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Wie zufrieden sind Spitalspatienten?

Krankenschwester notiert Patientendaten © contrastwerkstatt
08.08.2011

Erstmals wurden österreichweit Patientinnen und Patienten über ihre Zufriedenheit mit der Versorgung in Spitälern befragt. Im Mittelpunkt standen vor allem die Versorgungsabläufe: Von der Aufnahme und der Betreuung im Spital bis zur Entlassung und Nachbetreuung wurden die Meinungen und Erfahrungen erhoben. Insgesamt nahmen rund 22.000 Patientinnen und Patienten aus 49 Spitälern an der Befragung teil. Sie wurde im Auftrag des Gesundheitsministeriums von der Gesundheit Österreich GmbH durchgeführt.

Hohe Zufriedenheit mit Schwankungen bei einzelnen Spitälern

Rund 80 Prozent der Befragten waren mit dem Spitalsaufenthalt sehr zufrieden. Zwischen den einzelnen Spitälern schwanken die Werte der Gesamtzufriedenheit jedoch zwischen 63 und 95 Prozent. Die Unterschiede zwischen Spitälern, Spitalsträgern und einzelnen Abteilungen zeigen, dass Verbesserungspotenziale vorliegen. Besonders dürfte dies auf Versorgungsübergänge vor allem zwischen Spitälern und dem niedergelassenen Bereich zutreffen.

Die Umfrage zeigt etwa bei den Wartezeiten bis zur Spitalsaufnahme deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Spitälern. So erklärt Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger bei der Präsentation der Ergebnisse: „Die Wartezeiten betrugen bei 40 Prozent weniger als eine Woche, bei 13 Prozent aber länger als zwei Monate. Die Umfrage ergab auch, dass bis zu ein Drittel der Patientinnen und Patienten die Erfahrung gemacht hat, nicht gut auf den stationären Aufenthalt im Spital vorbereitet worden zu sein.“

Im Durchschnitt gaben 47 Prozent an, dass Untersuchungen, die kurz vor dem Aufenthalt gemacht wurden, im Spital wiederholt wurden. Laut Gesundheitsminister Alois Stöger besteht hier Verbesserungsbedarf. Ein wichtiger Schritt, um Doppelbefunde zu vermeiden, sei die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA).

Weitere Detailergebnisse der Patientenbefragung:

Aufnahme und Überweisung
  • Rund 70 Prozent wurden von der Hausärztin/vom Hausarzt, von der Fachärztin/vom Facharzt oder von einem anderen Spital überwiesen. 13 Prozent suchten jedoch ohne ärztliche Überweisung das Spital auf, bei einzelnen Spitälern liegt dieser Wert sogar über 30 Prozent. 17 Prozent waren Notfälle.
  • Rund 25 Prozent der nach eigenen Angaben lebensgefährlich kranken oder verletzten Patientinnen und Patienten warteten zwischen einer und drei Stunden, bis sie erstmals ärztlich untersucht wurden.
Entlassung
  • Zwischen 85 und 99 Prozent der Patientinnen und Patienten waren mit dem Prozess der Entlassung aus dem Spital sehr bzw. eher zufrieden und 98 Prozent erhielten einen Entlassungsbrief.
  • Zwischen sieben und 27 Prozent gaben jedoch an, keine ausreichende Information erhalten zu haben, bei welchen Zeichen einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes sie eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen sollten.
Nachbetreuung
  • Nur rund 50 Prozent der Patientinnen und Patienten, die nach dem Krankenhaus eine Unterstützung brauchten (z.B. Hilfsmittel, Soziale Dienste), hatten eine Ansprechperson, die sich um die Organisation der Nachbetreuung kümmerte.
  • Je nach Spital variiert die Wartezeit auf einen Krankentransport nach der Entlassung stark. Im Durchschnitt warteten rund 27 Prozent der Befragten eine bis drei Stunden auf einen Krankentransport.
Hintergrund der Patientenbefragung

Ziel der Befragung ist ein österreichweiter, sektorenübergreifender Vergleich, der zu einer kontinuierlichen Verbesserung des gesamten Versorgungsprozesses führen soll. Bisher führten auch einzelne Spitalsträger Zufriedenheitserhebungen durch. Diese Befragungen lieferten laut Patientenanwalt Bachinger zwar wichtige Infos vor allem über die Servicequalität, jedoch nicht über die Prozessqualität, und sie waren – im Gegensatz zur aktuellen Befragung – bundesweit nicht vergleichbar.

Die österreichweite Patientenbefragung liefert den politischen Entscheidungsträgern nun wichtige Hinweise für Verbesserungspotenziale in der Patientenbetreuung. Jene Spitäler, die auf freiwilliger Basis teilgenommen haben, können Vergleiche mit anderen Spitälern anstellen und daraus Maßnahmen zur Verbesserung ableiten.

Aus Datenschutzgründen werden die Ergebnisse nur in anonymisierter und zusammengefasster Form veröffentlicht. Bei der Befragung von November 2010 bis März 2011 wurden rund 99.000 Fragebögen mit insgesamt 67 Fragen ausgegeben. Niederösterreich und Steiermark nahmen wegen eigener Befragungen nicht teil.

Weitere Informationen:

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