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Antinukleäre Antikörper (ANA)

Antinukleäre Antikörper sind eine besondere Form von Autoantikörpern, die gegen körpereigene Zellkerne gerichtet sind. Diese können bei Autoimmunerkrankungen im Blut vorkommen.

LOINC-Code: 14611-8/ANA Pat Ser-Imp

Warum werden ANA im Blut bestimmt?

Antikörper sind spezielle Eiweißstoffe, die im Blut sowie auch in anderen Körperflüssigkeiten zu finden sind. Die Hauptaufgabe der Antikörper ist normalerweise der Schutz des Körpers vor allem, was dem Körper fremd ist (Bakterien, Pilze, Viren, Parasiten etc.).

Gebildet werden Antikörper von bestimmten weißen Blutkörperchen, einer Untergruppe der Lymphozyten (B-Lymphozyten), die Plasmazellen genannt werden. Gemeinsam mit einer Reihe spezieller Abwehrzellen (Fress-, Killerzellen etc.) sowie anderer komplexer Abwehrsysteme (z.B. dem Komplementsystem) bilden die Antikörper das Immunsystem des Körpers.

Bei bestimmten Erkrankungen kann das Immunsystem auch Antikörper gegen den eigenen Körper bilden (sogenannte Autoantikörper). Diese Erkrankungen heißen

  • Autoimmunerkrankungen.

Die Ursachen für diese Erkrankungen sind unbekannt.

Bei Autoimmunerkrankungen kommt es zu Entzündungsreaktionen in Organen und verschiedensten Körpergeweben. Die Lokalisation sowie Schwere der Entzündung hängen dabei von der Art und der Menge der gebildeten Autoantikörper ab.

Eine besondere Form der Autoantikörper sind antinukleäre Antikörper (ANA). Diese sind gegen Bestandteile des Zellkerns körpereigener Zellen gerichtet.

Was bedeutet ein positiver ANA-Nachweis im Blut?

Ein positiver ANA-Nachweis kann einen Hinweis auf eine Autoimmunerkrankung geben. Ein wichtiges Diagnosekriterium ist dabei die Menge dieser Autoantikörper im Blut, die in sogenannten „Titerstufen“ gemessen wird.

Unter Titerstufen versteht man eine Verdünnungsreihe des Blutes. Dazu wird die Blutflüssigkeit (Serum) nach einem fixen Schema verdünnt (1:80, 1:160, 1:320, 1:640 etc.), und anschließend erfolgt die Messung der ANA. Jene letzte Verdünnungsstufe, bei der ein positiver ANA-Nachweis noch möglich ist, entspricht dann der ANA-Konzentration im Blut.

Ein hoher Titer (z.B. 1:1.280) bedeutet, dass trotz einer starken Verdünnung der ANA-Nachweis immer noch möglich ist – dementsprechend liegt eine hohe Konzentration dieser Antikörper im Blut vor.

Positive ANA sind aber kein Beweis für eine Autoimmunerkrankung. Niedrige ANA-Titerstufen können z.B. auch bei den folgenden Erkrankungen auftreten:

  • Virusinfekten
  • Leberzirrhose
  • Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung)
  • Tuberkulose
Bei über 60-jährigen Personen können schwach positive ANA-Befunde (niedrige Titerstufen) in bis zu 15 Prozent der Fälle vorkommen, ohne dass eine Erkrankung vorliegt.
 
Aus diesem Grund muss ein positiver ANA-Nachweis immer in Zusammenschau mit anderen klinischen Symptomen interpretiert werden:
 
  • Beschwerdebild der Patientin/des Patienten
  • Entzündungszeichen
  • Organbeteiligungen etc.

Darüber hinaus sind bei einem positiven ANA-Nachweis weiterführende Laboruntersuchungen erforderlich:

  • Bestimmung der ANA-Typen
    • z.B. Antikörper gegen doppelsträngige Desoxyribonukleinsäure – dsDNA
  • bzw.ANA-Subsets
    • sogenannte „extrahierbare nukleäre Antigene“ (ENA)
  • Nachweis von Antikörpern gegen Strukturen im Zytoplasma (das ist der vorwiegend flüssige und z.T. auch feste Inhalt der Körperzellen exklusive dem Zellkern)
Durch die genaue Messung der ANA, ANA-Subsets sowie ggf. anderer Autoantikörper im Blut können in vielen Fällen die genaue Form der Autoimmunerkrankung sowie der Schweregrad der Störung festgestellt werden.

Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen sind durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems gekennzeichnet. Charakteristischerweise treten im Rahmen dieser Störungen erkrankungstypische Autoimmunphänomene auf:

  • Bildung von Autoantikörpern,
  • Auftreten von z.B. autoreaktiven T-Zellen (das sind besondere weiße Blutkörperchen aus der Gruppe der Lymphozyten).

Die Entstehung von Autoimmunerkrankungen ist auch heute noch weitgehend ungeklärt. Vermutlich gibt es dafür vielfältige Ursachen, wobei vor allem erbliche (z.B. genetische Prädisposition) sowie Umweltfaktoren (Infektionen, Giftstoffe etc.) eine Rolle spielen dürften. Frauen sind generell häufiger von diesen Erkrankungen betroffen.

Es gibt unterschiedliche Autoimmunerkrankungen, die entweder bestimmte Organe bzw. Organsysteme oder den gesamten Körper betreffen (das nennt man „systemisch“). Zu den systemischen Autoimmunerkrankungen zählen u.a.

  • rheumatoide Arthritis sowie
  • Kollagenosen:
    • Lupus erythematodes
    • Sjögren-Syndrom
    • Sklerodermie
    • Dermatomyositis
    • Mischkollagenose (sogenanntes Sharp-Syndrom) etc.

Für die Abklärung von Autoimmunerkrankungen sind Anamnese, klinische Untersuchung sowie Krankheitsverlauf entscheidend. Je nach Verdachtsdiagnose sollten neben allgemeinen Entzündungsparametern wie Blutsenkung und CRP (C-reaktives Protein) auch die entsprechenden erkrankungstypischen Autoantikörper im Blut bestimmt werden:

  • Rheumafaktoren (das sind Autoantikörper gegen körpereigene Antikörper)
  • antinukleäre Antikörper (ANA)
  • ANA-Subsets
  • antizytoplasmatische Antikörper etc.

Die Behandlung von Autoimmunerkrankungen hängt in erster Linie von der Form der Störung ab. Im Vordergrund stehen folgende Therapiemöglichkeiten:

  • Entzündungshemmung und
  • Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems).

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
  negativ negativ negativ negativ

Hinweis Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie hier: Was ist normal?
Zuletzt aktualisiert am: 23.05.2012
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