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Neugeborenen-Test schützt Babys seit 45 Jahren

Labortest © MedUni Wien / Felicitas Matern
16.05.2011

Ein kleiner Stich in die Ferse kann Neugeborenen viel Leid ersparen. Nur ein paar kleine Blutstropfen sind notwendig, um Babys auf angeborene Stoffwechselerkrankungen testen zu können. Bereits seit 45 Jahren läuft an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien) eines der umfangreichsten Neugeborenen-Screeningprogramme Europas. „Dadurch konnten vielen Kindern Krankheiten erspart und Belastungen genommen werden“, erklärte Gesundheitsminister Alois Stöger auf einer Pressekonferenz zur Erfolgsbilanz des Vorsorgeprogramms.

Tausende Neugeborene vor Schäden bewahrt

Das Screening – darunter versteht man organisierte Reihenuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten – ist im Mutter-Kind-Pass enthalten und hat sich mittlerweile zu einem international anerkannten Vorzeigeprojekt entwickelt. „Österreich ist das einzige Land weltweit, in dem nahezu alle Neugeborenen nach einer einheitlichen Methode untersucht werden“, betonte der Rektor der MedUni Wien, Wolfgang Schütz.

Jährlich werden bei 110 bis 130 Babys Probleme im Stoffwechsel- oder Hormonhaushalt rechtzeitig erkannt, noch bevor diese Defekte einen irreversiblen Schaden im Organismus hinterlassen und zu Behinderungen oder schweren Erkrankungen führen. Durch gezielte Behandlungen, z.B. Diäten oder Medikamente, können die Folgen der Stoffwechselstörungen meistens verhindert werden. Seit dem Start im Jahr 1966 wurden mehr als 2.400 Kinder vor schweren Gesundheitsproblemen bewahrt.

Die Methode


Die Blutabnahme für das Neugeborenen-Screening muss zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Geburt erfolgen. Sie ist im Spital, beim Kinderarzt oder durch die Hebamme möglich. Die Blutstropfen werden auf einer Filterkarte gesammelt und ins Labor der MedUni nach Wien geschickt. Dort wird das Blut auf Verdachtsfälle untersucht. Nach einem eventuell positiven Screening-Ergebnis wird ein Verdacht mit einer zweiten Diagnose abgesichert. Das Neugeborenen-Screening erfolgt nur nach Einwilligung der Mutter bzw. der Eltern.

30 verschiedene Erkrankungen getestet

Am Beginn des Screnning-Programms stand die Früherkennung einer Phenylketonurie im Mittelpunkt. Diese Stoffwechselstörung führt ohne Behandlung zu schweren Gehirnschäden. Heute umfasst das Neugeborenen-Screening mehr als 30 verschiedene Erkrankungen, u.a. Mukoviszidose (zystische Fibrose), Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) oder das adrenogenitale Syndrom (AGS). Derzeit wird am Labor mit Unterstützung des Gesundheitsministeriums an der Entwicklung neuer Verfahren zur Früherkennung von lysosomalen Speicherkrankheiten (genetisch bedingten Stoffwechselerkrankungen) in einem internationalen Großprojekt geforscht.

Weitere Informationen: Neugeborenenuntersuchung

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