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Neue Medien & Jugendliche

Jugendlicher am Notebook © olly
Kinder und Jugendliche kommen immer früher mit digitalen, vernetzten Medien wie z.B. Computer, Tablets und Smartphones in Kontakt. Das ist auch gut so, denn es geht dabei nicht immer nur um Unterhaltung und Zeitvertreib. Schule und Freizeit profitieren gleichermaßen von den Neuen Medien.
Sie vermitteln und trainieren wertvolle Fertigkeiten in Bezug auf Kommunikation und Informationsbeschaffung, die auch im späteren Leben unabdingbar sind. Wem Netzwerken und das Herausfiltern seriöser Informationen nicht vertraut sind, ist mitunter benachteiligt. Darüber hinaus fördern viele Konsolen-, Online- und Computerspiele Ausprägungen wie Reaktionsvermögen, Augen-Hand-Koordination, logisches Denken, Raumvorstellung, Geschicklichkeit, Teamfähigkeit u.v.m.

Das virtuelle Tor zur Welt

Noch vor wenigen Jahren waren CD, DVD und Video abwechslungsreiche Lernutensilien zum herkömmlichen Unterricht. Heute sind Computer und Internet zentrale Elemente und bereichern den Alltag in der Schule. Zu Hause angelangt, geht es an Computer oder Notebook gleich weiter. Ob mit einer Textsite, einem Video oder MP3 – das „world wide web“ bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten, das Lernen spannender, abwechslungsreicher und motivierender zu gestalten und den Wissensdrang unmittelbar zu stillen. Für die Hausaufgabe und den durchgemachten Stoff wird im Internet weiterrecherchiert. Was man nicht weiß, verrät einem mit wenigen Klicks das Internet.

Nach getaner Arbeit sollte natürlich auch noch Zeit für Spiel, Spaß und Erholung sein. Computer-, Konsolen-, Online-Spiele, Chatrooms und soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter oder Portale wie Youtube, Myspace & Co. sind nur einige der liebsten Freizeitbeschäftigungen von Kindern und Jugendlichen. Mit dem Internet steht einem die Welt offen . . . Manche können sich jedoch darin verlieren.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Deutschland zeigen ca. 14 Prozent der 14- bis 24-Jährigen ein problematisches und rund 2,5 Prozent dieser Altersgruppe ein abhängiges Internet-Verhalten. Von ähnlichen Zahlen für Österreich kann ausgegangen werden.

Medienkompetenz vermitteln

Die Neuen Medien bringen bei allen Möglichkeiten und Vorteilen jedoch auch eine Vielzahl an Gefahren mit sich. Neben Cybermobbing, Datenmissbrauch oder anderen kriminellen Machenschaften kann sich bei der Userin/dem User eine exzessive Nutzung bis hin zu einer Abhängigkeit entwickeln, die die Betroffenen und ihr Umfeld stark einschränkt. Dominieren im Leben vermehrt Tätigkeiten an Computer, Spielkonsole, Handy und Co., tun sich Schattenseiten auf. Etwa wenn das reale Leben immer mehr ins Hintertreffen gerät und Familie, Freunde und schulische Verpflichtungen vernachlässigt werden. Hat man den Konsum nicht mehr unter Kontrolle, ist man sozusagen „süchtig“.

Um dem gegenzusteuern, sollte Kindern und Jugendlichen bereits früh ein verantwortungsvoller und risikobewusster Umgang mit derartigen Medien näher gebracht und Medienkompetenz vermittelt werden. Dazu gehört auch, den Kindern eine möglichst große Vielfalt an alternativen Erlebnisräumen und Möglichkeiten für Erfolgserlebnisse anzubieten – ohne jedoch damit „Freizeitstress“ und Druck aufzubauen. Hier sind insbesondere Eltern, Großeltern, Lehrerschaft, aber auch (ältere) Geschwister sowie der Freundeskreis gefordert.

Was ist Medienkompetenz?


Medienkompetenz bedeutet, die Vielzahl der Medien, neue sowie alte, nutzen zu können und deren verschiedene Anwendungsmöglichkeiten zu kennen. Eine medienkompetente Benutzerin/ein medienkompetenter Benutzer (er-)kennt mögliche Gefahren und kann mit diesen umgehen. Außerdem setzt man sich mit den Inhalten und Möglichkeiten kritisch auseinander und ist vorsichtig (Definition Medienkompetenz nach „Medien-Jugend-Info“, BMWFJ).

Hinweis Der Umgang mit Computer und Internet vermittelt Kindern und Jugendlichen wertvolle Fähigkeiten. Übermäßiger Konsum birgt jedoch die Gefahr einer Abhängigkeit.

Beliebteste Tätigkeiten im Internet

Der Anteil der Internet-Userinnen und -User unter den 16- bis 24-Jährigen ist in den vergangenen zehn Jahren von 62 auf über 98 Prozent angestiegen. Bereits 86 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 16 Jahren nutzen das Internet, so ein Ergebnis der Studie „Eltern und Interneterziehung“.

Der Renner unter den 16- bis 24-Jährigen ist das Kommunizieren in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Co. (86 Prozent). Weitere beliebte Beschäftigungen im Internet sind das Nachschlagen in Online-Enzyklopädien (84 Prozent), das Suchen nach Informationen über Ausbildungs-, Schulungs- oder Kursangebote (63 Prozent) sowie gesundheitsbezogene Informationen (59 Prozent).

Noch normal oder bereits süchtig?

Der Übergang vom normalen Computer- und Internet-Konsum hin zu bedenklichem Verhalten und Abhängigkeit – geläufig unter Computer- und Internet-Sucht – ist fließend. Nicht jeder, der mit Euphorie eine neue Website entdeckt hat und aus dem Surfen nicht mehr rauskommt oder sich besonders in ein neues Spiel vertieft, ist gleich süchtig und ein Grund zur Besorgnis. Vielmehr geht es darum, das Verhalten langfristig zu beobachten, den Konsum in einem bestimmten Rahmen zu halten und rechtzeitig Probleme und Warnzeichen zu erkennen, anzusprechen und gegenzusteuern. Es kommt auch darauf an, „was“ online getan wird. So ist das Internet ein wichtiger Kommunikationskanal für durchaus reale Freundschaften, stundenlange Online-Nutzung ist nicht gleichbedeutend mit Vereinsamung.

Warnsignale problematischen Verhaltens

Manche Eltern suchen Unterstützung in Checklisten und Fragebögen im Internet, um Warnsignale für eine exzessive Nutzung des Computers zu erkennen. Die tatsächliche Bewertung, ob es sich um ein problematisches oder gar „krankhaftes“ Verhalten handelt, kann letztlich nur die Expertin/der Experte treffen. Eine erste Orientierung ist jedoch durchaus möglich. Sollten Sie einige der untenstehenden Aussagen bejahen und im Computer- und Internet-Konsum Ihres Kindes oder an Ihnen selbst wiedererkennen, ist Vorsicht angesagt, denn erste bedenkliche Verhaltensweisen sind möglicherweise bereits sichtbar.

Vielleicht sind die beobachteten Probleme in Wahrheit zwar ganz unabhängig von der Computernutzung und „nur“ Ausdruck der Pubertät – zögern Sie jedoch nicht, professionelle Hilfe bei z.B. Familienberatungsstellen oder der Medien-Jugend-Info des Familien- und Jugendministeriums in Anspruch zu nehmen (siehe Beratung & Hilfe). Es ist allemal besser, beruhigt nach Hause zu gehen, als ernsthafte Probleme zu übersehen!

  • Das Kind verbringt immer mehr Zeit am Rechner und/oder im Internet. Es hat keinen Überblick mehr, wann es begonnen hat, wie lange es schon spielt/surft, und kann nicht aufhören.
  • Der Computer bzw. das Internet dominieren die Gefühle, Gedanken und das Verhalten Ihres Kindes, es „lebt in einer anderen Welt“, z.B. World of Warcraft (bekanntes Online-Rollenspiel).
  • Das Kind ist öfters traurig, gestresst oder aggressiv und benutzt den Computer bzw. das Internet, um diese negativen Gefühle abzubauen. Hier ist zu beachten, dass bedenkliche Mediennutzung einen Hinweis auf Probleme geben kann, nicht aber unbedingt Ursache der Probleme sein muss.
  • Aggressivität, Frust und Ungeduld stellen sich ein, wenn kein Computer zur Verfügung steht oder man beim Spielen/Surfen stört.
  • Hobbys und Tätigkeiten des realen Lebens wie Musizieren, Lesen, Fußballspielen etc. verlieren an Bedeutung und machen weniger Freude.
  • Sie haben den Eindruck, dass virtuelle Freundschaften wichtiger sind als jene im echten, realen Leben. Treffen mit anderen Kindern werden immer seltener.
  • Sie haben bereits versucht, den Computerspiel- und Internet-Konsum einzuschränken, sind jedoch am Widerstand gescheitert.

Nach Broschüre Online sein mit Maß und Spaß (BZgA)

Was können Eltern tun?

Um einen vernünftigen Computerkonsum Ihres Kindes zu erreichen, können folgende Anregungen hilfreich sein:

Klare Regeln und Zeitvorgaben aufstellen


Treffen Sie mit Ihrem Kind Vereinbarungen, wie es Computer, Internet & Co. nutzen darf. Unbedingt sollte das Kind in diesen Entscheidungsprozess mit eingebunden werden, und die Regeln sollten sich auf konkrete Probleme beziehen, wie z.B.: „Erst die Hausübung fertigstellen, dann spielen.“ Frontale, strenge Vorgaben oder Verbote bewirken eher Unverständnis und Widerstand. Es gilt der Grundsatz: So viele Regeln wie nötig, so wenige wie möglich!

Medientagebuch führen


Um den Überblick über den Computer- und Internet-Konsum Ihres Kindes oder eventuell über Ihr eigenes Verhalten zu bewahren, kann das Führen eines Medientagebuchs hilfreich sein. Darin werden u.a. Zeiten, Aktivitäten eingetragen. Das kleine Büchlein oder die Liste sollte immer beim Rechner liegen.

Interesse und Aufgeschlossenheit zeigen


Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine liebsten Aktivitäten am Rechner oder im Internet. Lassen Sie sich Websites, Spiele etc. zeigen. Mitunter bringt Ihnen Ihr Sprössling auch noch so manches bei! Interesse und Aufgeschlossenheit verbessern das Vertrauensverhältnis und die Gesprächsbasis.

Sorgen und Bedenken ansprechen


Haben Sie Sorgen oder Bedenken über den Inhalt der Lieblingshomepages, -foren, -spiele etc. Ihres Kindes, sollten Sie diese äußern und besprechen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Bedenken auch begründen, nur so kann Sie Ihr Kind auch verstehen.

Alternativen anbieten


Es macht keinen Sinn, wenn Sie nur schimpfen und Verbote aussprechen. Stattdessen ist es zielführender, Alternativen anzubieten. Wenig Sinn macht es auch, wenn Sie selbst ein schlechtes Vorbild sind und z.B. Abend für Abend fernsehen anstatt zu lesen oder sich mit anderen zu unterhalten. Alternativen wären z.B. Vereinbarungen über medienfreie Familiennachmittage und -abende, an denen z.B. gemeinsam ein Brettspiel gespielt, ein Theater oder Konzert besucht wird.

Altersgerechte, empfohlene Spiele bevorzugen


Um sicherzugehen, dass Ihr Nachwuchs auch empfehlenswerte und altersgerechte Spiele downloadet, kauft bzw. geschenkt bekommt, können Sie sich bei der Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen einen Überblick zu aktuell erhältlichen Games verschaffen (BUPP, Teil der Medien-Jugend-Info des BMWFJ). Weitere Informationen erhalten Sie unter Spiele-Empfehlungen (BUPP).

Kennzeichnungen wie das PEGI-Alterssymbol geben zudem Auskunft zu problematischen Inhalten eines Spiels wie z.B. zu Drogen, Diskriminierung, Angst, Sex, Gewalt (PEGI, Pan-European-Game-Information). Weitere Informationen erhalten Sie unter www.pegi.info.

Sich um Gemeinschaft und Freundeskreis sorgen


Viele Spiele lassen sich online oder über Netzwerke im Community-Modus spielen. Das muss nicht unbedingt jeder von seinem Zimmer aus alleine machen. Ermuntern Sie Ihr Kind, Freunde zu sich nach Hause einzuladen. Einem unterhaltsamen, gemeinsamen Computerspielen in der realen Welt steht nichts mehr im Wege!

Konflikten nicht aus dem Weg gehen


Keinesfalls sollten Sie, um Streit oder Konflikte zu vermeiden, wegsehen oder Anliegen unausgesprochen lassen. Diskussionen und (lautstarke) Auseinandersetzungen helfen den Jugendlichen schlussendlich, sich zu orientieren, eine eigene Meinung zu bilden und Persönlichkeit zu entwickeln.

Filter- und Schutzprogramme installieren


Derartige Programme bieten Schutz und geben Rahmenbedingungen vor. Es können z.B. Positivlisten erstellt werden, mit denen nur auf vorher festgelegten Sites gesurft werden kann. Oder es werden explizit bestimmte Seiten, z.B. mit bedenklichen sexuellen oder gewalttätigen Inhalten, gesperrt. Mache Programme bieten auch Zeitfilter. Je älter allerdings die Kinder, desto weniger effizient sind diese Programme – kein System ist perfekt, und jede Software lässt sich umgehen. Werden Filter- und Schutzprogramme verwendet, sollte parallel dazu die Medienkompetenz und die Eigenverantwortung des Kindes gestärkt werden.

Beratung & Hilfe

Bemerken Sie als Elternteil, Lehrperson oder du als Schwester/Bruder, Freundin/Freund gehäuft Anzeichen bedenklichen Computerkonsums oder fallen Ihnen/dir Veränderungen im Verhalten auf, sollte dies unbedingt behutsam angesprochen werden. Rat und professionelle Hilfe bieten zahlreiche Informationsportale, Broschüren und Beratungsstellen.

Auch wenn du selbst das Gefühl hast, dein Internet- und Computerkonsum frisst dich auf und deine Gedanken kreisen nur noch um das Internet, ein Computerspiel etc., kannst du dich an diverse Beratungsstellen wenden. Die Menschen dort haben tagtäglich mit derartigen Problemen zu tun, du bist kein Einzelfall und musst dich deswegen auch nicht schämen.

Wohin kann ich mich wenden?

  • Medien-Jugend-Info des Familien- und Jugendministeriums online und unter der Telefonnummer 0800/240 266 (Mo–Fr 9–15 Uhr).
  • Rat auf Draht – 147 Beratungshotline für Jugendliche.
  • Familienberatungsstellen des Familien- und Jugendministeriums online und unter der Hotline 0800/240 262 (Mo–Do 9–15 Uhr)
  • Die Plattform Saferinternet.at bietet Beratung, Unterrichtsmaterialien, Trainings für Lehrende, Workshops für Schülerinnen/Schüler sowie Elternabende (Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation, ÖIAT).
  • Beratung und Hilfe erhalten Sie auch österreichweit bei den Suchtberatungsstellen. Weitere Informationen erhalten Sie unter Suchtprävention & -koordination.

Infos, Broschüren und Tests

Für Jugendliche:

Für Eltern:

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Zuletzt aktualisiert am: 07.09.2012
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