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CH50 Komplementanalyse (CH50)

Mit der CH50-Komplementanalyse wird das sogenannte „Komplementsystem“ des Körpers untersucht. Dabei handelt es sich um einen besonderen Teil des Immunsystems, der aus Eiweißstoffen und Enzymen im Blut besteht.

LOINC-Code: 4532-8/CH50 SerPl-aCnc

Warum wird eine CH50-Komplementanalyse im Blut durchgeführt?

Das Komplementsystem ist ein besonderer Teil des Immunsystems des Körpers. Zusammen mit speziellen Abwehrzellen (Fresszellen, Killerzellen etc.), den weißen Blutkörperchen sowie den von diesen gebildeten Antikörpern dient das Immunsystem dazu, den Körper vor allem zu schützen, was ihm fremd ist:

  • Mikroorganismen (Bakterien, Pilzen, Parasiten etc.),
  • Viren,
  • Tumorzellen und Fremdgewebe,
  • Blütenpollen, Tiergiften sowie
  • vielen anderen natürlichen und künstlichen Stoffen und Substanzen.

Das Komplementsystem selbst besteht aus zahlreichen Eiweißstoffen (Komplementfaktoren) im Blut, die vor allem von der Leber gebildet werden. Diese Eiweißstoffe wirken vorwiegend als Enzyme und tragen die Bezeichnungen C1, C2, C3 usw. (bis C9). Daneben gibt es auch noch die Komplementfaktoren B, D und P sowie Hemmstoffe des Komplementsystems (wie z.B. C1-Esterase-Inhibitor u.v.m.)

Zu den Hauptaufgaben des Komplementsystems gehören:

  • Zerstörung von körperfremden zellulären Strukturen (z.B. Bakterien, körperfremden Zellen, Tumorzellen),
  • „Markierung“ körperfremder Strukturen, damit diese z.B. von Fresszellen erkannt werden, und
  • „Anlockung“ von weißen Blutkörperchen an den Ort des entzündlichen Geschehens (d.h. wo der Kampf des Immunsystems gegen Krankheitserreger, Tumorzellen etc. stattfindet).

Medizinisch bedeutsam ist insbesondere die Feststellung eines Mangels an Komplementfaktoren. Im medizinischen Labor kommen dazu vor allem die folgenden Untersuchungen des Komplementsystems zum Einsatz:

  • CH50-Komplementanalyse. Ein Test zur Feststellung eines Mangels an Komplementfaktoren.
  • Bestimmung von C3/C3c sowie C4. Zur Verlaufskontrolle bei nachgewiesenem Mangel an Komplementfaktoren.

Für eine exakte Diagnosestellung ist die Beurteilung der Konstellation des Komplementfaktorenmangels sowie anderer Laboruntersuchungen (Entzündungswerte, Immunkomplexe, Antikörper- und Autoantikörper) bedeutsam.

Was bedeuten erhöhte CH50-Werte?

Eine Erhöhung von Komplementfaktoren kommt bei allen möglichen Entzündungsreaktionen des Körpers vor.

Für die medizinische Interpretation ist eine Erhöhung von Komplementfaktoren unerheblich, weil für die Entzündungsdiagnostik andere Laborwerte besser geeignet sind:

  • z.B. CRP oder die Blutsenkung.

Was bedeuten niedrige CH50-Werte?

Hinter einer Erniedrigung von Komplementfaktoren können sich die folgenden Ursachen verbergen:

  • Angeborene Störungen (angeborener Mangel an bestimmten Komplementfaktoren).
  • Autoimmunerkrankungen:
    • Das sind Erkrankungen, bei denen das Immunsystem körpereigene Strukturen als fremd erkennt und angreift – die Ursachen für Autoimmunerkrankungen sind unbekannt.
  • Immunkomplexerkrankungen:
    • Bei diesen Erkrankungen kommt es zur Ablagerung von sogenannten „Immunkomplexen“ im Körper (v.a. in Blutgefäßen). Immunkomplexe bestehen aus Antikörpern und im Blut gelösten Strukturen, gegen die diese Antikörper gerichtet sind. Immunkomplexe lagern sich in der Folge in Blutgefäßen (z.B. in jenen der Niere) ab, können dort Komplementfaktoren aktivieren und in weiterer Folge zu schweren Entzündungsreaktionen (Blutgefäßentzündung – „Vaskulitis“) sowie Organschädigungen (z.B. „Glomerulonephritis“ der Nieren) führen.
  • Eiweißmangel.
  • Lebererkrankungen etc.

Glomerulonephritis

Der Begriff „Glomerulonephritis“ umfasst eine ganze Reihe von Nierenerkrankungen, bei denen es zu einer Entzündung der Nieren-Glomerula kommt. Die Nieren-Glomerula sind kleine Blutgefäßknäuel (ein bis zwei Millionen pro Niere) in den Nieren, die für die Blutfiltration (Reinigung des Blutes, Ausscheidung von Stoffwechselprodukten) verantwortlich sind.

Die Ursachen für eine Glomerulonephritis sind vielfältig. Diese können einerseits unbekannt sein (sogenannte „primäre“ Glomerulonephritis), andererseits kann eine Glomerulonephritis bei folgenden Erkrankungen zusätzlich auftreten (sogenannte „sekundäre“ Glomerulonephritis):

  • Autoimmunerkrankungen (z.B. Kollagenosen).
  • Immunkomplexerkrankungen:
    • Bei diesen Erkrankungen kommt es zur Ablagerung von sogenannten „Immunkomplexen“ im Körper (v.a. in Blutgefäßen). Diese Immunkomplexe bestehen aus Antikörpern und im Blut gelösten Strukturen, gegen die diese Antikörper gerichtet sind.
  • Systemischen Infektionserkrankungen (z.B. „Blutvergiftung“ – Sepsis) u.v.m.

Eine Glomerulonephritis kann einen beschwerdelosen, akuten bzw. chronischen Verlauf nehmen. Je nach Verlaufsform kommt es mehr oder weniger schnell zu einer Zerstörung von Nierengewebe, was schlussendlich zu einem chronischen Nierenversagen führen kann.

Für die labormedizinische Diagnose einer Glomerulonephritis werden verschiedene Laborverfahren eingesetzt:

  • Harnuntersuchungen (Blut und Eiweiß im Harn),
  • Untersuchung des Komplementsystems (CH50, C3/C3c, C4),
  • Entzündungsdiagnostik,
  • Bestimmung von Immunkomplexen,
  • Bestimmung von Antikörpern und Autoantikörpern.

In bestimmten Fällen ist auch eine Untersuchung von Nierengewebe (Histologie) erforderlich.

Die Behandlung der Glomerulonephritis hängt von der Ursache (Entzündungshemmung, Immunsuppression) ab. Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz besteht meist nur noch die Möglichkeit einer Hämodialyse (maschinelle Blutreinigung außerhalb des Körpers) bzw. einer Nierentransplantation.


Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
Units pro Milliliter (U/ml) 23–46* U/ml 23–46* U/ml 23–46* U/ml 23–46* U/ml
*Die Referenzwerte hängen von der verwendeten Methode ab! Für Kinder gelten andere Referenzwerte.        

Hinweis Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie hier: Was ist normal?
Zuletzt aktualisiert am: 13.08.2012
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