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Gesundheit für alle Kinder

Blondes Mädchen zeigt Kleeblatt © ChristArt
04.10.2011

Schon in der Kindheit werden wichtige Weichen für die Gesundheit gestellt. Wie Kinder wohnen, wo sie spielen, was sie lernen, ob ihre Eltern arm oder reich sind und ob sie genug Liebe und Unterstützung bekommen, beeinflusst ihre gesunde Entwicklung und prägt ihre Lebensgewohnheiten. Um die vielfältigen Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Familien im Gesamtzusammenhang zu erfassen, startete Gesundheitsminister Alois Stöger vor rund einem Jahr den Kindergesundheitsdialog

Mehr als 180 Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitswesen und anderen Bereichen erarbeiteten wichtige Schwerpunkte und Maßnahmen, um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu stärken. So sollen Probleme wie Übergewicht, früher Alkoholkonsum, lärmbedingte Gehörschäden, Essstörungen oder psychische Probleme, zum Beispiel durch Gewalterfahrungen, bekämpft werden. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden in einer Kindergesundheitsstrategie zusammengefasst und vor Kurzem präsentiert.

Wichtige Schwerpunkte der Kindergesundheitsstrategie sind:

Ernährung und Bewegung


Für die Förderung der richtigen Essgewohnheiten von Kindesbeinen an, wurden von Bund, Ländern und Sozialversicherung für die nächsten drei Jahre rund zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Auch im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Ernährung (NAP.e) werden Projekte umgesetzt. So werden ab Jänner 2012 mobile Beraterinnen und Berater in ganz Österreich Schulbuffetbetreiber bei der Umstellung ihres Angebots unterstützen. Auch die Ernährungsberatung für Schwangere wird auf ganz Österreich ausgerollt.
Um die Bevölkerung und insbesondere Kinder zu mehr Bewegung zu motivieren, wird derzeit im Auftrag des Sport‐ und des Gesundheitsministeriums ein „Nationaler Aktionsplan Bewegung“ (NAP.b) erarbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt sind politikfeldübergreifende Maßnahmen zur Förderung der Alltagsmobilität auf der Straße, in Schulen und Kindergärten.

Frühe Hilfen


Die ersten Lebensjahre sind eine besonders sensible Lebensphase. Das Konzept der „Frühen Hilfen“, das in anderen Ländern, zum Beispiel in Deutschland, bereits erfolgreich umgesetzt wird, soll auf Empfehlung der Kindergesundheitsstrategie auch in Österreich angeboten werden. Es unterstützt Eltern bei ihren Betreuungs‐ und Erziehungsaufgaben und kommt besonders sozial benachteiligten Familien zugute.

Eltern‐Kind‐Vorsorge neu


Der Mutter‐Kind‐Pass soll auf Evidenz überprüft, überarbeitet, modernisiert und aktualisiert werden. Hebammenbetreuung und psychologische Hilfestellung im Rahmen der „Eltern‐Kind‐Vorsorge neu“ sollen zu einer Verbesserung von Vorsorge und Gesundheitsförderung in der Familie beitragen.

Erweiterung des Kinderimpfplans


Ab 1. 1. 2012 werden die Pneumokokken‐ und Meningokokken‐Impfungen ins Kinderimpfprogramm des Bundes aufgenommen und dadurch kostenlos verfügbar. Das Gesundheitsministerium stellt dafür rund vier Millionen Euro bereit.

Maßnahmen zur Senkung der Frühgeburten- und der Kaiserschnittrate

Der Anteil an Frühgeburten vor der 37. Schwangerschaftswoche stieg in Österreich zwischen 1990 und 2011 von acht auf elf Prozent und liegt deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Als Ursachen gelten die Zunahme von Mehrlingsgeburten vor allem durch Hormonbehandlung und künstliche Befruchtung, das steigende Alter der Mütter sowie Lebensstilfaktoren wie Stress, Rauchen oder Alkohol. Die Kindergesundheitsstrategie sieht ein Bündel von Maßnahmen vor, um diesem Trend gegenzusteuern. Dazu zählen unter anderem Standards für die maximale Anzahl zu transferierender Embryonen oder Richtlinien für die hormonelle Stimulationsbehandlung.

Bei den Kaiserschnittraten liegt Österreich mit rund 30 Prozent weit über der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von maximal 15 Prozent und somit im europaweiten Spitzenfeld. Auch dieser Entwicklung soll entgegengewirkt werden.

Kinderfreundlichkeit im Spital


Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Krankenhausaufenthalte sind für sie besonders belastend. Vor allem in Spitälern ohne Kinderabteilung sollen spezielle Bereiche mit entsprechend kindgerechter Ausstattung geschaffen und die Infrastruktur für Begleitpersonen verbessert werden.

Ausbau der stationären kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung


In der Kindergesundheitsstrategie wird ein rascher Ausbau der stationären kinder‐ und jugendpsychiatrischen Versorgung gefordert. Ziel ist die Gewährleistung einer optimalen Versorgung, unabhängig vom sozialen Status, durch ein flächendeckendes, abgestuftes und kostenfreies Versorgungsangebot. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger hat eine Studie zur Bedarfserhebung beauftragt. Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) hat bereits begonnen, ihr psychotherapeutisches Angebot für Kinder und Jugendliche zu erweitern. Beides ist auf die Einbindung der Sozialversicherungen in den Kindergesundheitsdialog und auf die Initiative des Projektes selbst zurückzuführen.

Kinderarzneimittelforschung


Mehr als die Hälfte der in der Kinderheilkunde gängigen Medikamente sind nicht ausreichend für Kinder untersucht. Um die Arzneimittelsicherheit zu erhöhen, wird in der Kindergesundheitsstrategie die Einrichtung eines Kinderforschungsnetzwerks empfohlen. Ein Teil der Finanzierung wird vom Gesundheitsministerium übernommen.


Für die Umsetzung der in der Kindergesundheitsstrategie vorgeschlagenen Maßnahmen ist die Zusammenarbeit aller wichtigen Partner notwendig. Die Vorschläge betreffen nicht nur die Zuständigkeit des Gesundheitsressorts, sondern unter anderen auch das Unterrichts-, Familien-, Sozial- und Lebensministerium sowie die Länder und die Sozialversicherung. Eine eigene Koordinationsstelle im Gesundheitsministerium ist mit der Umsetzung der Maßnahmen und der laufenden Weiterentwicklung der Strategie betraut. Sie wird ab 1. 1. 2012 ihre Arbeit aufnehmen.

Weitere Informationen: Kindergesundheitsdialog (Gesundheitsministerium)

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