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Wut – ein hitziges Gefühl

Frau und Mann streiten © DDRockstar
Ob vor Wut platzen, sie herunterschlucken oder dem Ärger Luft machen: Die Regulierung dieses stürmischen Gefühls fällt oft keineswegs leicht. Gilt es doch, die Balance zu finden: zwischen Unterdrückung von Wut und Tobsuchtsanfällen. Wütend zu sein und dieser Emotion auch Ausdruck zu verleihen wird zudem von der Gesellschaft kritisch gesehen und etwa als unpassend oder undiszipliniert wahrgenommen. Kulturelle Unterschiede spielen ebenso eine große Rolle.

Weder unausgedrückte Wut noch Ausraster sind für die Gesundheit förderlich – sie setzen unter Druck und erhöhen den Stresspegel. Oft genügt bereits ein kleiner Anlassfall, um aus der Haut zu fahren. Die Kunst besteht darin, den goldenen Mittelweg im Umgang mit diesem hitzigen Gefühl zu finden.  

Licht- und Schattenseiten

Im Grunde ist Wut ein ganz natürliches Gefühl, das zum Leben einfach dazugehört. Sie hat auch positive Seiten, z.B. Schützen der eigenen Grenzen, Mobilisierung von Kräften, Aufzeigen von Änderungsbedarf etc. Gerät das Gefühl jedoch außer Kontrolle, kann es in Aggressionen und Gewalt (z.B. in der Familie oder in der Schule) münden. Oft ist Hilflosigkeit im Zusammenhang mit Zorn spürbar, soziale Situationen erscheinen augenblicklich schwer lösbar. Die Erregungsschwelle ist individuell sehr unterschiedlich. Wo der eine nicht mal mit der Wimper zuckt, ist der andere bereits in Rage.

Stresshormone in Action

Wut erzeugt körperliche Reaktionen, die Stress mit sich bringen. Die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol werden in vermehrtem Ausmaß ausgeschüttet, die Herzfrequenz erhöht sich, der Blutdruck steigt. Dieser körperliche Vorgang soll auf die Reaktion auf ein Ärgernis vorbereiten.

Teufelskreis Wutanfall

Der Wut freien Lauf zu lassen hilft allerdings nicht gegen die körperlichen Begleiterscheinungen, der Stresslevel bleibt hoch. Aufbrausende Wut führt oft zu Überreaktionen, die noch mehr Ärger produzieren – der Stresspegel steigt. Durch regelmäßige Ausraster und dem „Dauerzustand Wut“ werden laufend vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, was mit gesundheitlichen Risiken (z.B. Bluthochdruck, Herzinfarktgefährdung) einhergeht. Die Erregungsschwelle sinkt, man ist schnell „auf Tausend“ und kann nur noch schwer entspannen. Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und andere Beeinträchtigungen können die Folge sein. Ganz zu schweigen von den sozialen Konsequenzen – etwa Probleme am Arbeitsplatz oder in der Familie. Nach dem Wutausbruch folgt zudem oft ein Gefühl von Scham.

Unterdrückter Ärger

Wird Wut zurückgehalten, hört sie deswegen nicht auf. Dauerhaft unterdrückten negativen Emotionen wird eine Bedeutung bei der Entstehung von Burnout, Depressionen, Ängsten und Zwängen zugeschrieben. Wird Ärger lange Zeit wiederholt weder bewusst wahrgenommen noch ausgedrückt, werden vor allem depressive Schübe begünstigt. Die Vermeidung des Gefühls führt zu einer großen Anspannung.

Tipps zur Wut-Balance

Ein Leben ohne Ärger gibt es nicht. Das Gefühl der Wut ist völlig normal – wenn auch im jeweiligen Zusammenhang zu sehen. Es ist jedoch wesentlich, darauf zu achten, dass diese Emotionen sowohl für die Person selbst als auch für ihre Umgebung nicht zur Belastung oder eventuell sogar Gefahr werden. Praktische Tipps für den Alltag finden Sie unter Tipps zur Wut-Balance.

Professionelle Unterstützung

Wird Wut zum Dauerzustand, nimmt sie nicht mehr vertretbare Züge an (z.B. gewalttätiges Verhalten) oder ist es kaum möglich, überhaupt Ärger zu fühlen und zu zeigen, ist professionelle Hilfe wichtig, z.B. bei einer Psychotherapeutin/einem Psychotherapeuten. Vor allem Menschen mit Borderline- oder narzisstischen Persönlichkeitsstörungen können auffällig cholerisches Verhalten zeigen. In einer Psychotherapie kann gelernt werden, die Wutanfälle zu regulieren. Auch im gegenteiligen Fall, bei permanenter Frustration und unterschwelligem, unausgedrücktem Ärger verhilft diese zur Balance. Dabei kommen oft Achtsamkeitstechniken (Ärger wahrnehmen und benennen) und je nach Psychotherapiemethode passende Übungen (zu Gefühlsausdruck und -regulierung) – häufig auch in der Gruppe – zum Einsatz. Für eine etwaige Kostenübernahme einer Psychotherapie ist allerdings eine krankheitswertige Störung Voraussetzung.

Das sogenannte Anti-Aggressionstraining wurde zur Vorbeugung aggressiven Verhaltens entwickelt. Gezielte Trainingseinheiten sollen den Umgang mit Aggressionen und Abbaumöglichkeiten vermitteln. Verschiedene Beratungsstellen (u.a. Männerberatungsstellen) bieten diese Trainingsform – oft in multidisziplinären Teams – an.

Auch eine klinisch-psychologische Behandlung kann helfen, Emotionen besser regulieren zu lernen. Klinische Psychologinnen/Psychologen setzen unterschiedliche psychologische Techniken zur Auseinandersetzung mit der Gefühlswelt ein. Eine klinisch-psychologische Behandlung im niedergelassenen Bereich ist privat zu zahlen.

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Zuletzt aktualisiert am: 28.01.2016
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