qualitätsmanagerin/einen Qualitätsmanager. Beispiele für Qualitätsmaßnahmen sind:

  • Patientenbefragungen: Diese Maßnahme wird am häufigsten und in allen Krankenhäusern durchgeführt. Die Ergebnisse werden den Abteilungen rückgemeldet und stehen dem hausinternen Qualitätsmanagement zur Verfügung.
  • Qualitätsberichte: 86 Prozent der Krankenhäuser erstellen regelmäßig einen Qualitätsbericht oder liefern einen Beitrag für einen Sammelbericht des Krankenhausträgers. Mehr als die Hälfte dieser Berichte wird nach außen publiziert.
  • Umgang mit Patientenbeschwerden: Alle Krankenhäuser bieten ihren Patientinnen und Patienten die Möglichkeit an, Vorschläge und Beschwerden zu deponieren. Am häufigsten kommen Beschwerdebögen, -briefkästen oder Ombudsstellen zum Einsatz. 83 Prozent der Häuser haben ein Beschwerdemanagement eingerichtet.
  • Patientensicherheit und Risikomanagement: In 92 Krankenhäusern (73 Prozent) wurde zumindest ein Instrument des Risikomanagements eingesetzt. Am häufigsten sind Checklisten – sie werden z.B. bei Operationen eingesetzt –, gefolgt von Risikoanalysen und internen Fehlermelde- und Lernsystemen. Anhand von Informationen über Infektionsraten, Sturzraten oder Dekubitusraten kann die Versorgungsqualität kontrolliert und verbessert werden. So gelten Dekubitusraten als ein Beurteilungskriterium für die Pflegequalität. Als Dekubitus werden lokale Hautschädigungen bezeichnet, die beim langen Liegen entstehen können.
Entwicklungspotenziale bei Patientensicherheit und Risikomanagement


Der aktuelle Bericht bewertet die Qualitätssysteme bei den teilnehmenden Akutkrankenhäusern folgenderweise: Die strategische Verankerung der Qualitätsarbeit ist im Durchschnitt gut, die gleiche Bewertung gilt für den Einsatz von Instrumenten der Qualitätsarbeit. Mehr Entwicklungspotenziale hingegen werden beim Einsatz von Qualitätsmodellen, wie ISO oder EFQM, und in den Bereichen Patientensicherheit und Risikomanagement gesehen.

Qualitätsplattform unterstützt Wissenstransfer

Für den Aufbau eines Berichtswesens zu Qualitätssystemen in Spitälern entwickelte die Gesundheit Österreich im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur die webbasierte Qualitätsplattform. Darin können die Spitäler die Daten zu ihren Qualitätsstrukturen eintragen. Die Qualitätsplattform enthält auch eine Projektdatenbank für den Informationsaustausch und Wissenstransfer zwischen den Einrichtungen. Auf Basis der gewonnenen Informationen sollen nun die Spitäler bzw. Spitalsträger ihre Qualitätsstrukturen weiterentwickeln können.

Ziel der Qualitätsplattform ist, auf Basis der eingetragenen Daten jährlich einen Bericht zu veröffentlichen und so eine regelmäßige und österreichweite Berichterstattung zu erreichen. In Zukunft sollen auch Ergebnisse von Patientenzufriedenheitsbefragungen sowie Prozess- und Ergebnisdaten in die Berichterstattung einfließen. Die Qualitätsberichterstattung ist rechtlich im Gesundheitsqualitätsgesetz (GQG) und in der Vereinbarung gemäß Artikel 15a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens verankert.

Weitere Informationen:

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