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Wenn Arbeitskollegen trinken

Mann spricht mit Kollegin im Büro © contrastwerkstatt

Problematisches und übermäßiges Trinken macht sich früher oder später in der Arbeit bemerkbar. Meist zeigen sich z.B. Veränderungen an Verhalten, Äußerem und/oder Arbeitsleistung. Kolleginnen/Kollegen bemerken diese oft lange bevor eine eventuelle Erkrankung diagnostiziert wird.

Häufige Abwesenheit, Fehl- bzw. Krankenstandstage, aggressives Verhalten, aber auch Stimmungsschwankungen und Vernachlässigung des Äußeren etc. sind Anzeichen für Probleme, die Ursache oder Folge des exzessiven Gebrauchs von Alkohol, Medikamenten oder anderen Suchtmitteln sein können.

Was kann ich tun?

Kolleginnen und Kollegen befinden sich mitunter in einer Zwickmühle. Unter Umständen kennt man sich schon lange und ist befreundet. Vielleicht besteht der Wunsch zu helfen, doch es ist nicht klar, wie. Die Befürchtung steht im Raum, dass ein „Einschreiten“ Nachteile für die Beteiligten mit sich bringt. Als Arbeitskollegin/Arbeitskollege können Sie Folgendes tun:

  • Gespräch suchen. Haben Sie den Verdacht, dass es einer Arbeitskollegin/einem Arbeitskollegen schlecht geht oder sie/er übermäßig trinkt, können Sie das Gespräch suchen und Sorgen äußern. Gehen Sie vorsichtig und ohne Vorhaltungen in das Gespräch. Lassen Sie der Betreffenden/dem Betreffenden Zeit, um sich damit, dass Sie das Problem ansprechen, auseinanderzusetzen. Rechnen Sie nicht mit einem Eingeständnis.
  • Verantwortlicher Umgang. Versuchen Sie einen angemessenen Mittelweg zu finden. Achten Sie einerseits darauf, sich nicht vereinnahmen zu lassen. Rechtfertigen Sie den übermäßigen bzw. riskanten Alkoholkonsum eines anderen nicht und übernehmen Sie nicht die Verantwortung für Fehler, die durch diesen Konsum anderer entstehen. Unterstützen Sie die Auffälligkeiten in den Arbeitsverhaltensweisen anderer nicht. Herunterspielen, rechtfertigen etc., kann das Erkennen und Lösen des Problems hinauszögern – mit u.U. schwerwiegenden (gesundheitlichen) Folgen für Betroffene. Vermeiden Sie andererseits überzogen hartes, gehässiges bzw. mobbendes Verhalten Betroffenen gegenüber. Achten Sie auch auf die Interessen des Betriebes.
  • Auch auf die eigenen Bedürfnisse achten und auch auf die eigene Arbeit konzentrieren.
  • Sicherheit in der Arbeit beachten. Ist die Sicherheit gefährdet, sollten Vorgesetzte umgehend informieren werden – unabhängig davon, welches Problem vorliegt. Alkohol, aber auch Übermüdung, Krankheit u.v.m. können Betroffene und andere gefährden und z.B. zu Unfällen führen.
  • Mit Fachpersonen sprechen. Holen Sie sich selbst Unterstützung – für ein Gespräch und den Umgang mit Betroffenen. Hilfestellung erhalten Sie z.B. betriebsintern bei Vertrauenspersonen oder bei spezialisierten Beratungsstellen. Diese finden Sie unter  

Sie können sich zudem an Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten oder Psychologinnen/Psychologen wenden sowie an eine Betriebsärztin/einen Betriebsarzt oder eine niedergelassene Ärztin/einen niedergelassenen Arzt (z.B. für Allgemeinmedizin). Selbstverständlich stehen diese Ansprechpersonen auch Betroffenen zur Verfügung.

Das Gespräch

Eine Vermutung kann belasten. Wenn Sie sich Sorgen machen oder Veränderungen bemerken, können Sie diese ansprechen. Zögern Sie nicht zu lange, gehen Sie dabei aber vorsichtig, empathisch und motivierend vor.

Sie können Ihre Beobachtungen bzw. Verhaltensauffälligkeiten (z.B. in Bezug auf Müdigkeit, starke Stimmungsänderungen etc.) äußern, sowie ausdrücken, dass Sie Veränderungen bemerken und sich Sorgen machen. Das kann besonders gezielt durch Ich-Botschaften erfolgen z.B. „Ich mache mir Sorgen. . . “, „Mir ist aufgefallen, dass . . .“. Mit dem Gespräch sprechen Sie eine Person an, die Ihnen wichtig ist.

Gehen Sie ohne Erwartungshaltung in das Gespräch. Erwarten Sie kein Eingeständnis. Machen Sie keine Vorwürfe und erzwingen Sie nichts. Die Reaktion der betreffenden Person kann unterschiedlich ausfallen, vielleicht ist sie froh, mit jemandem zu reden, vielleicht reagiert sie z.B. herabspielend, leugnend oder wütend. Das Ansprechen allein kann – auch wenn nicht so reagiert wird, wie vielleicht erhofft – dazu beitragen, dass sich die betreffende Person Gedanken macht. Und zum nächsten Schritt in die richtige Richtung beitragen.

Ein eventuell übermäßiger Alkoholkonsum kann, muss aber nicht, direkt in das Gespräch eingebunden werden. Er sollte jedenfalls nicht ausschließlich im Mittelpunkt stehen. Es ist verständlich, helfen zu wollen. Eine Krankheitsdiagnose zu stellen bzw. mögliche gesundheitliche oder Suchtprobleme genauer betrachten, sollte Fachpersonen überlassen werden, z.B. einer Ärztin/einem Arzt – genauso wie (psycho-)therapeutische Maßnahmen.

Hinweis Ein riskanter Alkoholkonsum kommt auch in der Führungsebene vor und kann stark belasten. Sich selbst Unterstützung zu holen, kann auch hier hilfreich sein, zum Beispiel in Form eines Gesprächs in einer Beratungsstelle.

Links & Downloads:

Weitere Informationen:

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Zuletzt aktualisiert am: 25.02.2016
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